polinomics - No. 2: China ante portas / Handel in China
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No. 2: China ante portas  
   
 

Wirtschaft

 




Editorial
Interview mit Christian Sommer
Herausforderung China
Chinesisch in drei Wochen
Handel in China 
Hamburgs chinesische Seite
Helmut Schmidt im Gespräch
Nachbar China

Handel in China

Text: André Strube

 Foto: Hjördis Becker


Der große Vorteil Chinas ist der riesige Binnenmarkt mit einem Handelsvolumen von €597 Milliarden. Das erhöht die Unabhängigkeit Chinas von internationalen Wirtschaftskrisen. Mit diesen Umsätzen ist China bereits heute der drittgrößte Handelsplatz der Welt und wird mittelfristig zur Nummer eins aufsteigen. Trotz der geringen Konsumausgaben pro Kopf führt die große Einwohnerzahl zu einem beachtlichen Handelsumsatz. Im Vergleich zu Deutschland (€3.829) oder den USA (€7.875) ist der Handelsumsatz pro Kopf mit €455 gering. Das wesentlich höhere jährliche Wirtschaftswachstum und die Bevölkerungszahl geben allerdings einen sehr positiven Ausblick in die Zukunft.

Dieses positive Szenario kann allerdings nicht uneingeschränkt gezeichnet werden. Das liegt an verschiedenen Punkten kultureller, wirtschaftlicher und politischer Natur. Die Einkaufsgewohnheiten der Chinesen sind nicht mit den Einkaufsgewohnheiten anderer Industrienationen vergleichbar. Frische hat in China eine völlig andere Bedeutung, als beispielsweise in Europa und den USA. Dies führt dazu, dass der Durchschnittskunde nicht nur einen Großeinkauf in regelmäßigen (bspw. wöchentlichen) Abständen durchführt, sondern wesentlich öfter einkauft und dafür nur einen geringen Umsatz pro Einkauf realisiert. Damit sind höhere Aufwendungen für Personal bei ähnlichen Umsätzen verbunden. Bei dem aktuellen Lohnniveau ist dies sicherlich kein Problem; das Lohnniveau wird sich aber innerhalb absehbarer Zeit erhöhen. Außerdem müssen die Märkte so gestaltet sein, dass die größere Kundenfrequenz bewältigt werden kann. Die Attraktivität des Marktes China wird weiterhin große internationale Konzerne ins Land locken und damit die Konkurrenzsituation verstärken. Bereits jetzt sind Grundstücke in Innenstadtlagen der wirtschaftskräftigen Metropolen so hoch bewertet, dass eine Refinanzierung der Anlage schwer möglich ist. Das Einkaufsverhalten und die geringe Autodichte verbieten zurzeit noch Investitionen in den äußeren Stadtgebieten.

Weitere Probleme bereitet die alternde Bevölkerung. Die chinesische Bevölkerung wird zukünftig selbst vorsorgen müssen und sich das verfügbare Einkommen dadurch verringern. Sollten diese zusätzlichen Ausgaben nicht durch Einkommenszusätze aufgefangen werden können, so verringert sich das Handelswachstum signifikant. Weiterhin muss die Stellung der Staatsunternehmen überprüft werden. Sie stehen für einen großen Teil des Bruttoinlandsproduktes, arbeiten allerdings vielfach uneffektiv. Eine stärkere Marktanpassung dieser Unternehmen wird zu Entlassungen und damit höheren Arbeitslosenzahlen führen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind sicher absehbar.

Zu der politischen Situation in China muss nicht viel gesagt werden. Es gibt aktuell keine funktionierende Demokratie. Außenpolitisch wäre das Land isoliert, wenn nicht die erwarteten Gewinne Länderchefs und Wirtschaftsunternehmen ihre Grundsätze vergessen lassen würde. Die Frage, ob ein Land durch koordinierten Wirtschaftsaufschwung in demokratische Bahnen gelenkt werden kann, mag ich nicht zu beantworten.

In einer kurzen Zusammenfassung bleibt zu sagen, dass die goldenen Erwartungen der Wirtschaft sicher nicht falsch sind. Die Probleme und Unstimmigkeiten sind allerdings nicht zu vernachlässigen.


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© Thomas Sommer 2006