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Pater
Anselm Grün OSB wurde mit 19 Jahren Benediktinermönch in der Abtei Münsterschwarzach
bei Würzburg. Dort lernte Pater Anselm die Kunst der Menschenführung
aus den Regeln Benedikts von Nursia kennen. Nach seinem Studium der
Philosophie, Theologie und Betriebswirtschaft ist Pater Anselm seit
1977 der wirtschaftliche Leiter (Cellerar) der Abtei Münsterschwarzach
und damit für rund 300 Mitarbeiter in über 20 Betrieben
verantwortlich. In zahlreichen Kursen und Vorträgen geht er auf die Nöte
und Fragen der Menschheit ein. So ist er zum spirituellen Berater und
geistlichen Begleiter von vielen Managern geworden und gehört zu den
meistgelesenen christlichen Autoren der Gegenwart. Seine Vorträge
werden jedes Jahr von
mehreren tausend Menschen besucht.
polinomics:
Pater Anselm, der
wirtschaftliche Schaden für Unternehmen, die sich gesellschaftlich -
scheinbar - nicht korrekt verhalten, kann sehr groß sein.
Die Schlagzeilen sind uns alle bekannt: Siemens ist in einem
Korruptionsverfahren verstrickt, VW unternahm Lustreisen, Allianz
streicht tausende Stellen trotz Rekordgewinne. Der Versuch von René
Obermann (Telekom) die Wogen der Empörung dadurch zu glätten, dass
er auf zwei Monatsgehälter verzichtet, endete in einem Desaster. Die
Bevölkerung empfindet seine Top-Manager vielfach nur noch als
Selbstbedienungsverein ohne Sinn für die Realität.
Beobachten Sie ebenfalls einen allgemeinen Werteverfall in der
Wirtschaft?
Pater Anselm:
Es
gibt heute zwei Tendenzen in der Wirtschaft: Auf der einen Seite gibt
es leider immer wieder Firmen und Manager, die kein Gespür für Werte
haben und denen es nur um den Gewinn oder das eigene Image geht. Aber
auf der andern Seite beobachte ich immer mehr Menschen, die damit
nicht zufrieden sind und sich auf den Weg machen, die Werte neu in der
Wirtschaft zu befolgen.
polinomics:
Sie bieten in Ihrem Kloster
Manager-Seminare an. Passen Kirche und Wirtschaft denn überhaupt
zusammen?
Pater Anselm:
Vor 20 Jahren hätte die Wirtschaft
kaum an der Kirche angeklopft. Umso mehr freut es mich, dass heute
immer mehr Wirtschaftler das Bedürfnis haben, von den Erfahrungen
christlicher Tradition zu lernen. Der Glaube bringt die Führungskräfte
in Berührung mit ihrer inneren Quelle, die größer ist als ihre
eigene Kraft. Sie spüren, dass sie Wege brauchen, um zur Ruhe zu
kommen. Und da hat die Kirche genügend Erfahrung, solche Wege zu
zeigen. Außerdem spüren die Manager, dass sie die Würde des
Menschen neu sehen müssen. Auch da können sie von der christlichen
Botschaft lernen.
polinomics:
Was können die Acker- und Obermanns unserer Republik von den
Lehren des heiligen Benedikt lernen?
Pater Anselm:
Benedikt geht es einmal um die persönliche
Reife der Führungskraft. Wer andere führt, muss sich selbst gut führen.
Er muss im Einklang sein mit sich selbst. Führen heißt für
Benedikt: Leben wecken in den Menschen, also nicht: die Menschen
auspressen oder sie klein machen, sondern sie aufrichten und sie mit
dem Potential ihrer eigenen Fähigkeiten in Berührung bringen. Und für
Benedikt ist es wichtig, die Dinge dieser Welt achtsam und behutsam zu
behandeln. Das täte unserer Zeit auch gut.
polinomics:
Was heißt Mitarbeiterführung und soziale
Verantwortung für Sie?
Pater Anselm:
Wenn
ich Mitarbeiter führe, übernehme ich auch für sie Verantwortung, für
ihre Gesundheit, für ihr Wohlergehen. Das Arbeitsklima ist
entscheidend für die Gesundheit des Mitarbeiters. Wenn ich ihm bei
der Arbeit Freude vermittle, dann tut ihm das auch in der Familie gut.
Wenn er aufrecht nach Hause geht, braucht er andere nicht zu unterdrücken.
polinomics:
Was nehmen Ihre Seminarteilnehmer -
hoffentlich - in ihr berufliches und privates Leben mit?
Pater Anselm:
Sie
nehmen mit, dass sie für ihre eigene Seele sorgen sollen, wie
Benedikt das sagt, dass sie mehr auf die eigenen Gefühle achten
sollen und dass sie ihre Mitarbeiter mit neuen Augen sehen, mit Augen
des Glaubens, die an das Gute im andern glauben und es durch einen
liebevollen Umgang in ihnen wecken.
polinomics:
Pater Anselm, herzlichen Dank für das Gespräch.
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