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Die
Europäische Union sagt
den Energiekonzernen den Kampf an. Die EU- Energieverbraucher, also
sowohl Bürger als auch Unternehmen, sollen sich ihre Anbieter in
Zukunft frei aussuchen können. Das Vorschlagpaket, das die
EU-Kommission am 10. Januar der Öffentlichkeit bekannt gegeben hat,
sieht darüber hinaus ehrgeizige Ziele für die
Treibhausgasemissionen und erneuerbare Energien vor. Ziel ist es,
einen echten Energiebinnenmarkt aufzubauen und zu einer wirksamen
Regulierung des Energiemarktes beizutragen. Ein gesamteuropäischer
Energiebinnenmarkt wirke sich nach Ansicht der Kommission nicht nur
auf die steigende Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch auf die
Zukunftsfähigkeit und die Sicherheit positiv aus. Wie bedeutend
eine sichere Energieversorgung ist, zeigte sich unlängst beim
Streit zwischen Weißrussland und Russland über eine umstrittene
Durchleitungsgebühr für russisches Rohöl, der schließlich zu
einem Stop der Öllieferung nach Europa führte. Vor allem in
Deutschland war die Sorge groß, dass der Lieferstopp die hiesige Ölversorgung
beschneiden könnte. Durch die Pipeline mit dem klingenden Namen
"Druschba" (Freundschaft), fließt doch rund ein Fünftel
des in Deutschland benötigten Erdöls. Mittlerweile ist der Streit
zwischen den einstigen Brüdern ausgestanden. Der Westen blieb von
einer befürchtete Energie-Katastrophe verschont. Der Zwischenfall
verdeutlichte jedoch eindrucksvoll die große Energie-Abhängigkeit
des Westens.
Innereuropäische Wettbewerbssteigerung
Kommissionspräsident
José Manuel Barroso bezeichnete das in Brüssel beschlossene Maßnahmenpaket
als einen Meilenstein in der Energiepolitik der Europäischen Union.
Ineffiziente und teure Erdgas- und Elektrizitätsmärkte seien für
Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen von Nachteil, so Barroso.
Besondere Probleme bereite der Kommission die hohe Marktkonzentration
und die vertikale Integration von Versorgung, Erzeugung und
Infrastruktur. Es bestehe schließlich die Gefahr, dass sich die
etablierten Betreiber den Markt untereinander aufteilen. Kleinere
Betreiber würden so diskriminiert und der Wettbewerb würde zum
Nachteil der Verbraucher unterlaufen. "Dieser Bericht dürfte für
viele Energiegesellschaften eine unerfreuliche Lektüre sein.",
so die niederländische Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Zu
geringe Investitionen - vor allem in die Netze - seien weit
verbreitet. Der Leittragende sei in der Regel der Verbraucher.
"Auf der Basis der harten Fakten wird die Kommission
wettbewerbsrechtliche Schritte unternehmen und sich bemühen, den
Rechtsrahmen so zu verbessern, dass die Verbraucher wirklich von der
Liberalisierung profitieren", so Kroes weiter.
Die Zerschlagung der Marktmacht
Die
EU droht damit, die großen Konzerne zu zerschlagen. Netze und
Energieproduktion könnten nach Meinung der Kommission getrennt
werden, damit sich Konkurrenten besser am erstarten Energiemarkt
etablieren können. Eine Forderung, die Verbraucherschützer schon
seit längerem immer wieder fordern. Deutschland und Frankreich
sprechen sich jedoch eindeutig gegen das Vorhaben der EU aus. Man fürchtet
hier ein hartes Durchgreifen der europäischen Wettbewerbshüter und
die Beschneidung bestehender Besitzstände. Eine verständliche
Reaktion. Bedenkt man, dass der deutsche Markt trotz Öffnung von
lediglich vier Energieriesen beherrscht wird. Ungeachtet dieser
erwarteten Gegenstimmen möchte die EU nach dem Scheitern der
gemeinsamen Verfassung und angesichts einer allgemeinen Verdrossenheit
in der Bevölkerung ihre neue Strategie weiter verfolgen. Handlungsstärke
und Bürgernähe sind die Zauberworte. Man möchte den Bürgern
konkrete Errungenschaften präsentieren und damit weg vom Image des
lahmen Riesen. Erreicht wird dies durch verbraucherfreundliche Maßnahmen
wie die Durchsetzung von niedrigeren Gebühren für
Auslands-Handy-Gespräche und eben durch Steigerungen des Wettbewerbs
am Energiemarkt, der schließlich für günstigere Preise sorgen soll.
Fragt sich nur, ob diese Strategie auch wirklich aufgeht.
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