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Prof.
Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Träger des Deutschen
Umweltpreises 2008, spricht im
polinomics-Interview über die aktuelle Klimaschutzdebatte, seinen künftigen
Projekten und über die deutsche Umweltpolitik der nächsten Jahre.
polinomics:
Sehr
geehrter Herr von Weizsäcker, zuallererst herzlichen Glückwunsch
zur Verleihung des Deutschen Umweltpreises!
Geehrt werden Sie für Ihre Überzeugungsarbeit für nachhaltiges
Wirtschaften in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Was bedeutet
für Sie nachhaltig?
Prof. Dr. von Weizsäcker: So dass es die Generation von
Enkeln und Urenkeln so gut haben wie wir.
polinomics: In Anspielung auf Al Gores "Eine unbequeme
Wahrheit" sprechen Sie bei dem dänischen Politologen Björn
Lomborg von einem Verfechter der "bequemen Unwahrheiten".
Überspitzt formuliert sagt Lomborg in seinem Buch "Cool It",
dass die globale Erderwärmung im Grunde nicht so schlimm sei, da so
die Zahl der Kältetoten auf der Erde verringert werden könne.
Zugegeben eine sehr gewagte Sichtweise. Aber hat Lomborg denn nicht
Recht, wenn er behauptet, dass wir uns mit einer Klima-Hysterie im
Grunde nur selbst schaden? Dass es besser sei, ein wenig Ruhe in die
Debatte zu bringen, um so übereilte Schnellschüsse in Sachen
Klimaschutz zu vermeiden?
Prof. Dr. von Weizsäcker: Hysterie ist
schädlich,
weil sie zu
unvernünftigem, ganz kurzfristigem Handeln verleitet.
Klimaschutz ist
eine Langfristaufgabe. Wenn wir wissen, dass der Verbrauch
von Kohle,
Öl und Gas sowie die Emission von Methan, Lachgas und einigen
anderen
Gasen das Klima schädigt, dann sollten wir die Preise für
diese Handlungsweisen in vorhersehbaren, eher kleinen
Schritten
anheben. Dann rentiert sich klimafreundliches Produzieren
und
Konsumieren von Jahr zu Jahr mehr. Dann werden die Weichen
für Technologieentwicklung, Infrastrukturen, Handel und
Konsum endlich rational gestellt. Das nenne ich dann
das Gegenteil von Hysterie, und es bleibt auch dann
vernünftig, wenn sich die Klimaforscher an irgendwelchen
Stellen verrechnet haben sollten.
polinomics:
An der "Donald Bren School" für
Umweltwissenschaft und -Management im kalifornischen Santa Barbara
leiten Sie derzeit das Institut für Umweltforschung. Die drei
Jahre, die sie dort einplanten sind bald vorbei und sie ziehen
wieder zurück nach Deutschland. Welchen Projekten wollen Sie sich
dann widmen?
Prof. Dr. von Weizsäcker: Nein, ich leite die ganze
School. Ich bin hauptsächlich Repräsentant und Geldbeschaffer,
beides übrigens erfolgreich. Wenn ich nach Deutschland zurück
komme, will ich mit meiner Frau Christine zusammen ein kleines
Institut oder Beratungsbüro in Emmendingen aufbauen. Daneben will
ich das Manuskript für das Buch "Faktor 5" fertig stellen
und mich um die Leitung von zwei internationalen Kommissionen kümmern.
polinomics:
Was
wünschen Sie sich speziell für die deutsche Umweltpolitik der nächsten
Jahre?
Prof. Dr. von Weizsäcker: Stetigkeit
und europäische Koordinierung bei Klimaschutz, Artenschutz und
technologischer Umsteuerung in Richtung Nachhaltigkeit.
polinomics: Herr
Professor, herzlichen Dank für das Gespräch.
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