polinomics - No. 5: Zurück zu alten Werten / Essay
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No. 5: Zurück zu alten Werten!?  
   
 

Essay

 




Editorial
Wer andere führt muss sich selbst gut führen
Das moralische Unternehmen
CSR = Unternehmenskultur
Der Fall Brent Spar
Spirituell führen

Das moralische Unternehmen

Text: A. Strube

 Foto: Andrea Sommer


D
er Verfall der unternehmerischen Moral wird zumeist sehr emotionsgeladen aufgenommen und allgemein angeklagt. Die Widersprüche von Lohnzurückhaltungen der Arbeitnehmer zusammen mit einer zeitgleichen Gehaltssteigerung des Managements oder auch steigende Unternehmensgewinne in Verbindung mit Massenentlassungen und Betriebsverlagerungen sind wohl die meistgenannten Anklagepunkte. Es ist ziemlich schwierig, das ganze emotionslos zu betrachten und nicht in negative Vorurteile und Annahmen zu verfallen. 

Daher beginne ich am Besten mit den Definitionen von Unternehmen und Moral. Laut einem Lexikon der Betriebswirtschaftslehre ist ein Unternehmen eine technische, soziale, wirtschaftliche, organisatorische, umweltbezogene und eventuell rechtliche Einheit, die Güter zur Deckung eines Bedarfs erstellt, dazu selbstständig Entscheidungen trifft und dafür die Risiken trägt. Der Begriff Moral bezeichnet die Gesamtheit der Normen, Werte, Grundsätze, die das zwischenmenschliche Verhalten in einer Gesellschaft regulieren und von ihrem überwiegenden Teil als verbindlich akzeptiert oder zumindest hingenommen werden.

Unternehmen haben keine zwischenmenschlichen Beziehungen und können daher selbst nicht unmoralisch handeln, sondern folgen nur den unternehmenseigenen Zielen. Bei den meisten Kapitalgesellschaften, die trotzdem als unmoralisch bezeichnet und angeklagt werden (Deutsche Bank, Siemens oder VW), ist das Hauptziel eine Steigerung des Unternehmenswertes. Daher kommt es in einer kurzfristigen Betrachtung zu Differenzen zwischen den Werten und Grundsätzen einer Gesellschaft und den Zielen eines Unternehmens. Man kann sicher sagen, dass das Verhalten einiger Unternehmenslenker unmoralisch ist, nicht aber das Verhalten von Unternehmen selbst.

Welche Gründe gibt es für die Nichtakzeptanz allgemeingültiger Werte und Normen? Laut soziologischen Studien wird die Einhaltung der Normen durch Sanktionen (Belohnungen / Bestrafungen) kontrolliert. Diese Sanktionen werden von staatlichen Organen oder auch von den Mitgliedern der jeweiligen Gesellschaft durchgeführt. Damit ist jedes einzelne Mitglied einer Gesellschaft für die Wahrung von Normen und Moral mitverantwortlich.

Somit handeln einige Führungskräfte im Sinne der meist kurzfristigen Unternehmensziele und reduzieren den Fokus auf gesellschaftliche Normen. Da sie (die Führungskräfte) keine Sanktionen befürchten müssen, sinkt die Akzeptanz von gesellschaftlichen Normen. Beispiele für Sanktionen gibt es viele. Vielfach erkennen die Mitglieder einer Gesellschaft allerdings nicht Ihre Wahlmöglichkeiten, oder schätzen Ihren Einfluss falsch ein. Würden die Kunden beispielsweise ihre Konten bei der Deutschen Bank kündigen, würde es sicher zu weiteren Entlassungen kommen. Dieses Szenario muss vielfach herhalten, um das Gewissen zu beruhigen. Aber die mit einem Konto verbundenen Aufgaben können auch von anderen Banken erledigt werden, die dann Ihren Personalbestand aufstocken müssten. Dies funktioniert natürlich nur bei einer großen Kundenbewegung. Es würde also nur eine Neuallokation der Ressourcen erfolgen und die gesellschaftlichen Normen würden sanktioniert.

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© Thomas Sommer 2006 - 2007