polinomics - No. 6: Politik und Medien - Wer beeinflusst / Editorial von Thomas Sommer
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No. 6: Politik und Medien - Wer beeinflusst wen?  
 
 

Editorial


Thomas Sommer,
Herausgeber und Chefredakteur

I
n einer durch die Medien stark beeinflussten Gesellschaft, die oftmals mit dem Begriff der Mediendemokratie - oder wie es der Politikwissenschaftler Thomas Meyer nennt: Mediokratie - beschrieben wird, spielen die Massenmedien besonders in der Wahlkampfzeit eine bedeutende Rolle. Und die Wahlkampfzeit wird immer länger. Nach Münteferings Rücktritt - ob aus persönlichen oder politischen Gründen sei dahingestellt - prophezeite die Opposition sogar den Beginn einer zweijährigen Wahlkampfphase. 

Erst die Medien stellen in unserer modernen Gesellschaft  die von der Politik benötigte Öffentlichkeit her. So kommt der erfahrene Wahlkämpfer und ehemalige Generalsekretär der CDU, Heiner Geißler, zu der Einsicht: "Nicht die Taten bewegen die Menschen, sondern die Worte über sie." Parteistrategen entwerfen daher auch ganze Medienfeldzüge. Die Politiker werden auf ihre Medienwirksamkeit getrimmt. Einige von ihnen bringen dabei eine natürliche Begabung mit. Wieder andere lernen erst im Laufe des politischen Tagesgeschäfts im rechten Licht der Medien zu stehen. Sie müssen in immer kürzer werdenden Fernsehauftritten ihre Botschaften unterbringen. Aber nicht nur die Personen stehen - so scheint es zuweilen - im Mittelpunkt des Medieninteresses. Manchmal sind es auch die Kampagnen der Parteien selbst, die zum Top Thema stilisiert werden. Der Inhalt des Gesagten verliert sich dabei immer häufiger im Nichts des Medien-Nirwana. Medien- und politische Realität verschwimmen immer häufiger. Der Einfluss der von den Medien vermittelten Bilder ist oftmals zu stark. Kein Politiker kann dabei seinem Image entfliehen, das sich langsam aber sicher in den Köpfen der Bevölkerung einnistet. Kein Politiker kann darauf verzichten, auf ebendies Image direkt einzuwirken und in seinem Interesse zu formen. Politiker und Medien sind hier gleichermaßen Nutznießer dieses Systems. Daher wird auch in vielen Fällen eine Verbindung zwischen dem System der Medien und dem der Politik hergestellt und nach einer möglichen gegenseitigen Abhängigkeit gefragt. 

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen

Thomas Sommer     


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