polinomics - No. 2: China ante portas / Helmut Schmidt im Gespräch
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No. 2: China ante portas  
   
 

ZEIT Forum der Literatur

 




Editorial
Interview mit Christian Sommer
Herausforderung China
Chinesisch in drei Wochen
Handel in China 
Hamburgs chinesische Seite
Helmut Schmidt im Gespräch
Nachbar China

Helmut Schmidt im Gespräch

Text: Thomas Sommer

 (c) Sina Preikschat für DIE ZEIT


Die politische Bühne ist sein zu Hause. Aber auch auf der Theaterbühne macht er eine gute Figur. Das bewies Altbundeskanzler Helmut Schmidt beim ZEIT Forum der Literatur am 24. September im Hamburger Thalia Theater. Im Gespräch mit Frank Sieren, China-Korrespondent der WirtschaftsWoche, und Matthias Naß, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, berichtete Schmidt, warum China ihn fasziniert und was er bei seinen zahlreichen Besuchen dort erlebt hat. Der Anlass zu dieser Runde war die Buchvorstellung von "Nachbar China", das Helmut Schmidt gemeinsam mit Frank Sieren verfasst hat.

Helmut Schmidt sitzt entspannt auf dem Podium. Lässig hat er den linken über den rechten Fuß gelegt und zieht genüsslich an seiner Zigarette. Er warnt davor, für China dieselben Maßstäbe wie für Europa anzusetzen. Die kulturellen Gegebenheiten und die Geschichte beider Kulturen seien schließlich nicht zu vergleichen. Der deutschen Außenpolitik stellte Schmidt ein positives Zeugnis aus. Lediglich von der doch zu offenen Kritik Angela Merkels während ihres China Besuchs hat er nichts gehalten. Es sei nicht besonders Erfolg versprechend, wenn "eine Kanzlerin sich hinstellt und den Umgang mit den Menschenrechten kritisiert".

Der Altbundeskanzler forderte die Zuhörer auf, die rasante Entwicklung Chinas mit Respekt zu behandeln und auf keinen Fall in Panik zu verfallen. "Das führt zu Animositäten und Feindschaft. Aus Angst entsteht jedoch keine Entwicklung und kein technischer Fortschritt.", so Schmidt. Man könne China nicht für die Probleme in Deutschland und in Europa verantwortlich machen. "An der Arbeitslosigkeit sind wir selbst schuld." Die Besserwisserei des Westens ist für den 87jährigen ein echtes Übel.

China befinde sich in einem gewaltigen Umwälzungsprozess. "Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist enorm groß", weiß China-Kenner Schmidt zu berichten. Aber selbst in den Regionen des Landes, in denen der Wohlstand noch nicht gänzlich vorgedrungen ist, lasse sich eine allgemeine Verbesserung für die Menschen feststellen. 

Für Frank Sieren haben die Olympischen Spiele 2008 für China eine besonders große Bedeutung. "Sie werden dazu beitragen, dass noch mehr Menschen erkennen, wie weit das Land schon ist." An einen Rückschritt des Landes glaubt Sieren nicht. Vielmehr stünden alle Zeichen auf wirtschaftliche Entwicklung. 

Im Gegensatz zu denen, die dem gegenwärtigen China-Hype ängstlich gegenüberstehen, sieht Schmidt der Entwicklung des Landes ziemlich gelassen entgegen. "Wenn die Europäer an der Spitze der technischen Forschung bleiben, dann werden sie den Wettbewerb mit den Chinesen bestehen können." Frank Sieren kann dieser Einschätzung Schmidts nur zustimmen: "Wir müssen die Herausforderung annehmen." 

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© Thomas Sommer 2006