polinomics - No. 8: Die Altenrepublik / Literatur
Kopfzeilenfoto  
No. 8: Die Altenrepublik  
   
 

 




Editorial
Interview mit Walter Hirrlinger (VdK)
Willkommen in der Altenrepublik
Gemeinsam sind wir stark
GenerationenZukunft in Dortmund
Lesezeichen
----
Zur Druckversion | Versenden | Leserbrief
----

Lesezeichen


Gewonnene Jahre oder 
Die revolutionäre Kraft der alternden Gesellschaft 



Rezensiert von Thomas Sommer


 

 

 

 

 

Uwe-Karsten Heye

Gewonnene Jahre
oder Die revolutionäre Kraft der alternden Gesellschaft

224 Seiten · 18,95 €  (D)
ISBN 978-3-89667-333-6

 

 

Die Schreckensszenarien sind allseits bekannt: Immer weniger Kinder - immer mehr Rentner. Die Entwicklung ist nicht mehr zu stoppen. Was für viele der Anfang vom Ende unserer Gesell- schaft ist, versteht Karl-Uwe Heye als eine Chance für eine bessere Zukunft. Für Jung und Alt. 

Die 68er melden sich zurück und im Gepäck haben sie - wie sollte es auch anders sein - radikale gesellschaftspolitische Verbesserungsvorschläge. Die Menschen werden älter. Warum also nicht auch länger arbeiten und vom Wissen der alternden Gesellschaft lernen? Friede den Hütten, Krieg den Palästen! Holt die Alten zurück in den Arbeitsprozess. Arbeiten auch jenseits des (jetzigen) Renteneintrittalters? Warum nicht? Heye lebt es doch vor. 

1940 geboren, arbeitete er als Pressereferent und Redenschreiber für Willy Brandt. In den 1980er Jahren war er als freier Autor für die ARD und das ZDF tätig. Ab 1990 arbeitete Heye als Pressesprecher von Gerhard Schröder in Niedersachsen und 1998 bis 2002 als Regierungssprecher und Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Seit 2006 ist der 67-jährige Chefredakteur der SPD-Parteizeitung Vorwärts. 

Schluss mit der Frühverrentung. Arbeit für Senioren in Kindergärten und Schulen. Kindergartenpflicht für alle. Einheitsschule bis zur 10. Klasse. Freie Wahl des Rentenalters. So einige seiner radikalen Vorschläge für die Zukunft. Denn "alt" bedeutet nicht "nutzlos" und "jung" nicht "chancenlos".

Warum will Heye die eigenen Hinterlassenschaften aus der politischen Vergangenheit umkrempeln? Die Erklärung liefert er gleich im ersten Satz: "Die Idee zu diesem Buch wäre mir ohne Tom nicht gekommen." Tom, das ist sein mittlerweile fünfjähriger Sohn. Gezwungenermaßen muss sich Heye in einem Alter, in dem andere Großväter sind, wieder Gedanken darüber machen, wie die Zukunft seines Kindes aussehen wird. Der Titel "Gewonnene Jahre" sei doppeldeutig, schreibt Heye. Einmal ist es Tom, der ihm und seine Frau ein völlig neues Lebensgefühl gibt und dann ist es der Gewinn von rund einem Jahrzehnt an aktiven Lebensjahren, die heute - nicht zuletzt dank der modernen Medizin - ein 60-Jähriger zur Verfügung habe. Die gewonnenen Jahre müssen nur genutzt werden. 

Am Ende bleibt aber nur die Frage, ob die "rüstigen Alten" die gewonnene Zeit für die Erziehung von fremden Kindern in Kindergärten und Schulen nutzen oder doch lieber ihren Ruhestand genießen wollen. Heyes Vorschläge dienen dann wohl doch mehr dem Anstoß für eine notwendige Debatte, wirklich praktikabel sind sie aber nicht.


 

Bitte vergewissern Sie sich, dass Sie JavaScript aktiviert haben!
 


 

© Thomas Sommer 2006 - 2008