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No.2: China ante portas
 

Sprache

 

Chinesisch in drei Wochen

Text: Thomas Sommer


Wer hat in seiner Schulzeit nicht davon geträumt? Eine Sprache lernen in nur wenigen Wochen. Ohne jahrelanges und stupides Vokabelpauken! Ein Wunschgedanke, der den hiesigen Englisch- und Französischlehrern wohl bekannt sein dürfte und von diesen in der Regel als eine natürliche Abwehrreaktion lernfauler Pennäler angesehen wird. Noch unmöglicher scheint diese kühne Behauptung bei einer Sprache, die oftmals als die schwierigste der Welt bezeichnet wird. Chinesisch. Doch genau dies behauptet das in Bochum ansässige Landesspracheninstitut Nordrhein-Westfalen (LSI).

In nur drei Wochen kann man hier, ohne jegliche Vorkenntnisse, die chinesische Hochsprache (Mandarin) so erlernen, dass man sich im Reich der Mitte eigenständig bewegen und unterhalten kann. Alltägliche Dinge, wie zu essen und zu trinken bestellen, nach dem Weg fragen oder sich mit Einheimischen über das Wetter unterhalten, sind nach drei Wochen ganztägigen Unterrichts das erklärte Lernziel der chinesisch- und deutschsprachigen Sprachlehrer. Natürlich reicht der Grundkurs, in dem den Teilnehmern rund 800 Vokabeln der Gegenwartssprache Chinas vorgestellt werden, nicht dazu aus, um mit den Chinesen ohne Dolmetscher Geschäfte zu machen. Doch wer seinen chinesischen Geschäftspartner in der Landessprache zu einem Abendessen einladen kann, der macht sicherlich einen positiven Eindruck und sorgt ganz nebenbei für eine entspannte Atmosphäre.

Doch wie ist ein solches Lernziel zu erreichen? Man verzichtet in Bochum einfach auf die chinesische Schrift und konzentriert sich ganz auf die Sprache. In der Tat ist es so, dass selbst Chinesen oftmals viele Jahre benötigen um die komplexen Schriftzeichen zu erlernen. In China benutzt man statt das uns bekannte Alphabet eine Art Wortschrift. Um eine chinesische Tageszeitung lesen zu können muss, man rund 5.000 solcher Schriftzeichen kennen. Die gesprochene Sprache kann hingegen viel leichter und vor allem schneller erlernt werden.

Genau aus diesem Grund lassen sich auch immer mehr Fach- und Führungskräfte der Wirtschaft, Medienvertreter, Entwicklungsexperten und sogar Diplomaten am LSI  in die Geheimnisse einer Sprache einweihen, die von einem Viertel der Menschheit gesprochen wird.

Wer nach dem dreiwöchigen Bochumer Grundkurs Lust auf Mehr bekommen hat, der kann sein Wissen in den zahlreichen Aufbaukursen ausbauen oder ganz einfach und bequem von zu Hause aus weiter an seinen Sprachfertigkeiten feilen. Eine gute Möglichkeit dafür bietet der hochgelobte und als Podcast im Internet abzurufende Chinesepod.com. Der tägliche und darüber hinaus kostenlose Podcast auf Mandarin kann wahlweise um Texte, Vokabel- und Grammatikübungen im Abo erweitert werden. Gegründet wurde die virtuelle Sprachschule von Ken Carroll, einem irischen Sprachlehrer aus Shanghai. Diese neue und recht unkonventionelle Lernmethode kommt an. Chinesepod erreicht bisher rund 120.000 Hörer pro Woche und eignet sich besonders zur unkomplizierten und kostengünstigen Auffrischung eingerosteter Chinesischkenntnisse.

Derlei gut gerüstet, dürfte dem privaten und geschäftlichen Start im Reich der Mitte nichts mehr im Wege stehen.