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No. 9: Prima Klima
 

Technologie

 



Segel setzen für Umwelt und Profit

Von Thomas Sommer


Schon vor 7.000 bis 11.000 Jahren haben die Ägypter die ersten Schiffe mit einfachen Segeln genutzt. Hauptsächlich für die Fahrt auf dem Nil, aber auch für Fahrten über das Mittelmeer und das Rote Meer wurden Schiffe mit einem Mast und einem großen Rahsegel eingesetzt. Im 21. Jahrhundert ist die älteste Antriebstechnologie in der Schifffahrt längst überholt. So scheint es zumindest. Das Hamburger Unternehmen Sky Sails zeigt, dass das Segel auch in der modernen Schifffahrt einen Platz haben kann. 

Meist sind es Hobby-Skipper, die der modernen Technik zum Trotz lieber auf die gute alte Art der maritimen Fortbewegung setzen. Einige Reiseveranstalter haben die Kreuzfahrt auf dem Segelschiff auch für sich entdeckt. Und auch die Bundesmarine setzt bei der Ausbildung ihres Offiziersnachwuchses immer noch auf ihr Ausbildungsschiff Gorch Fock. Segel und Schifffahrt, das scheint nur etwas für Nostalgiker zu sein. 

Angesichts steigender Energiekosten muss sich auch die kommerziell genutzte Schifffahrt über Kosteneinsparungen Gedanken machen. Wind ist einfach billiger als Öl und auf hoher See nebenbei noch die umweltfreundlichste Energiequelle. Bisher konnten die Reederein die Windkraft jedoch nicht nutzen. Aus einem einfachen Grund: Kein Segelsystem konnte bisher den Anforderungen der modernen Schifffahrt genügen - wenigstens bisher.

Kräftig Wind in den Segeln

2001 gründeten der Dipl.-Wirtschaftsingenieur Stephan Wrage und der Dipl.-Ing. für Schiffbau und Meerestechnik Thomas Meyer in Hamburg die SkySails GmbH & Co. KG. Ihre revolutionäre Idee: Windantrieb für Frachtschiffe auf Basis von großen Zugdrachen.

Die ersten beiden mit dem SkySails-Antrien ausgerüsteten Frachtschiffe befinden sich seit Ende 2007 und Anfang 2008 im Praxistest. Schnell zeigte sich, dass ihr System unter realen Bedingungen hohe Zugkräfte erzeugen und so hohe Treibstoffmengen einsparen kann. Auf einem der Schiffe - der MS "Michael A." konnte der Treibstoffverbrauch mit Hilfe des Zugdrachen-Antriebs zeitweise um 50% reduziert werden. Mit Hilfe des Windes erzeugt der 160 Quadratmeter große Drachen Zugkräfte von bis zu 8 Tonnen - das entspricht annähernd der Leistung eines Triebwerkes des Airbus A318. Eine jährliche Einsparung von durchschnittlich 10 bis 35 Prozent scheint realistisch. 

Der Praxistest des SkySails-System wird noch bis Anfang 2009 auf den Frachtschiffen "Michael A." (Betrieben von der Reederei Wessels) und "Beluga SkySails" (Beluga-Shipping) andauern. Die erste große Feuerprobe ist auch schon bestanden. Das Logistikunternehmen DHL Global Forwarding, der See- und Luftfrachtspediteur im Konzern Deutsche Post World Net, hat weltweit erstmalig Projektfracht mit dem Zugdrachensystem verschifft. Im Rahmen der Jungfernfahrt der Beluga SkySails wurden so die ersten Teile einer kompletten Spanplattenfabrik in das Südamerikanische Venezuela gebracht. 

Nach dem Abschluss der Piloterprobung will SkySails mit der Serienproduktion des Zugdrachensystems beginnen