polinomics - No. 7: Bildung / Hintergrund
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No. 7: Bildung  
   
 

 




Editorial
Interview mit Annette Schavan (CDU)
Schlüsselqualifikation: Mathematik
Deutschlands Zukunft
Bildung steigert Wettbewerbsfähigkeit
Deutschland: Eine Bildungsbaustelle
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Hintergrund


Deutschlands Zukunft liegt in den Händen der Ärmsten

Machen wir uns nichts vor: Die wissenschaftliche und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands liegt in den Händen der Ärmsten - ein Bafög-Empfänger zählt laut OECD- Definition zur Gruppe der relativ Armen und ist sozio- kultureller Armut ausgesetzt. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung ordnet die Studenten zu den ärmsten Bevölkerungsschichten.

Von A. Strube


 Foto: David Ausserhofer

 

Bildung ist der Schlüssel zum weiteren Erfolg Deutschlands in einer globalisierten Welt, darüber sind sich die Beteiligten aus Wirtschaft und Politik einig. Oftmals wird auch von der einzigen Chance, die wir noch haben, geredet. Die Schritte, die ergriffen werden, können der großen Bedeutung allerdings selten gerecht werden. Doch die politischen Entscheidungsträger haben die Dringlichkeit erkannt und gleich mehrere Maßnahmen (Wieder- holung, eventuell: Mittel) ergriffen, um die Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen.

Studiengebühren sollen die Bildung in Deutschland verbessern. Was aber sind die volkswirtschaftlichen Folgen von Studien- gebühren? Rein nominell betrachtet steigen dadurch die Investitionen im Bildungssektor. Volkswirtschaftlich sind die Auswirkungen solcher Maßnahmen allerdings umstritten. Steigt die Qualität der Lehre um 5 Prozent, wenn der Student seine finanzielle Investition um 5 Prozent erhöht? Verbessert eine zweiprozentige Lohnerhöhung die Leistung eines Dozenten um  2 Prozent?


Der Bafög-Höchstsatz wird steigen. Der Maximalfördersatz wird voraussichtlich um 10 Prozent erhöht. Ein großer Schritt in der Bildungspolitik. Allerdings ist dies keine reale Steigerung, sondern nur ein Ausgleich für die Inflation seit der letzten Erhöhung. In der Zwischenzeit (2001-2007) sind die Lebenshaltungskosten ziemlich genau um jene 10 Prozent gestiegen. Nominell ist das auch eine Investition in Bildung – real allerdings ist es nur ein Ausgleich für die Nullrunden und Versäumnisse der vergangenen Jahre.

Studenten gehören zur ärmsten Bevölkerungsschicht

Alle wünschen sich einen schnellen, zielorientierten Studenten, der sein Studium in der Regelstudienzeit oder sogar schneller abschließt. Sicher trifft das auch auf die meisten Studenten zu. Allerdings muss man sich auch folgendes bewusst machen: Die wissenschaftliche und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands liegt in den Händen der Ärmsten – ein Bafög-Empfänger zählt laut OECD-Definition zur Gruppe der relativ Armen und ist sozio-kultureller Verarmung ausgesetzt. Und auch die Bundeszentrale für politische Bildung ordnet die Studenten zu den ärmsten Bevölkerungsschichten. Die „Anhebung“ des Bafögs in Verbindung mit den eingeführten Studiengebühren wird diese Situation nicht verbessern.

Es mag etwas paradox klingen, aber die Einführung von Studiengebühren wird die zukünftige Einkommenssituation von Jugendlichen ohne Schulabschluss und Hauptschülern verschlechtern. Dies ist nur eine These, die der gesunde Menschenverstand und Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen werden. Im Jahr 1970 hatten 79 Prozent der neuen Auszubildenden einen Hauptschulabschluss in der Tasche. Diese Zahl verringerte sich im Jahr 1983 auf 49,9 Prozent und sank bis auf 46,4 Prozent im Jahr 2006. Junge Menschen mit Hochschul- oder Fachhochschulreife werden Schüler mit geringerem Bildungsabschluss aus den Ausbildungsberufen verdrängen und damit deren Situation verschlechtern.

Eine Ausbildung birgt weniger Risiken

Volkswirtschaftlich vereinfacht steigt der Preis für das Gut Bildung, erhöht somit die Zugangsbarrieren und führt zu einem Rückgang des Verbrauchs / Gebrauchs des Gutes Bildung. Die „Ausgeschlossenen“ oder diejenigen, die das Risiko der erhöhten Investition nicht tragen wollen, suchen nach Alternativen. Eine risikoarme Alternative ist eine Berufsaus- bildung. Der prozentuale Anteil und die absolute Zahl der Studenten sinken mit fatalen Folgen für die langfristige Entwicklung in Deutschland.

 

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© Thomas Sommer 2006 - 2008