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Die
politische Bühne ist sein zu Hause. Aber auch auf der Theaterbühne
macht er eine gute Figur. Das bewies Altbundeskanzler Helmut Schmidt beim
ZEIT Forum der Literatur am 24. September im Hamburger Thalia
Theater. Im Gespräch mit Frank Sieren, China-Korrespondent
der WirtschaftsWoche, und Matthias Naß, stellvertretender
Chefredakteur der ZEIT, berichtete Schmidt, warum China ihn
fasziniert und was er bei seinen zahlreichen Besuchen dort
erlebt hat. Der Anlass zu dieser Runde war die Buchvorstellung
von "Nachbar China", das Helmut Schmidt gemeinsam
mit Frank Sieren verfasst hat.
Helmut Schmidt sitzt entspannt auf dem Podium. Lässig hat er den
linken über den rechten Fuß gelegt und zieht genüsslich an seiner
Zigarette. Er warnt davor, für China dieselben Maßstäbe wie für
Europa anzusetzen. Die kulturellen Gegebenheiten und die Geschichte
beider Kulturen seien schließlich nicht zu vergleichen. Der deutschen
Außenpolitik stellte Schmidt ein positives Zeugnis aus. Lediglich von
der doch zu offenen Kritik Angela Merkels während ihres China Besuchs
hat er nichts gehalten. Es sei nicht besonders Erfolg versprechend,
wenn "eine Kanzlerin sich hinstellt und den Umgang mit den
Menschenrechten kritisiert".
Der
Altbundeskanzler forderte die Zuhörer auf, die rasante
Entwicklung Chinas mit Respekt zu behandeln und auf keinen Fall in
Panik zu verfallen. "Das führt zu Animositäten und Feindschaft.
Aus Angst entsteht jedoch keine Entwicklung und kein technischer
Fortschritt.", so Schmidt. Man könne China nicht für die
Probleme in Deutschland und in Europa verantwortlich machen. "An
der Arbeitslosigkeit sind wir selbst schuld." Die Besserwisserei
des Westens ist für den 87jährigen ein echtes Übel.
China befinde sich in einem gewaltigen Umwälzungsprozess. "Der
Unterschied zwischen Arm und Reich ist enorm groß", weiß
China-Kenner Schmidt zu berichten.
Aber selbst in den Regionen des Landes, in denen der Wohlstand noch
nicht gänzlich vorgedrungen ist, lasse sich eine allgemeine Verbesserung für
die Menschen feststellen.
Für Frank Sieren haben die Olympischen
Spiele 2008 für China eine besonders große Bedeutung. "Sie
werden dazu beitragen, dass noch mehr Menschen erkennen, wie weit das
Land schon ist." An einen Rückschritt des Landes glaubt Sieren
nicht. Vielmehr stünden alle Zeichen auf wirtschaftliche Entwicklung.
Im Gegensatz zu denen, die dem gegenwärtigen China-Hype ängstlich
gegenüberstehen, sieht Schmidt der Entwicklung des Landes ziemlich gelassen entgegen.
"Wenn die Europäer an der Spitze der technischen Forschung
bleiben, dann werden sie den Wettbewerb mit den Chinesen bestehen können."
Frank Sieren kann dieser Einschätzung Schmidts nur zustimmen: "Wir müssen
die Herausforderung annehmen."
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