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Bildung
ist
eines der wenigen Gebiete, mit denen jeder direkt in Berührung
kommt. Und es ist eines der wichtigsten und dabei am meisten
unterschätzten Themen. Denn was heute bildungspolitisch entschieden
wird, wird morgen unsere Zukunft bestimmen. Was so pathetisch
klingt, ist die bittere Wahrheit. Die Bundesrepublik Deutschland ist
weder durch nennenswerte Rohstoffvorkommen gesegnet, noch ist sie
ein so genanntes Billiglohnland. Deutschland muss sich durch andere
Fähigkeiten international konkurrenzfähig zeigen. Und die Basis
dafür ist der Bildungssektor.
Beispielsweise sind deutsche Ingenieure international gern gesehene
Arbeitskräfte und Fahrzeuge aus Deutschland sind deswegen so
beliebt, weil sie oftmals einen aus einer guten Ausbildung
resultierenden Technologievorsprung aufweisen. Somit wird aus
Bildung in gewisser Weise ein Gut. Ein über- lebenswichtiges Gut.
Lehramtsstudenten sind am unzufriedensten
Und trotzdem zeigen die PISA-Studien, dass unser Bildungssystem
international nicht in der Spitzengruppe zu finden ist. Die Gründe
hierfür sind nicht klar zu definieren. Es gibt einfach zu viele.
Angefangen bei den Lehrern. Bezeichnenderweise sind
Lehramtsstudenten prozentual die Studentengruppe, die am
unzufriedensten mit ihrem Studium ist. Ob das an den über- füllten
Seminaren, den praxisfernen Inhalten, den undurch- sichtigen Prüfungsordnungen
oder den teilweise desillusionierten und deswegen demotivierten
Lehrkräften, die dazu chronisch unterbesetzt sind, liegt, sei dahin
gestellt. Nach Staatsexamen und Referendariat sollen dann diese
Lehrer nach der vierten Klasse entscheiden, ob ein Kind von ca. zehn
Jahren intellektuell in der Lage ist, das Gymnasium zu besuchen.
Deutschland und Österreich sind die einzigen beiden Länder, die
immer noch an diesem dreigliedrigen Schulsystem festhalten. Und die
Frage muss erlaubt sein, ob man ernsthaft mitten in der Entwicklung
eines Kindes bestimmen kann, wie das weitere Leben des Kindes
verlaufen wird. Denn die Chancen eines Hauptschulabsolventen auf dem
Arbeitsmarkt sind, gelinde gesagt, überschaubar. Man mag jetzt mit
der Durchlässigkeit der Schulsysteme argumentieren, doch die Durchlässigkeit
zwischen den Schulformen besteht eher auf Papier denn in der Realität.
Dazu kommt, dass das Schulsystem in gewisser Weise unsozial ist. Das
bedeutet, dass Kinder aus Akademikerhaushalten deutlich häufiger
auf das Gymnasium geschickt werden als Kinder aus dem
Arbeitermilieu. Und das liegt nicht an der intellektuellen Kapazität
der Kinder, sondern häufig an einer oftmals unbegründeten
Voreingenommenheit der Lehrer.
Diese Tendenz zum Unsozialen wird momentan in den Universitäten
durch die Einführung von Studiengebühren verstärkt. Nun sollte
man sehr vorsichtig mit der Vorverurteilung der Einführung von
Studiengebühren sein, doch etwas entscheidendes wurde seitens der
Politik vollständig ver- gessen. Nämlich die Studiengebühren
sozialverträglich zu gestalten. Entweder man hat liquide Eltern
oder man wird wohl einen Kredit aufnehmen müssen, da die neuen
Bachelor- und Master-Studiengänge so enge Curricula haben, dass man
häufig nur schwer nebenher arbeiten kann, um sich eben diese Gebühren
und ein wenig Geld für das tägliche Leben dazu zu verdienen. Und
diese Kredite sind nicht immer, auch wenn das die Werbung immer so
schön verspricht, zinsgünstig. Das bedeutet, dass man im Zweifel
nach seinem Abschluss an der Universität nicht nur ein Bachelor
oder Master, sondern auch einen Haufen Schulden hat, den man dann in
den ersten Jahren des Berufslebens abstottern muss.
Alle sitzen in einem Boot
Was jetzt alles so düster klingt, ist sicher auch in gewisser Weise
als Bedrohung wahrzunehmen. Doch die deutsche Bildungslandschaft
befindet sich in einem Umbruch. Und das es während eines Umbruches
zu Problemen kommt, ist nicht besonders verwunderlich. Nur sollte
man die Probleme ernst nehmen und versuchen, sie sinnvoll zu lösen.
Sei es durch Akkreditierungsräte bei den Bachelor- und
Master-Studiengängen, um eine gewisse Qualität zu garantieren,
oder die Reaktion der Kultusminister auf die Proteste von Lehrern
und Schülern und deren Eltern bezüglich der Verkürzung der
Schulzeit an Gymnasien bei gleichbleibender Stoffmenge. Man muss
sich nur an einen Tisch setzen, denn im Endeffekt sitzen alle
Beteiligten in einem Boot. Die Wirtschaft und die Politik wollen gut
ausgebildete Arbeitskräfte und die zukünftigen Arbeitskräfte
wollen eine gute Ausbildung genießen. Das ist die Basis, auf der
man aufbauen sollte.
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