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Der
Verfall der unternehmerischen Moral wird zumeist sehr
emotionsgeladen aufgenommen und allgemein angeklagt. Die Widersprüche
von Lohnzurückhaltungen der Arbeitnehmer zusammen mit einer
zeitgleichen Gehaltssteigerung des Managements oder auch steigende
Unternehmensgewinne in Verbindung mit Massenentlassungen
und Betriebsverlagerungen sind wohl die meistgenannten
Anklagepunkte. Es ist ziemlich schwierig, das ganze emotionslos zu
betrachten und nicht in negative Vorurteile und Annahmen zu
verfallen.
Daher beginne ich am Besten mit den Definitionen von Unternehmen und
Moral. Laut einem Lexikon der Betriebswirtschaftslehre ist ein Unternehmen
eine technische, soziale, wirtschaftliche, organisatorische, umweltbezogene
und eventuell rechtliche Einheit, die Güter zur Deckung eines
Bedarfs erstellt, dazu selbstständig Entscheidungen trifft und dafür
die Risiken trägt. Der Begriff Moral
bezeichnet die Gesamtheit der Normen, Werte, Grundsätze, die das
zwischenmenschliche Verhalten in einer Gesellschaft regulieren und
von ihrem überwiegenden Teil als verbindlich akzeptiert oder
zumindest hingenommen werden.
Unternehmen haben keine zwischenmenschlichen Beziehungen und können
daher selbst nicht unmoralisch handeln, sondern folgen nur den
unternehmenseigenen Zielen. Bei den meisten Kapitalgesellschaften,
die trotzdem als unmoralisch bezeichnet und angeklagt werden
(Deutsche Bank, Siemens oder VW), ist das Hauptziel eine Steigerung
des Unternehmenswertes. Daher kommt es in einer kurzfristigen
Betrachtung zu Differenzen zwischen den Werten und Grundsätzen
einer Gesellschaft und den Zielen eines Unternehmens. Man kann
sicher sagen, dass das Verhalten einiger Unternehmenslenker
unmoralisch ist, nicht aber das Verhalten von Unternehmen selbst.
Welche Gründe gibt es für die Nichtakzeptanz allgemeingültiger
Werte und Normen? Laut soziologischen Studien wird die Einhaltung
der Normen durch Sanktionen (Belohnungen / Bestrafungen)
kontrolliert. Diese Sanktionen werden von staatlichen Organen oder
auch von den Mitgliedern der jeweiligen Gesellschaft durchgeführt.
Damit ist jedes einzelne Mitglied einer Gesellschaft für die
Wahrung von Normen und Moral mitverantwortlich.
Somit handeln einige Führungskräfte im Sinne der meist
kurzfristigen Unternehmensziele und reduzieren den Fokus auf
gesellschaftliche Normen. Da sie (die Führungskräfte) keine
Sanktionen befürchten müssen, sinkt die Akzeptanz von
gesellschaftlichen Normen. Beispiele für Sanktionen gibt es viele.
Vielfach erkennen die Mitglieder einer Gesellschaft allerdings nicht
Ihre Wahlmöglichkeiten, oder schätzen Ihren Einfluss falsch ein. Würden
die Kunden beispielsweise ihre Konten bei der Deutschen Bank kündigen,
würde es sicher zu weiteren Entlassungen kommen. Dieses Szenario
muss vielfach herhalten, um das Gewissen zu beruhigen. Aber die mit
einem Konto verbundenen Aufgaben können auch von anderen Banken
erledigt werden, die dann Ihren Personalbestand aufstocken müssten.
Dies funktioniert natürlich nur bei einer großen Kundenbewegung.
Es würde also nur eine Neuallokation der Ressourcen erfolgen und
die gesellschaftlichen Normen würden sanktioniert.
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