Bildung ist der Schlüssel zum weiteren Erfolg Deutschlands in einer
globalisierten Welt, darüber sind sich die Beteiligten aus
Wirtschaft und Politik einig. Oftmals wird auch von der einzigen
Chance, die wir noch haben, geredet. Die Schritte, die ergriffen
werden, können der großen Bedeutung allerdings selten gerecht
werden. Doch die politischen Entscheidungsträger haben die Dringlichkeit erkannt
und gleich mehrere Maßnahmen (Wieder- holung, eventuell: Mittel)
ergriffen, um die Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen.
Studiengebühren sollen die
Bildung in Deutschland verbessern. Was aber sind die
volkswirtschaftlichen Folgen von Studien- gebühren? Rein nominell
betrachtet steigen dadurch die Investitionen im Bildungssektor.
Volkswirtschaftlich sind die Auswirkungen solcher Maßnahmen
allerdings umstritten. Steigt die Qualität der Lehre um 5
Prozent, wenn der Student seine finanzielle Investition um 5
Prozent erhöht? Verbessert eine zweiprozentige Lohnerhöhung die
Leistung eines Dozenten um 2 Prozent?
Der Bafög-Höchstsatz wird steigen. Der Maximalfördersatz wird
voraussichtlich um 10 Prozent erhöht. Ein großer Schritt in der
Bildungspolitik. Allerdings ist dies keine reale Steigerung,
sondern nur ein Ausgleich für die Inflation seit der letzten Erhöhung.
In der Zwischenzeit (2001-2007) sind die Lebenshaltungskosten
ziemlich genau um jene 10 Prozent gestiegen. Nominell ist das auch
eine Investition in Bildung – real allerdings ist es nur ein
Ausgleich für die Nullrunden und Versäumnisse der vergangenen
Jahre.
Studenten gehören zur ärmsten Bevölkerungsschicht
Alle wünschen sich einen schnellen, zielorientierten Studenten,
der sein Studium in der Regelstudienzeit oder sogar schneller
abschließt. Sicher trifft das auch auf die meisten Studenten zu.
Allerdings muss man sich auch folgendes bewusst machen: Die
wissenschaftliche und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands liegt
in den Händen der Ärmsten – ein Bafög-Empfänger zählt laut
OECD-Definition zur Gruppe der relativ Armen und ist
sozio-kultureller Verarmung ausgesetzt. Und auch die
Bundeszentrale für politische Bildung ordnet die Studenten zu den
ärmsten Bevölkerungsschichten. Die „Anhebung“ des Bafögs in
Verbindung mit den eingeführten Studiengebühren wird diese
Situation nicht verbessern.
Es mag etwas paradox klingen, aber die Einführung von Studiengebühren
wird die zukünftige Einkommenssituation von Jugendlichen ohne
Schulabschluss und Hauptschülern verschlechtern. Dies ist nur
eine These, die der gesunde Menschenverstand und Zahlen des
Statistischen Bundesamtes bestätigen werden. Im Jahr 1970 hatten
79 Prozent der neuen Auszubildenden einen Hauptschulabschluss in
der Tasche. Diese Zahl verringerte sich im Jahr 1983 auf 49,9
Prozent und sank bis auf 46,4
Prozent im Jahr 2006. Junge Menschen mit Hochschul- oder
Fachhochschulreife werden Schüler mit geringerem
Bildungsabschluss aus den Ausbildungsberufen verdrängen und damit
deren Situation verschlechtern.
Eine Ausbildung birgt weniger Risiken
Volkswirtschaftlich vereinfacht
steigt der Preis für das Gut Bildung, erhöht somit die
Zugangsbarrieren und führt zu einem Rückgang des Verbrauchs /
Gebrauchs des Gutes Bildung. Die „Ausgeschlossenen“ oder
diejenigen, die das Risiko der erhöhten Investition nicht tragen
wollen, suchen nach Alternativen. Eine risikoarme Alternative ist
eine Berufsaus- bildung. Der prozentuale Anteil und die absolute
Zahl der Studenten sinken mit fatalen Folgen für die langfristige
Entwicklung in Deutschland.