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Tim Harford: Ökonomics
Rezensiert von Thomas Sommer
Ökonomie
ist die Forschung und Lehre, die sich mit dem Wesen, Ordnung,
Aufbau, Ablauf und Ziel der Wirtschaft beschäftigt - so die
gängige, im Lexikon nachzulesende Definition.
Klingt auf den ersten
Blick ziemlich unspektakulär, wenn nicht sogar langweilig. Kein
Wunder also, dass die Ökonomie für viele nicht mehr als ein Buch
mit sieben Siegeln darstellt. Ein aktiver Kontakt soll bitte schön
vermieden werden. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, dass nichts
unser tägliches Leben so durchdringt wie die Wirtschaft. Aber das
wissen Sie sicherlich schon. Sie interessieren sich schließlich für
wirtschaftliche Zusammenhänge und möchten gerne mehr darüber
wissen. Zum Beispiel darüber, wie eigentlich der Preis für einen
Cappuccino im Coffeeshop um die Ecke zustande kommt.
Dann lassen Sie sich
doch einfach zum Undercover-Ökonomen ausbilden, damit Sie mit Hilfe
der Wirtschaftswissenschaften die Menschen und ihre jeweiligen
Rollen besser verstehen: als Individuen, Partner, Wettbewerber und
Teile des gewaltigen sozialen Organismus
"Volkswirtschaft". Ihr persönlicher Ausbilder ist Harford.
Tim Harford - ein Ökonom.
Harford
arbeitet für die Weltbank, schreibt Kolumnen für die
"Financial Times" und war Wirtschaftsdozent an der
Universität Oxford. Eine seiner wichtigsten Eigenschaften ist, dass
er vermeidlich schwierige Sachzusammenhänge verständlich
darstellen kann. So kommt es auch, dass sein Buch "Ökonomics",
das - oh Schreck - von der Wirtschaft handelt, alles andere als
trocken und langweilig ist. Der Brite Harford will mit seinem Buch
vor allem eines, informieren. Dabei bedient er sich Stilmittel guter
Unterhaltungsliteratur. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise durch
den Alltag und zeigt, dass ökonomische Konzepte wie knappe
Ressourcen, Marktmacht, Effizienz, Preistreiberei, Marktversagen,
Insiderwissen und Spieltheorie unser tägliches Leben beeinflussen,
ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Als echter Brite ist Harford
dabei ironisch und unterhaltsam. Die Bildung von Monopolen und das
damit verbundene Streben der Unternehmen, den Zutritt zu attraktiven
Märkten zu verhindern beschreibt der Autor so: "Wenn Sie als
Drogendealer eine gewisse Marktmacht aufbauen wollen, müssen Sie
darauf achten, möglichst wenig Wettbewerb aufkommen zu
lassen."
Der
Philosoph und Staatsmann Francis Bacon hat im 16. Jahrhundert
festgestellt, dass Wissen Macht bedeutet. Eine Feststellung, die an
Aktualität bis heute nichts verloren hat. Eine Möglichkeit, auf
besonders angenehme und zugleich lehrreiche Art an Wissen zu
gelangen, ist dabei die Lektüre von Tim Harfords "Ökonomics".
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