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No. 9: Prima Klima
 

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker im Interview

 

Klimaschutz ist eine Langfristaufgabe“

Die Fragen stellte Thomas Sommer


Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Träger des Deutschen Umweltpreises 2008, spricht im polinomics-Interview über die aktuelle Klimaschutzdebatte, seinen künftigen Projekten und über die deutsche Umweltpolitik der nächsten Jahre.

polinomics: Sehr geehrter Herr von Weizsäcker, zuallererst herzlichen Glückwunsch zur Verleihung des Deutschen Umweltpreises!

Geehrt werden Sie für Ihre Überzeugungsarbeit für nachhaltiges Wirtschaften in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Was bedeutet für Sie nachhaltig?

Prof. Dr. von Weizsäcker: So dass es die Generation von Enkeln und Urenkeln so gut haben wie wir.
 
polinomics: In Anspielung auf Al Gores "Eine unbequeme Wahrheit" sprechen Sie bei dem dänischen Politologen Björn Lomborg von einem Verfechter der "bequemen Unwahrheiten". Überspitzt formuliert sagt Lomborg in seinem Buch "Cool It", dass die globale Erderwärmung im Grunde nicht so schlimm sei, da so die Zahl der Kältetoten auf der Erde verringert werden könne. Zugegeben eine sehr gewagte Sichtweise. Aber hat Lomborg denn nicht Recht, wenn er behauptet, dass wir uns mit einer Klima-Hysterie im Grunde nur selbst schaden? Dass es besser sei, ein wenig Ruhe in die Debatte zu bringen, um so übereilte Schnellschüsse in Sachen Klimaschutz zu vermeiden?

Prof. Dr. von Weizsäcker: Hysterie ist
schädlich, weil sie zu 
unvernünftigem, ganz kurzfristigem Handeln verleitet. Klimaschutz ist 
eine Langfristaufgabe. Wenn wir wissen, dass der Verbrauch von Kohle, 
Öl und Gas sowie die Emission von Methan, Lachgas und einigen anderen 
Gasen das Klima schädigt, dann sollten wir die Preise für diese Handlungsweisen in vorhersehbaren, eher kleinen Schritten 
anheben. Dann rentiert sich klimafreundliches Produzieren und 
Konsumieren von Jahr zu Jahr mehr. Dann werden die Weichen für Technologieentwicklung, Infrastrukturen, Handel und Konsum endlich rational gestellt. Das nenne ich dann das Gegenteil von Hysterie, und es bleibt auch dann vernünftig, wenn sich die Klimaforscher an irgendwelchen Stellen verrechnet haben sollten.


polinomics: An der "Donald Bren School" für Umweltwissenschaft und -Management im kalifornischen Santa Barbara leiten Sie derzeit das Institut für Umweltforschung. Die drei Jahre, die sie dort einplanten sind bald vorbei und sie ziehen wieder zurück nach Deutschland. Welchen Projekten wollen Sie sich dann widmen?

Prof. Dr. von Weizsäcker:
Nein, ich leite die ganze School. Ich bin hauptsächlich Repräsentant und Geldbeschaffer, beides übrigens erfolgreich. Wenn ich nach Deutschland zurück komme, will ich mit meiner Frau Christine zusammen ein kleines Institut oder Beratungsbüro in Emmendingen aufbauen. Daneben will ich das Manuskript für das Buch "Faktor 5" fertig stellen und mich um die Leitung von zwei internationalen Kommissionen kümmern. 

polinomics: Was wünschen Sie sich speziell für die deutsche Umweltpolitik der nächsten Jahre?

Prof. Dr. von Weizsäcker:
Stetigkeit und europäische Koordinierung bei Klimaschutz, Artenschutz und technologischer Umsteuerung in Richtung Nachhaltigkeit.
 

polinomics: Herr Professor, herzlichen Dank für das Gespräch.