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Thomas Sommer,
Herausgeber und
Chefredakteur |
In einer durch die Medien stark beeinflussten Gesellschaft,
die oftmals mit dem Begriff der Mediendemokratie - oder wie es der
Politikwissenschaftler Thomas Meyer nennt: Mediokratie - beschrieben
wird, spielen die Massenmedien besonders in der Wahlkampfzeit eine
bedeutende Rolle. Und die Wahlkampfzeit wird immer länger. Nach Münteferings
Rücktritt - ob aus persönlichen oder politischen Gründen sei
dahingestellt - prophezeite die Opposition sogar den Beginn einer zweijährigen
Wahlkampfphase.
Erst die Medien stellen in unserer modernen Gesellschaft die
von der Politik benötigte Öffentlichkeit her. So kommt der
erfahrene Wahlkämpfer und ehemalige Generalsekretär der CDU,
Heiner Geißler, zu der Einsicht: "Nicht die Taten bewegen die
Menschen, sondern die Worte über sie." Parteistrategen
entwerfen daher auch ganze Medienfeldzüge. Die Politiker werden auf
ihre Medienwirksamkeit getrimmt. Einige von ihnen bringen dabei eine
natürliche Begabung mit. Wieder andere lernen erst im Laufe des
politischen Tagesgeschäfts im rechten Licht der Medien zu stehen.
Sie müssen in immer kürzer werdenden Fernsehauftritten ihre
Botschaften unterbringen. Aber nicht nur die Personen stehen - so
scheint es zuweilen - im Mittelpunkt des Medieninteresses. Manchmal
sind es auch die Kampagnen der Parteien selbst, die zum Top Thema
stilisiert werden. Der Inhalt des Gesagten verliert sich dabei immer
häufiger im Nichts des Medien-Nirwana. Medien- und politische
Realität verschwimmen immer häufiger. Der Einfluss der von den
Medien vermittelten Bilder ist oftmals zu stark. Kein Politiker kann
dabei seinem Image entfliehen, das sich langsam aber sicher in den
Köpfen der Bevölkerung einnistet. Kein Politiker kann darauf
verzichten, auf ebendies Image direkt einzuwirken und in seinem
Interesse zu formen. Politiker und Medien sind hier gleichermaßen
Nutznießer dieses Systems. Daher wird auch in vielen Fällen eine
Verbindung zwischen dem System der Medien und dem der Politik
hergestellt und nach einer möglichen gegenseitigen Abhängigkeit
gefragt.
Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen
Thomas Sommer
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