polinomics - No. 6: Politik und Medien - Wer beeinflusst wen? / Essay
Kopfzeilenfoto  
No. 6: Politik und Medien - Wer beeinflusst wen?  
   
 

Essay

 




Editorial
"Politik muss mit der Zeit gehen"
Von Skandalierern und Skandalierten
Politik 2.0: Frau Merkel, Sie haben Post
Wie alles begann
Der Inlandskorrespondent

Von Skandalierern und Skandalierten

Text: Florian Schiegl

 Foto: Andrea Sommer


Ü
ber die Macht der Medien wird wild spekuliert. Mutmaßungen, deutsche Leitmedien hätten vor der Bundestagswahl 2005 eine Koalition zwischen Union und FDP herbei zu schreiben versucht und gar eine publizistische Verschwörung gegen Bundeskanzler Schröder lanciert, befeuern derartige Spekulationen. 

Ob solch ein Vorhaben damals tatsächlich die Berichterstattung antrieb und wenn ja, ob derartige Lenkungsversuche des Wählers legitim sind, sei dahingestellt. An der wichtigen Funktion der Presse für die öffentliche Meinungsbildung ändern derartige Auswüchse nichts. Dass unabhängige Medien nach eigenem Gusto versuchen, auf publizistischem Wege auf die Politik einzuwirken, ist in einer Demokratie alltäglich. Wie effektiv dies aber ist und welche Macht die Medien dabei wirklich besitzen, bleibt nur schwer auszumachen. Schröders politisches Ende kann sich die journalistische Elite zumindest kaum alleine ans Revers heften.

Eine andere wichtige Funktion der Presse ist die Kontrolle der Politik und die Aufdeckung von politischen Missständen. Lässt ein Journalist einen politischen Skandal auffliegen, dann wirkt er nicht nur über den Umweg der öffentlichen Meinung, sondern direkt und sehr offensichtlich auf die Politik ein. Die Medien lösen als Skandalierer durch die Aufdeckung des Skandals inhaltliche und personelle Konsequenzen bei den Skandalisierten, also in der Politi
k aus. Die sonst so undurchschaubaren publizistisch-politischen Wirkungsmechanismen werden plötzlich greifbar.

Watergate - Die Mutter aller politischen Skandale

Wenn auch nicht die erste, sicher aber die bekannteste von der Presse aufgedeckte Affäre und damit so etwas wie die „Mutter aller politischen Skandale“ war der Watergate-Skandal.

Im Jahr 1973 enthüllten die späteren Pulitzer-Preisträger Bob Woodward und Carl Bernstein eine ganze Reihe von Verfehlungen und Vertuschungsversuchen des republikanischen US-Präsidenten Richard M. Nixon und dessen Entourage. Der Einbruch in das Hauptquartier der Demokratischen Partei im Washingtoner Watergate-Komplex war dabei nur die Spitze eines großen Eisbergs, der letztlich sogar Nixons Präsidentschaft zum kentern brachte. Auch wenn die Bedeutung von Woodward und Bernstein bei der Aufklärung der Watergate-Affäre mittlerweile relativiert wird, bleibt ihre Arbeit dennoch als exponiertes Beispiel für investigativen Journalismus in den Köpfen verankert.

Dieser Enthüllungsjournalismus hat in den Vereinigten Staaten eine lange Tradition. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert
s nutzten amerikanische Schriftsteller und Journalisten die Vorzüge der Pressefreiheit, um schmutzige Geschäfte, Korruption und andere Missstände aufzudecken. Der damalige Präsident Theodore Roosevelt bezeichnete die kritischen Berichterstatter als „muckraker“ und befürwortete die Arbeit dieser „Schmutzaufwühler“.

> nächste Seite

  > zum Seitenanfang


Bitte vergewissern Sie sich, dass Sie in Ihrem Browser JavaScript aktiviert haben!



 

© Thomas Sommer 2006 - 2008