|
Der große Vorteil Chinas ist der riesige
Binnenmarkt mit einem Handelsvolumen von €597 Milliarden. Das erhöht
die Unabhängigkeit Chinas von internationalen Wirtschaftskrisen. Mit
diesen Umsätzen ist China bereits heute der drittgrößte
Handelsplatz der Welt und wird mittelfristig zur Nummer eins
aufsteigen. Trotz der geringen Konsumausgaben pro Kopf führt die große
Einwohnerzahl zu einem beachtlichen Handelsumsatz. Im Vergleich zu
Deutschland (€3.829) oder den USA (€7.875) ist der Handelsumsatz
pro Kopf mit €455 gering. Das wesentlich höhere jährliche
Wirtschaftswachstum und die Bevölkerungszahl geben allerdings einen
sehr positiven Ausblick in die Zukunft.
Dieses positive Szenario kann allerdings nicht uneingeschränkt
gezeichnet werden. Das liegt an verschiedenen Punkten kultureller,
wirtschaftlicher und politischer Natur. Die Einkaufsgewohnheiten der
Chinesen sind nicht mit den Einkaufsgewohnheiten anderer
Industrienationen vergleichbar. Frische hat in China eine völlig
andere Bedeutung, als beispielsweise in Europa und den USA. Dies führt
dazu, dass der Durchschnittskunde nicht nur einen Großeinkauf in
regelmäßigen (bspw. wöchentlichen) Abständen durchführt, sondern
wesentlich öfter einkauft und dafür nur einen geringen Umsatz pro
Einkauf realisiert. Damit sind höhere Aufwendungen für Personal bei
ähnlichen Umsätzen verbunden. Bei dem aktuellen Lohnniveau ist dies
sicherlich kein Problem; das Lohnniveau wird sich aber innerhalb
absehbarer Zeit erhöhen. Außerdem müssen die Märkte so gestaltet
sein, dass die größere Kundenfrequenz bewältigt werden kann. Die
Attraktivität des Marktes China wird weiterhin große internationale
Konzerne ins Land locken und damit die Konkurrenzsituation verstärken.
Bereits jetzt sind Grundstücke in Innenstadtlagen der wirtschaftskräftigen
Metropolen so hoch bewertet, dass eine Refinanzierung der Anlage
schwer möglich ist. Das Einkaufsverhalten und die geringe Autodichte
verbieten zurzeit noch Investitionen in den äußeren Stadtgebieten.
Weitere Probleme bereitet die alternde Bevölkerung. Die chinesische
Bevölkerung wird zukünftig selbst vorsorgen müssen und sich das
verfügbare Einkommen dadurch verringern. Sollten diese zusätzlichen
Ausgaben nicht durch Einkommenszusätze aufgefangen werden können, so
verringert sich das Handelswachstum signifikant. Weiterhin muss die
Stellung der Staatsunternehmen überprüft werden. Sie stehen für
einen großen Teil des Bruttoinlandsproduktes, arbeiten allerdings
vielfach uneffektiv. Eine stärkere Marktanpassung dieser Unternehmen
wird zu Entlassungen und damit höheren Arbeitslosenzahlen führen.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind sicher absehbar.
Zu der politischen Situation in China muss nicht viel gesagt werden.
Es gibt aktuell keine funktionierende Demokratie. Außenpolitisch wäre
das Land isoliert, wenn nicht die erwarteten Gewinne Länderchefs und
Wirtschaftsunternehmen ihre Grundsätze vergessen lassen würde. Die
Frage, ob ein Land durch koordinierten Wirtschaftsaufschwung in
demokratische Bahnen gelenkt werden kann, mag ich nicht zu
beantworten.
In einer kurzen Zusammenfassung bleibt zu sagen, dass die goldenen
Erwartungen der Wirtschaft sicher nicht falsch sind. Die Probleme und
Unstimmigkeiten sind allerdings nicht zu vernachlässigen.
<
vorherige
Seite
Bitte
vergewissern Sie sich, dass Sie in Ihrem Browser JavaScript aktiviert
haben!
|