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Brent
Spar. Wir alle kennen noch den Namen des schwimmenden Öltanks. 190 Kilometer nordöstlich der britischen
Shetlandinseln diente sie dem Shell Konzern in den Jahren 1976 bis 1991 als
Zwischenlager für Rohöl. Tankschiffe legten dort an, um das Öl zu
den Raffenerieen und an Land zu bringen. Schon bald übernahmen
Pipelines den Transport zum Ölterminal Sullom Voe. Mitte der
90er Jahre sollte Brent Spar - weil mittlerweile durch die Pipelines überflüssig
geworden - im Meer versenkt werden. Die Umweltschutzorganisation
Greenpeace befürchtete, dass die Versenkung Schule machen könnte und
der einfachen Entsorgung von einigen hundert weiteren Plattformen Tür
und Tor geöffnet würde. Die Aktivisten versuchten daraufhin dieses
Vorhaben zu verhindern und besetzten dazu die Plattform am 30. April
1995. Ab nun trat Brent Spar in den Mittelpunkt eines bis dahin kaum
gekannten Medienspektakels. An dessen Ende der Ölriese klein beigeben
musste, um den bisher entstandenen Imageschaden wenigstens zu
begrenzen.
16.
Februar 1995
Die englische Regierung genehmigt die Versenkung der ausrangierten Ölplattform
Brent Spar.
01. März 1995
Shell stellt unter dem Motto "Das wollen wir ändern" eine
neue Social-Marketing-Kampagne vor. Die Bereiche Soziales und Umwelt
sollen in Anzeigen und Fernsehspots in den Vordergrund gestellt
werden.
30. April 1995
Greenpeace-Aktivisten besetzen in einer waghalsigen Aktion die Ölplattform
Brent Spar.
01. Mai 1995
Shell erkennt nicht die Brisanz des Themas. Die deutsche Shell-Zenrale
in Hamburg erfährt von der Besetzung erst durch die Medien.
08. Mai 1995
Greenpeace installiert eine Solaranlage zur Eigenversorgung.
12. Mai 1995
Per Hubschrauber wird den Besetzern eine einstweilige Verfügung überbracht,
die zum sofortigen Verlassen der Plattform auffordert. Unterdessen
verteilt Greenpeace an deutschen Shell-Tankstellen Flugblätter, um
auf den Umweltskandal aufmerksam zu machen. EU-Umweltkommissarin, Ritt
Bjerrgard, begrüßt die Greenpeace-Aktion.
17. Mai 1995
Shell bereitet die Räumung der Plattform vor. In der Zwischenzeit
haben sich die Regierungen von Dänemark, Island, Belgien und den
Niederlanden gegen die Versenkung von Brent Spar ausgesprochen.
23. Mai 1995
Shell-Mitarbeiter und Polizeibeamte räumen die Plattform.
Umweltministerin Angela Merkel bekommt von Greenpeace ein Flugticket
zu den Shetland-Inseln überreicht (inklusive Transfer zur Plattform
Brent Spar). Gegenüber der Presse spricht sich Merkel gegen eine
Versenkung aus. Die Räumung der Plattform führt in den Medien zu
Unverständnis.
24. Mai 1995
Die Junge Union Nordrhein-Westfalens ruft zum Boykott von
Shell-Tankstellen auf. Andere Landesverbände schließen sich an.
30. Mai 1995
Bundestagsabgeordnete protestieren gegen die geplante Versenkung von
Brent Spar. Klaus Lennartz (SPD): "Es gibt auch noch andere
Tankstellen."
01. Juni 1995
Drei Viertel der Deutschen wären zu einem Shell-Boykott bereit.
07. Juni 1995
Erneut versuchen Greenpeace-Aktivisten Brent Spar zu besetzen.
Medienwirksam hissen sie ein Banner mit der Aufschrift "Save our
Seas". Die Plattform wird wieder geräumt. Gleichzeitig wird das
Auslaufen des Hochseeschleppers verzögert, der die Brent Spar zum
Versenkungsort ziehen soll.
08. Juni 1995
Rudolf Scharping (SPD) dankt Greenpeace für das Engagement gegen die
Versenkung der Ölplattform.
09. Juni 1995
Die Ministerrunde auf der Nordseeschutzkonferenz beschließt, dass
stillgelegte Offshore-Anlagen entweder wiederverwertet oder an Land
entsorgt werden müssen.
10. Juni 1995
Die Nachrichtenagentur dpa meldet Kritik an der geplanten Versenkung seitens einiger
Shell-Mitarbeiter. Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin, Heide
Simonis (SPD), fordert Bundeskanzler Helmut Kohl auf, die Rettung der
Nordsee zur Chefsache zu erklären.
11. Juni 1995
Brent Spar wird in Richtung Nordsee geschleppt.
12. Juni 1995
FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle spricht sich gegen eine
Versenkung aus.
14. Juni 1995
Der Protest gegen Shell schlägt immer höhere Wellen. Einzelne Behörden
und Verbände geben Dienstanweisungen heraus, nicht mehr bei Shell zu
tanken. Peter Duncan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Shell AG,
gesteht spürbare Absatzverluste ein.
15. Juni 1995
Zur Schadensbegrenzung zieht Shell die Imagekampagne "Das wollen
wir ändern" zurück.
16. Juni 1995
Die Plattform wird zum dritten Mal besetzt.
20. Juni 1995
Paul Haseldonckx, Erdölproduktionsgesellschaft Deminex, beschwert
sich bei Shell. Shells Handlungsweise sei einem positiven Image der
gesamten Ölindustrie nicht dienlich.
17:49 Uhr
Shell verkündet, dass die Brent Spar nicht versenkt wird. Ein
Sprecher der deutschen Shell begründet die Entscheidung mit dem
riesigen Proteststurm, nach dem man nicht zur Tagesordnung übergehen
könne.
27. Juni 1995
Shell versucht sein angekratztes Image mit einer neuen
Anzeigenkampagne zu verbessern. Titel: Wir werden uns ändern.
11. Juli 1995
Brent Spar geht im norwegischen Erfjord vor Anker. Shell schreibt die
Entsorgung der Plattform international aus.
August 1995
Peter Duncan, Vorstandschef der deutschen Shell, sagt, es habe sich in
erster Linie um ein Kommunikationsproblem gehandelt.
Januar 1998
Shell gibt bekannt, Brent Spar an Land zu entsorgen. Kosten 25
Millionen Pfund. Die Versenkung hätte 20 Millionen Pfund gekostet.
10. Juli 1999
Die Zerlegung der Brent Spar ist abgeschlossen.
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