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No. 7: Bildung
 

Qualifizierung

 

Bildung steigert Wettbewerbsfähigkeit

Von Thomas Sommer


D
ie führenden Vertreter von Politik und Wirtschaft sind sich einig - die Jugendarbeitslosigkeit stellt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit dar. Birgt sie doch enormen politischen und gesellschaftlichen Zündstoff. Ein Schuldiger ist schnell ausgemacht. Für die Europäische Kommission liegt der Grund der hohen Jugendarbeitslosigkeit vor allem in der vielfach schlechten Vorbereitung junger Menschen auf das Berufsleben. In Deutschland scheint ein Ausweg aus der Miesere gefunden und wird vor allem im Handwerk seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert. Das "duale Ausbildungssystem".

Nach Auffassung von Hans-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), kann die praxisorientierte und betriebsnahe Ausbildung dazu beitragen, das Problem der Jugendarbeitslosigkeit zumindest abzufedern. "Wir wissen ja auch um das große Interesse anderer Länder an unserem erfolgreichen "dualen System", so Schleyer Ende Januar 2008 während einer internationalen Tagung im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin. 

Das Handwerk spricht sich ganz bewusst für qualitativ hochwertige, 
zukunftsorientierte und betriebsnahe Qualifizierung aus. "Nur so kann die 
berufliche Aus- und Weiterbildung die so
wichtige berufliche Handlungskompetenz vermitteln", erklärt Schleyer weiter.

Nach wie vor ist jedoch die zu oft mangelnde Ausbildungsreife der 
Schulabgänger ein echtes Problem. "Wenn unsere Betriebe erhebliche Defizite in Mathematik, Deutsch und grundlegenden Kulturtechniken feststellen müssen, erschwert das die Ausbildung und ihren erfolgreichen Abschluss."

Der Forderungskatalog von Wirtschaft und Verbände für eine leistungs- und zukunftsfähige Infrastruktur für die berufliche Bildung ist daher auch eindeutig:

- Die Ausbildung muss das Berufsprinzip wahren - dass heißt, 
  die Ausbildung vermittelt zuerst ganzheitlich die Grundlagen 
  des Berufs

- sie muss flexibel, betriebsnah und praxisorientiert sein,

- sie muss Durchlässigkeit garantieren für berufliche 
  Weiterbildung bis hin zum Studium

- und international anerkannt sein, um eine Aus- und 
  Weiterbildung im EU-Ausland zu ermöglichen

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hat in seinem berufsbildungspolitischen Papier "Ganzheitlich, Passgenau, Anschlussfähig" hierfür konkrete Vorschläge unterbreitet. Ähnlich auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in seinem Konzept "Dual mit Wahl". 

Nach einer Untersuchung von OECD und der Europäischen Kommission zur Jugendarbeitslosigkeit in Europa haben die praxisorientierten, dualen Ausbildungssysteme im internationalen Vergleich besonders positiv abgeschnitten. Ausbildung = Theorie in der Schule + Praxis im Betrieb. So lautet die Erfolgsformel für qualifizierte Nachwuchskräfte.

"Denn der Schlüssel, um mittelfristig zum weltweit wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum aufzusteigen, ist Bildung; qualitativ hochwertige Bildung, und zwar ein Leben lang", sagt Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und sogleich Präsident der Handwerkskammer (HWK) Dortmund. 

Die Wirtschaft kenne die Vorzüge des dualen Systems und investiere nach Berechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) jährlich 
rund 28 Milliarden Euro in dieses System. Der Erfolg ist messbar: In
Deutschland betrug die Arbeitslosenquote der unter 25-jährigen im Dezember 2007 gerade einmal 7,1 Prozent. "Das ist immer noch zuviel, aber es kann sich im europäischen Vergleich sehen lassen", erklärt Kentzler weiter. 

Wesentliche Stärke der dualen Bildung sei das Lernen im Arbeitsprozess: auf der Baustelle, in der Werkstatt, im Büro oder im Labor. "Hier wird in der Arbeitswelt für die Arbeitswelt gelernt." Die Dualität des Lernens in unterschiedlichen Lernorten - Schule und Betrieb - bietet eine optimale Basis für den erfolgreichen Eintritt junger Menschen in das Erwerbsleben. 

Die Europäische Kommission hat ihren Mitgliedstaaten empfohlen, mehr und vor allem früher in Bildung zu investieren und ihre Bildungsangebote stärker an den tatsächlichen Erfordernissen des Arbeitsmarktes auszurichten. Eine engere Vernetzung von Bildungseinrichtungen und Arbeitswelt.