polinomics - No.1: Total global / Auf Matrose ohe...
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No.1: Total global    
   
 
 
Wirtschaft

 







Editorial
Die Elite verlässt das Land
Vorsicht Ungeziefer
Auf Matrose ohe...
Der Absolvent in der Warteschleife
Global denken, lokal handeln

Anny unterwegs: "Auf Matrose ohe..."

Text und Foto: Andrea Sommer



Was für ein Tag! Zum Greifen nah zieht dieses gewaltige Schiff an uns vorüber. Gezogen von, so wie es scheint, winzigen Schleppern. Die „Queen Mary 2“, längstes Kreuzfahrtschiff der Welt und Englands ganzer Stolz, läuft zum zweiten Mal in diesem Jahr mit viel Tamtam in den Hamburger Hafen ein. Zusammen mit über 1.000 weiteren „Sehleuten“ bestaune ich voller Ehrfurcht das Spektakel. 


Ohne den Blick von diesem grandiosen Schiff abzuwenden, folgen wir ihr zu Fuß in Richtung Landungsbrücken, den Weg von einer guten Stunde bemerke ich gar nicht. Am Ziel angekommen – übrigens ist das ein Muss für alle Touristen und  auch ein äußerst beliebtes Ausflugsziel für echte Hamburger – schlängele ich mich durch die Menschenmassen. Männer mit Kapitänsmützen und Seemannsbärten tauchen immer wieder vor meinem Gesicht auf und wollen einen, im schönsten Hamburgisch, auf ihre Boote locken. Aber nicht mit mir! Heute will ich mir die „Königin der Meere“ ansehen. Doch es dauert gar nicht lange und ich finde mich neben Japanern und Engländern auf einen dieser Boote wieder. „Das sind Barkassen!“ Vor mir hüpft ganz aufgeregt ein kleiner Junge, der mich freudestrahlend ansieht. Nun, wie auch dem, mit diesen Barkassen kann man den Hamburger Hafen mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten ganz bequem vom Wasser aus betrachten – wenn man mal vom Schaukeln absieht. 

„Auf Matrose ohe ...“ Hans Albers Seemannslied „La Paloma“ aus dem Film „Große Freiheit Nr. 7“ dröhnt vorne im Bug aus einem kleinen Lautsprecher und versucht vergeblich die Motorengeräusche zu übertönen. Eine recht seltsame Tonmischung.  

Zuerst schippert uns Kapitän Ehlers in die Speicherstadt. Links und rechts erheben sich gewaltige rote Mauern aus Backstein – die berühmten, heute unter Denkmalschutz stehenden Lagerhäuser. An dieser Stelle hatte Hamburgs Aufstieg zur reichen Kaufmannsstadt seinen Ursprung. Globalität gehörte hier schon vor hundert Jahren zum Alltag, lange bevor es zum Modewort der heutigen Zeit wurde. Damals wie heute werden hier wertvolle Güter gelagert. Verschiedenste Tee- und Kaffeesorten aus aller Welt, Kakao aus Kolumbien, feinste Teppiche aus dem Orient. Exotisch riechende Gewürze kitzeln in meiner Nase. Oder ist es doch etwas anderes ...?.

Schon steuert Kapitän Ehlers seine Landratten vorbei an „Blohm + Voss“, der Werft, in der auch die „Queen Mary“ in den nächsten Tagen ihre „Schönheits-OP“ erhält. Globalisierung hat auch hier schon seit geraumer Zeit Einzug gehalten. Neben dem britischen Passagierschiff lassen auch zahlreiche andere ausländische Reedereien ihre Schiffe in den Docks generalüberholen. Doch ich sehe im Moment nur diese riesige Stahlwand mit dem Schriftzug der Werft, der mich einfach nicht loslässt. Meine Blicke kleben regelrecht an jedem einzelnen überdimensionalen Buchstaben.

Kaum erholt von diesen gewaltigen Eindrücken, finde ich mich zwischen lauter Containern wieder. Egal wo ich auch hinsehe, überall Schiffscontainer. Mit Aufschriften, von denen ich lediglich weiß, dass sie nicht europäischen und schon gar nicht deutschen Ursprungs sind. Meine staunenden Sitznachbarn und ich erfahren von unserem Kapitän, dass wir gerade durch Teile des Containerhafens steuern. Wohlgemerkt durch Teile, denn der Hamburger Containerhafen gehört zu den neun größten der Erde. Als Umschlagplatz für Rohkaffee ist seine Position an der Spitze sogar weltweit unbestritten – total global eben.

Nach einer Stunde, mir kam es nach den vielen Eindrücken wie fünf Minuten vor, ist die Reise auch schon wieder vorbei. Kapitän Ehlers dockt sicher an den Landungsbrücken an und meine japanischen Bootsgefährten und ich sehen wieder die vertraute Silhouette der britischen „Queen Mary“, die sich majestätisch vor uns erhebt und in einer deutschen Werft im Hamburger Hafen auf ihre „Schönheits-OP“ wartet.

Was für ein Tag!

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