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Hauptsächlich
profitieren in Europa landwirtschaftliche Großbetriebe davon. Diese
erhalten oft mehrere hunderttausend Euro an Direktbeihilfe, der bäuerliche
Kleinbetrieb bekommt im Durchschnitt um die 10.000 Euro per anno.
Arbeitet ein industrieähnlicher Landwirtschaftsbetrieb sowieso schon
effizienter als ein Familienbetrieb, können erstere mittels dieser
ungleichen Verteilung die inländischen Preise – völlig unabhängig
von einem wegen der hohen Zollschranken faktisch nicht vorhandenem
Preisdruck durch außereuropäische Konkurrenz – weiter drücken und
dem Kleinbauern ein verantwortungsvolle Landwirtschaft auf lange Sicht
unmöglich machen. Zusätzlich sank sogar der Betrag, der aus dem
EU-Agrar-Haushalt für die ländliche Entwicklung zur Verfügung steht
und naturnah bewirtschafteten Bauernhöfen zu gute kommt, in den
letzten Jahren empfindlich.
Würde sich die EU nun auch im
Agrarsektor nach außen hin öffnen, hätten die EU-Produzenten
sicherlich mit dem niedrigeren Weltmarktpreis zu kämpfen. Ein von der
Agrarlobby vorgezeichneter radikaler Kahlschlag in der europäischen
Landwirtschaft ist aber bei Weitem zu schwarz gemalt, denn durch den
wegfallenden europäischen Export, der durch den niedrigeren
Weltmarktpreis steigenden Nachfrage aus Europa und den Transportkosten
würden die Preise für importierte Produkte wieder anziehen. Wegen
des Preisdrucks müssten dennoch definitiv Betriebe schließen, ein
Wegfall von Subventionen würde aber vornehmlich Großbetriebe
treffen. Da die „Agrarindustrie“ aber weder qualitativ besonders
hochwertig noch ausnehmend umweltschonend produziert, wäre eine im
Strukturwandel bedingte Ausdünnung in diesem Bereich weniger
besorgniserregend. Problematischer wirkte sich zugegebenermaßen ein
vom internationalen Preisdruck ausgelöstes „Bauernhofsterben“ der
Kleinbetriebe auf Produktqualität und Kultivierung des ländlichen
Raums aus.
Doch auch bei einem globaleren Freihandel im Agrarsektor könnten
europäische Familienbetriebe überleben und ihre wichtigen Funktionen
weiter erfüllen. Auch bei einer Zunahme der weltweiten Konkurrenz ließen
sich für solche Betriebe durch adäquates Marketing lohnende Nischen
finden. Wem lokaler Bezug und außerordentliche Produktqualität
wichtig sind, der ist auch bereit, höhere Preise zu bezahlen – aber
freiwillig und nicht erzwungen durch künstliche
EU-Interventionspreise oder Zölle. Betriebe, die keine Nische finden
und dem Preiswettbewerb nicht standhalten, müssten zwar aus der primären
Lebensmittelproduktion ausscheiden, könnten aber mit einem Bruchteil
der durch den Wegfall des EU-Agrarinstrumentariums freiwerdenden 40
Milliarden Euro zur Kultivierung des ländlichen Raumes und dessen
Pflege weiter beschäftigt werden.
Gewiss, ein radikaler Umschwung in Richtung
Freihandel brächte Anpassungsschwierigkeiten und einen merklichen
Strukturwandel mit sich. Dennoch ist das Subventionsvolumen des europäischer
Landwirtschaftsprotektionismus’ mit seinen politisch festgesetzten
Preisen und quotierten Mengen, die eher an den real existierenden
Sozialismus als an eine liberale Wirtschaftsordnung erinnern, in einer
wachsenden EU in Zukunft kaum mehr zu bezahlen. Mindestens genauso
wenig ist aber die aktuelle europäische Agrarpolitik in einer sich
globalisierenden und zusammenwachsenden Welt weiterhin auf Kosten der
Entwicklungsländer moralisch vertretbar. Nicht zuletzt würde man
auch im Agrarsektor endlich den Leitmotiven der europäischen Gründerväter
folgen, deren Umsetzung in fast allen anderen Bereichen dem Kontinent
Prosperität und Frieden brachte.
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