|
Schon
vor 7.000 bis 11.000 Jahren haben die Ägypter die ersten Schiffe
mit einfachen Segeln genutzt. Hauptsächlich für die Fahrt auf dem
Nil, aber auch für Fahrten über das Mittelmeer und das Rote Meer
wurden Schiffe mit einem Mast und einem großen Rahsegel eingesetzt.
Im 21. Jahrhundert ist die älteste Antriebstechnologie in der
Schifffahrt längst überholt. So scheint es zumindest. Das
Hamburger Unternehmen Sky Sails zeigt, dass das Segel auch in der
modernen Schifffahrt einen Platz haben kann.
Meist sind es Hobby-Skipper, die der modernen Technik zum Trotz
lieber auf die gute alte Art der maritimen Fortbewegung setzen.
Einige Reiseveranstalter haben die Kreuzfahrt auf dem Segelschiff
auch für sich entdeckt. Und auch die Bundesmarine setzt bei der
Ausbildung ihres Offiziersnachwuchses immer noch auf ihr
Ausbildungsschiff Gorch Fock. Segel und Schifffahrt, das scheint nur
etwas für Nostalgiker zu sein.
Angesichts steigender Energiekosten muss sich auch die kommerziell
genutzte Schifffahrt über Kosteneinsparungen Gedanken machen. Wind
ist einfach billiger als Öl und auf hoher See nebenbei noch die
umweltfreundlichste Energiequelle. Bisher konnten die Reederein die
Windkraft jedoch nicht nutzen. Aus einem einfachen Grund: Kein
Segelsystem konnte bisher den Anforderungen der modernen Schifffahrt
genügen - wenigstens bisher.
Kräftig Wind in den Segeln
2001 gründeten der Dipl.-Wirtschaftsingenieur Stephan Wrage und der
Dipl.-Ing. für Schiffbau und Meerestechnik Thomas Meyer in Hamburg
die SkySails GmbH & Co. KG. Ihre revolutionäre Idee:
Windantrieb für Frachtschiffe auf Basis von großen Zugdrachen.
Die ersten beiden mit dem SkySails-Antrien ausgerüsteten
Frachtschiffe befinden sich seit Ende 2007 und Anfang 2008 im
Praxistest. Schnell zeigte sich, dass ihr System unter realen
Bedingungen hohe Zugkräfte erzeugen und so hohe Treibstoffmengen
einsparen kann. Auf einem der Schiffe - der MS "Michael
A." konnte der Treibstoffverbrauch mit Hilfe des
Zugdrachen-Antriebs zeitweise um 50% reduziert werden. Mit Hilfe des
Windes erzeugt der 160 Quadratmeter große Drachen Zugkräfte von
bis zu 8 Tonnen - das entspricht annähernd der Leistung eines
Triebwerkes des Airbus A318. Eine jährliche Einsparung von
durchschnittlich 10 bis 35 Prozent scheint realistisch.
Der Praxistest des SkySails-System wird noch bis Anfang 2009 auf den
Frachtschiffen "Michael A." (Betrieben von der Reederei
Wessels) und "Beluga SkySails" (Beluga-Shipping) andauern.
Die erste große Feuerprobe ist auch schon bestanden. Das
Logistikunternehmen DHL Global Forwarding, der See- und
Luftfrachtspediteur im Konzern Deutsche Post World Net, hat weltweit
erstmalig Projektfracht mit dem Zugdrachensystem verschifft. Im
Rahmen der Jungfernfahrt der Beluga SkySails wurden so die ersten
Teile einer kompletten Spanplattenfabrik in das Südamerikanische
Venezuela gebracht.
Nach dem Abschluss der Piloterprobung will SkySails mit der
Serienproduktion des Zugdrachensystems beginnen
|