Die
Schreckensszenarien sind allseits bekannt: Immer weniger Kinder -
immer mehr Rentner. Die Entwicklung ist nicht mehr zu stoppen. Was
für viele der Anfang vom Ende unserer Gesell- schaft ist,
versteht Karl-Uwe Heye als eine Chance für eine bessere Zukunft.
Für Jung und Alt.
Die 68er melden sich zurück und im Gepäck haben sie - wie sollte
es auch anders sein - radikale gesellschaftspolitische
Verbesserungsvorschläge. Die Menschen werden älter. Warum also
nicht auch länger arbeiten und vom Wissen der alternden
Gesellschaft lernen? Friede den Hütten, Krieg den Palästen!
Holt die Alten zurück in den Arbeitsprozess. Arbeiten auch
jenseits des (jetzigen) Renteneintrittalters? Warum nicht? Heye
lebt es doch vor.
1940 geboren, arbeitete er als Pressereferent und Redenschreiber für Willy Brandt. In den
1980er Jahren war er als freier
Autor für die ARD und das ZDF tätig. Ab 1990 arbeitete Heye als
Pressesprecher von Gerhard Schröder in Niedersachsen und 1998 bis
2002 als Regierungssprecher und Chef des Presse- und
Informationsamtes der Bundesregierung. Seit 2006 ist der 67-jährige
Chefredakteur der SPD-Parteizeitung Vorwärts.
Schluss mit der Frühverrentung. Arbeit für Senioren in Kindergärten
und Schulen. Kindergartenpflicht für alle. Einheitsschule bis zur
10. Klasse. Freie Wahl des Rentenalters. So einige seiner
radikalen Vorschläge für die Zukunft. Denn "alt"
bedeutet nicht "nutzlos" und "jung" nicht
"chancenlos".
Warum will Heye die eigenen Hinterlassenschaften aus der
politischen Vergangenheit umkrempeln? Die Erklärung liefert er
gleich im ersten Satz: "Die Idee zu diesem Buch wäre mir
ohne Tom nicht gekommen." Tom, das ist sein mittlerweile fünfjähriger
Sohn. Gezwungenermaßen muss sich Heye in einem Alter, in dem
andere Großväter sind, wieder Gedanken darüber machen, wie die
Zukunft seines Kindes aussehen wird. Der Titel
"Gewonnene Jahre" sei doppeldeutig, schreibt Heye.
Einmal ist es Tom, der ihm und seine Frau ein völlig neues
Lebensgefühl gibt und dann ist es der Gewinn von rund einem
Jahrzehnt an aktiven Lebensjahren, die heute - nicht zuletzt dank
der modernen Medizin - ein 60-Jähriger zur Verfügung habe. Die
gewonnenen Jahre müssen nur genutzt werden.
Am Ende bleibt aber nur die Frage, ob die "rüstigen
Alten" die gewonnene Zeit für die Erziehung von fremden
Kindern in Kindergärten und Schulen nutzen oder doch lieber ihren
Ruhestand genießen wollen. Heyes Vorschläge dienen dann wohl
doch mehr dem Anstoß für eine notwendige Debatte, wirklich praktikabel
sind sie aber nicht.