polinomics - No. 9: Prima Klima / Interview
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No. 9: Prima Klima  
   
 

 




Editorial
Interview mit Prof. Dr. von Weizsäcker
Fit für die Zukunft
Segel setzen für Umwelt und Profit
Wir fangen dann schon mal an
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PROF. DR. ERNST ULRICH VON WEIZSÄCKER IM INTERVIEW

Klimaschutz ist eine Langfristaufgabe

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Träger des Deutschen Umweltpreises 2008, spricht im polinomics-Interview über die aktuelle Klimaschutzdebatte, seinen künftigen Projekten und über die deutsche Umweltpolitik der nächsten Jahre.

 Foto: von Weizsäcker


polinomics:
Sehr geehrter Herr von Weizsäcker, zuallererst herzlichen Glückwunsch zur Verleihung des Deutschen Umweltpreises!

Geehrt werden Sie für Ihre Überzeugungsarbeit für nachhaltiges Wirtschaften in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Was bedeutet für Sie nachhaltig?


Prof. Dr. von Weizsäcker
: So dass es die Generation von Enkeln und Urenkeln so gut haben wie wir.
 
polinomics: In Anspielung auf Al Gores "Eine unbequeme Wahrheit" sprechen Sie bei dem dänischen Politologen Björn Lomborg von einem Verfechter der "bequemen Unwahrheiten". Überspitzt formuliert sagt Lomborg in seinem Buch "Cool It", dass die globale Erderwärmung im Grunde nicht so schlimm sei, da so die Zahl der Kältetoten auf der Erde verringert werden könne. Zugegeben eine sehr gewagte Sichtweise. Aber hat Lomborg denn nicht Recht, wenn er behauptet, dass wir uns mit einer Klima-Hysterie im Grunde nur selbst schaden? Dass es besser sei, ein wenig Ruhe in die Debatte zu bringen, um so übereilte Schnellschüsse in Sachen Klimaschutz zu vermeiden?

 

Foto: von Weizsäcker
 
von Weizsäcker:  
"Wenn ich nach Deutschland zurück komme, will ich 
mit meiner Frau Christine zusammen ein kleines Institut oder Beratungs- büro in Emmendingen aufbauen." 
  Prof. Dr. von Weizsäcker: Hysterie ist  
  schädlich, weil sie zu unvernünftigem, 
  ganz kurzfristigem Handeln verleitet. 
  Klimaschutz ist eine Langfristaufgabe. 
  Wenn wir wissen, dass der Verbrauch von 
  Kohle, Öl und Gas sowie die Emission von 
  Methan, Lachgas und einigen anderen 
  Gasen das Klima schädigt, dann sollten 
  wir die Preise für diese Handlungsweisen 
  in vorhersehbaren, eher kleinen Schritten 
  anheben. Dann rentiert sich 
  klimafreundliches Produzieren und 
  Konsumieren von Jahr zu Jahr mehr. Dann 
  werden die Weichen für 
  Technologieentwicklung, Infrastrukturen, 
  Handel und Konsum endlich rational 
  gestellt. Das nenne ich dann das 
  Gegenteil von Hysterie, und es bleibt 
  auch dann vernünftig, wenn sich die 
  Klimaforscher an irgendwelchen Stellen  
  verrechnet haben sollten.


polinomics:
An der "Donald Bren School" für Umweltwissenschaft und -Management im kalifornischen Santa Barbara leiten Sie derzeit das Institut für Umweltforschung. Die drei Jahre, die sie dort einplanten sind bald vorbei und sie ziehen wieder zurück nach Deutschland. Welchen Projekten wollen Sie sich dann widmen?

Prof. Dr. von Weizsäcker:
Nein, ich leite die ganze School. Ich bin hauptsächlich Repräsentant und Geldbeschaffer, beides übrigens erfolgreich. Wenn ich nach Deutschland zurück komme, will ich mit meiner Frau Christine zusammen ein kleines Institut oder Beratungsbüro in Emmendingen aufbauen. Daneben will ich das Manuskript für das Buch "Faktor 5" fertig stellen und mich um die Leitung von zwei internationalen Kommissionen kümmern.
 

polinomics: Was wünschen Sie sich speziell für die deutsche Umweltpolitik der nächsten Jahre?

Prof. Dr. von Weizsäcker:
Stetigkeit und europäische Koordinierung bei Klimaschutz, Artenschutz und technologischer Umsteuerung in Richtung Nachhaltigkeit.

 

polinomics: Herr Professor, herzlichen Dank für das Gespräch.


Die Fragen stellte Thomas Sommer

 


  Zur Person:

 
Ernst Ulrich von Weizsäcker (geb. 25. Juni 1939 in Zürich) 
 ist der Sohn des Physikers Carl Friedrich von Weizsäcker und 
 Neffe des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von 
 Weizsäcker. Mit seiner Frau, Christine von Weizsäcker, ist er 
 seit 1969 verheiratet und hat fünf Kinder. Nach dem Abitur 
 studierte von Weizsäcker Chemie und Physik in Hamburg und 
 schloss das Studium als Diplom-Physiker ab. Anschließend 
 promovierte er an der Universität Freiburg im Breisgau zum 
 Dr. rer. nat. (Biologie). Er war Professor für Biologie an der 
 Universität-Gesamthochschule Essen und von 1975 bis 1980 
 Präsident der Universität Kassel. 1981 wechselte er an das 
 UNO-Zentrum für Wissenschaft und Technologie in 
 New-York. Von 1984 bis 1991 war von Weizsäcker Direktor 
 des Instituts für Europäische Umweltpolitik Bonn, Paris, 
 London. Anschließend war er bis 2000 Präsident des 
 Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie.

 Von 1998 bis 2005 war er für die SPD Abgeordneter im 
 Deutschen Bundestag. Hier hatte er zuerst den Vorsitz der 
 Enquete-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft – 
 Herausforderungen und Antworten“ und später den Vorsitz 
 des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und 
 Reaktorsicherheit inne. Seit 2006 ist er Dekan der Bren 
 School of Environmental Science and Management der 
 Universität Kalifornien (Santa Barbara).

 Für seine jahrzehntelange hervorragende weltweite 
 Überzeugungsarbeit für nachhaltiges Wirtschaften in Politik, 
 Wirtschaft und Gesellschaft erhielt von Weizsäcker im 
 Oktober 2008 den Deutschen Umweltpreis der Deutschen 
 Bundesstiftung Umwelt (DBU).


 


Bisher sind folgende Interviews bei polinomics erschienen:

- VdK-Präsident Walter Hirrlinger
  "Der Sozialstaat darf nicht kaputt gespart werden"


- Bundesbildungsministerin Annette Schavan 
  "Mir ist nicht bange um das Land der Dichter und Denker"

- Prof. Dr. Tilman Mayer
  "Politik muss mit der Zeit gehen"

- Pater Anselm Grün
  Wer andere führt, muss sich selbst gut führen

- Silvana Koch-Mehrin
  Europa möchte endlich Taten sehen

- Christian Sommer, General Manager German Centre Shanghai
  German Centre Shanghai




 

© Thomas Sommer 2006 - 2008