polinomics - No. 2: China ante portas / Handel in China
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No. 2: China ante portas  
   
 

Wirtschaft

 




Editorial
Interview mit Christian Sommer
Herausforderung China
Chinesisch in drei Wochen
Handel in China 
Hamburgs chinesische Seite
Helmut Schmidt im Gespräch
Nachbar China

Handel in China

Text: André Strube

 Foto: Hjördis Becker


Um den Handel in China auch nur annähernd zu beschreiben, muss man sich vorab einen kleinen Überblick über dieses riesige Land machen. Nicht nur die sicherlich bekannte Einwohnerzahl von 1,3 Milliarden beeindruckt, sondern auch die Landfläche, die mit 9,5 Millionen Quadratkilometern fast 27mal so groß wie Deutschland ist. Auf dieser großen Fläche unterteilt sich das Land in verschiedene Klima- und Vegetationszonen. Diese reichen vom typischen Kontinentalklima im Westen und Norden bis zu subtropischem Klima im Süden. Ein Großteil der Bevölkerung (etwa 90%) lebt in dicht besiedelten Gebieten im Osten der VR China. In Zentral- und Westchina ist die Bevölkerungsdichte sehr gering.

Der wirtschaftliche Aufschwung Chinas begann in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Durch den Beitritt Chinas zur World Trade Organisation im Jahr 2001 wurde dieser lang anhaltende Trend unterstützt. Das zukünftig erwartete Wachstum liegt bei 7% pro Jahr, wobei die Statistiken in China, wie in vielen anderen Entwicklungsländern, mit Vorsicht zu genießen sind. Am Aufschwung und der Versorgung mit Handelswaren partizipieren hauptsächlich die Bewohner in den große Städten und ihren Einzugsgebieten im Osten des Landes. In den dünn besiedelten Regionen in Zentralchina ist die Entwicklung noch deutlich zurückgeblieben, was sich auch in der Versorgung und der Struktur des Handels wiederspiegelt. Das, durch die Einwohnerzahl, gegebene Potential Chinas als weltgrößter Handelsmarkt, beschränkt sich zurzeit auf die dicht besiedelten Gebiete. Der gesamte Handelsmarkt ist daher auch noch sehr stark fragmentiert. Der Anteil der großen Handelskonzerne ist sehr gering. Während in Deutschland der Umsatzanteil der fünf größten Handelskonzerne bei 70,9% liegt, beträgt dieser Anteil in China nur 5%. Der Großteil des Umsatzes und der Bevölkerungsversorgung wird durch kleine Familienunternehmen gewährleistet. Allerdings wird eine weitere Konzentration erwartet, da die Möglichkeiten für ausländische Kapitalgeber in den vergangenen Jahren verbessert wurden. Außerdem lockt das große Potential des Landes selbstverständlich internationale Unternehmen an. Gerade die geringe Aufteilung des Marktes, das erwartete Wirtschaftswachstum und die große absolute Zahl an Einwohnern  weckt die Interessen der großen Unternehmen.

Die Einwohnerzahl Chinas wird sich durch die restriktive Geburtenkontrolle voraussichtlich nur bis 2030 positiv entwickeln und dann sinken. Die Ein-Kind-Ehe ist in China selbst zwar umstritten, aufgrund der fehlenden Demokratie wird eine mittelfristige Änderung dieses Gesetzes allerdings nicht erwartet. Die politische Führung möchte damit der Überbevölkerung vorbeugen. In Verbindung mit der verbesserten Gesundheitsversorgung wird dies zu einer verstärkten Alterung der Gesellschaft und den damit verbundenen Problemen führen. Bei gleichzeitigem anhaltendem Wirtschaftswachstum wird das Pro-Kopf-Einkommen steigen und den Konsum unterstützen. Die Entwicklung des Landes zeichnet sich auch in der Verteilung der Konsumausgaben ab. Während die bisherige Konzentration des Konsums auf Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs bestand, findet nun ein Wechsel zu höherwertigen Produkten, Services und Dienstleistungen statt. Hier sei noch mal erwähnt, dass dies hauptsächlich für die großen Städte im Osten des Landes gilt. Eine zunehmende Migration der Landbevölkerung in die Millionenstädte an der Küste wird diese Tendenzen weiter verstärken.

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© Thomas Sommer 2006