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No. 10: Die Zukunft ist weiblich
 

Gesellschaft

 



Frauen in der Politik

Von Thomas Sommer


"Können Sie das überhaupt?" Oder: "Wie wollen Sie das denn schaffen?" Auch 90 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland müssen sich Frauen Fragen wie diese gefallen lassen, wenn sie sich um politische Ämter bemühen. Dabei war Deutschland eines der ersten Länder, in denen Frauen 1919 erstmals wählen konnten. "Wir sind Bundeskanzlerin". Lange hat es gedauert, bis die erste Frau in der Pole-Position der bundesdeutschen Politik angekommen ist.

Be
i einer Festveranstaltung zu 90 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland erinnerte Bundeskanzlerin Angela Merkel daran, dass Deutschland eines der ersten Länder war, in denen Frauen 1919 zum ersten Mal wählen durften. Französinnen beispielsweise wurde das Wahlrecht erst nach 1945 zugesprochen. Im Schweizer Kanton Appenzell-Innerrhoden ließ man Frauen sogar erst 1990 an die Wahlurnen. 

Heute haben wir eine Bundeskanzlerin und sieben von insgesamt 16 Kabinettmitgliedern sind Frauen. Auch bei den Bundestagsabgeordneten steigt die Zahl der weiblichen Volksvertreter stetig. Ein Drittel der Abgeordneten ist weiblich (32 Prozent), in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich ihr Anteil mehr als verdreifacht. Deutschland liegt damit über dem europäischen Durchschnitt (23 Prozent). 


Was auf der Bundesebene schon (fast) selbstverständlich erscheint, ist auf kommunaler Ebene noch Wunschtraum. In der Kommunalpolitik und in den Unternehmen lasse der Anteil von Frauen in führenden Positionen allerdings noch zu Wünschen übrig, so Merkel. "Wir müssen noch weitaus mehr Frauen Mut machen, Verantwortung zu übernehmen", erklärt die Bundeskanzlerin.

Frauen macht Kommune

"Frauen sind in Deutschland in der Kommunalpolitik noch deutlich unterrepräsentiert. 2006 wurden lediglich 33 von 218 größeren Städten von einer Oberbürgermeisterin regiert. Das entspricht einem Anteil von 15 Prozent", sagte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen, zum Start der bundesweiten Kampagne "Frauen macht Kommune" im September 2008 in Berlin.

"Auch in den meist ehrenamtlich arbeitenden Stadträten und Kreistagen sitzen deutlich weniger Frauen als im Deutschen Bundestag. Die Kommune ist aber die Wurzel der Demokratie. Männer und Frauen sollten daher die Zukunft gemeinsam gestalten, das ist für mich eine Grundvoraussetzung guten Regierens", findet von der Leyen und sagt weiter: "Ich möchte daher Frauen ermutigen: Mischen Sie sich ein! Und zwar vor Ort und ganz konkret: Wagen Sie den Schritt in die Kommunalpolitik."

Zum Auftakt der Kampagne signierte die Bundesministerin den roten Teppich. Er ist das Symbol für den Weg von Frauen in die Politik und wandert bis Mai 2009 quer durch das Land, von Kommune zu Kommune.
In einer der bisher umfangreichsten empirischen Studien über Kommunal- 
politikerinnen in Deutschland wurden mehr als 1.000 ehrenamtliche Stadt- und Gemeinderätinnen befragt. Hier einige der Ergebnisse:

Der Frauenanteil in den ehrenamtlichen Kommunalvertretungen beträgt 
durchschnittlich 24 Prozent. Ihr Anteil in den einzelnen Bundesländern variiert zwischen 28 Prozent (Schleswig-Holstein) und 21 Prozent (Saarland). 

Freiwilliges Engagement von Kindheit an ist entscheidend für den Einstieg in die Kommunalpolitik. 86 Prozent der Befragten waren vor Übernahme des kommunalpolitischen Amtes ehrenamtlich engagiert, 60 Prozent davon in Vereinen oder Elternvertretungen.

Der von 81 Prozent genannte und somit häufigster Beweggrund für den kommunalpolitischen Einstieg ist die Motivation, sich "über den eigenen Tellerrand hinaus" für etwas engagieren zu wollen. 41 Prozent wollen ein konkretes Thema in ihrer Gemeinde oder Kommune voranbringen. 

Partnerschaft zwischen Männern und Frauen

Immer noch bestehe die Gefahr, dass Frauen zu "Supermenschen" werden müssen, um alle Herausforderungen in Familie und Beruf meistern zu können, warnt Bundeskanzlerin Merkel. Frauen müssten perfekt sein - und das "von der Intellektualität bis zum Aussehen". Dagegen werde zu wenig darüber gesprochen, ob und wie sich das Verhalten und gesellschaftliche Akzeptanz von Männern ändern müssten.

Die Kanzlerin wünscht sich, dass die Idee einer echten Partnerschaft von Mann und Frau stärker betont wird. Frauen dürften nicht dauerhaft überfordert werden.

Das 2008 eingeführte Elterngeld biete beispielsweise den Männern gute Chancen, sich mehr um ihre Kinder zu kümmern. Erfahrungen zeigten, dass Väter diese auch immer mehr nutzen.