polinomics - No. 6: Politik und Medien - Wer beeinflusst wen? / Hintergrund
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No. 6: Politik und Medien - Wer beeinflusst wen?  
   
 

Hintergrund

 




Editorial
"Politik muss mit der Zeit gehen"
Von Skandalierern und Skandalierten
Politik 2.0: Frau Merkel, Sie haben Post
Wie alles begann
Der Inlandskorrespondent

Politik 2.0: Frau Merkel, Sie haben Post

Text: Thomas Sommer

 Screenshot: www.direktzurkanzlerin.de


Das Internet hat die Kommunikation der modernen Gesellschaft revolutioniert - wenn nicht sogar auf den Kopf gestellt. Wer macht sich schließlich noch die Mühe einen Brief mit der Hand zu schreiben, um ihn anschließend auch noch zum nächsten Postamt zu bringen? Leichter und vor allem schneller ist es da schon, den Brief einfach über das Internet zu verschicken. Und so schwirrt tagtäglich millionenfach Privates und Geschäftliches, Belangloses und Bedeutendes rund um den vernetzten Globus. 

Spätestens seit ein Student der FH Brandenburg im Oktober 2006 das Projekt www.direktzurkanzlerin.de ins Leben gerufen hat, heißt es auch für die Bundeskanzlerin "Frau Merkel, Sie haben Post". Mehr als 10 Millionen Klicks verzeichnet das innovative Webangebot des BWL-Studenten Caveh Valipour Zonooz bisher. Entstanden ist es aus Frust. Damals ärgerte er sich über eine der wöchentlichen Internet-Videobotschaften der Kanzlerin. Hierin beklagte Merkel, dass Deutschland zwar vorne bei den Anmeldungen internationaler Patente läge, aber bei der Einführung der Produkte auf dem Markt nicht das volle Potential ausschöpfen würde. Die Erfahrung von Zonooz sah jedoch völlig anders aus. Zusammen mit einigen Kommilitonen hatte er zuvor einige Monate vergeblich nach einer finanziellen Förderung für eine Idee einer völlig neuartigen Online-Plattform mit Podcasting-Technologie gesucht und keine Hilfe gefunden. Selbst das zuständige Wirtschaftsministerium hielt es nicht für nötig, einen ihrer Briefe auch nur zu beantworten.

Nur wenige Tage nach der Videobotschaft der Kanzlerin stellte der kreative Student die Webseite direktzurkanzlerin.de ins Netz, auf der jeder die Möglichkeit hat, Fragen an die Kanzlerin zu stellen. Der Clou: Jeder Bürger kann Fragen stellen und mitentscheiden, welche beantwortet werden sollen. Schon am ersten Tag verzeichnete die Seite 30.000 Klicks und nach einem Monat sicherte ihm das Kanzleramt sogar zu, einmal in der Woche drei der am besten bewerteten Fragen schriftlich zu beantworten. 

Der Erfolg der Seite ist so groß, dass die Deutsche Web-Plattform nun auch für den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf kopiert wurde. Am 1. Oktober 2007 ging die Webseite www.straight2thecandidates.com online. Ähnlich wie in Deutschland können hier Amerikaner Hillary Clinton, Barck Obama, John McCain, Rudy Giuliani und vielen anderen Präsidentschaftskandidaten per Text oder Video direkt ansprechen. 

Julie Germany, Direktorin des Institute for Politics, Democracy and the Internet der George Washington University glaubt fest an die revolutionäre Wirkung des Portals. In einem Interview mit dem ZDF Ende September 2007 erklärte sie: "Viele Politiker in den USA suchen nach neuen Wegen, mit den Wählern zu kommunizieren. Und das ist das Spannende an Straight2theCandidates.com: Politiker können über die Seite ohne großen Aufwand und in kurzer Zeit viele Wähler erreichen." 

Das deutsche Webangebot "Direkt zur Kanzlerin" wurde im Sommer 2007 erweitert. Unter www.direktzu.de/bundestagspraesident wurde eine neue Dialogmöglichkeit mit Bundestagspräsident Norbert Lammert geschaffen. In Kürze soll das Prinzip auch auf Landesebene eingeführt werden, um so die Kluft zwischen politischer Führung und Volk zu schließen und das Vertrauen in die Politik zu stärken. 


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© Thomas Sommer 2006 - 2008