|
"Können Sie das überhaupt?" Oder: "Wie wollen Sie das denn
schaffen?" Auch 90 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in
Deutschland müssen sich Frauen Fragen wie diese gefallen lassen, wenn sie sich
um politische Ämter bemühen. Dabei war Deutschland eines der ersten Länder,
in denen Frauen 1919 erstmals wählen konnten. "Wir sind
Bundeskanzlerin". Lange hat es gedauert, bis die erste Frau in der
Pole-Position der bundesdeutschen Politik angekommen ist.
Bei
einer Festveranstaltung zu 90 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland
erinnerte Bundeskanzlerin Angela Merkel daran, dass Deutschland
eines der ersten Länder war, in denen Frauen 1919 zum ersten Mal
wählen durften. Französinnen beispielsweise wurde das Wahlrecht
erst nach 1945 zugesprochen. Im Schweizer Kanton
Appenzell-Innerrhoden ließ man Frauen sogar erst 1990 an die
Wahlurnen.
Heute haben wir eine Bundeskanzlerin und sieben von insgesamt 16
Kabinettmitgliedern sind Frauen. Auch bei den
Bundestagsabgeordneten steigt die Zahl der weiblichen
Volksvertreter stetig. Ein Drittel der Abgeordneten ist weiblich
(32 Prozent), in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich ihr
Anteil mehr als verdreifacht. Deutschland liegt damit über dem
europäischen Durchschnitt (23 Prozent).
Was auf der Bundesebene schon (fast) selbstverständlich
erscheint, ist auf kommunaler Ebene noch Wunschtraum. In der
Kommunalpolitik und in den Unternehmen lasse der Anteil von Frauen
in führenden Positionen allerdings noch zu Wünschen übrig, so
Merkel. "Wir müssen noch weitaus mehr Frauen Mut machen,
Verantwortung zu übernehmen", erklärt die Bundeskanzlerin.
Frauen macht Kommune
"Frauen sind in Deutschland in der Kommunalpolitik noch
deutlich unterrepräsentiert. 2006 wurden lediglich 33 von 218 größeren
Städten von einer Oberbürgermeisterin regiert. Das entspricht
einem Anteil von 15 Prozent", sagte die Bundesministerin für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen, zum
Start der bundesweiten Kampagne "Frauen macht Kommune"
im September 2008 in Berlin.
"Auch in den meist ehrenamtlich arbeitenden Stadträten und
Kreistagen sitzen deutlich weniger Frauen als im Deutschen
Bundestag. Die Kommune ist aber die Wurzel der Demokratie. Männer
und Frauen sollten daher die Zukunft gemeinsam gestalten, das ist
für mich eine Grundvoraussetzung guten Regierens", findet
von der Leyen und sagt weiter: "Ich möchte daher Frauen
ermutigen: Mischen Sie sich ein! Und zwar vor Ort und ganz
konkret: Wagen Sie den Schritt in die Kommunalpolitik."
Zum
Auftakt der Kampagne signierte die Bundesministerin den roten Teppich. Er ist das Symbol für den Weg von Frauen in die Politik und wandert bis Mai 2009 quer durch das Land, von Kommune zu Kommune.
In einer der bisher umfangreichsten empirischen Studien über Kommunal-
politikerinnen in Deutschland wurden mehr als 1.000 ehrenamtliche Stadt- und Gemeinderätinnen befragt. Hier einige der Ergebnisse:
Der Frauenanteil in den ehrenamtlichen Kommunalvertretungen beträgt
durchschnittlich 24 Prozent. Ihr Anteil in den einzelnen Bundesländern variiert zwischen 28 Prozent (Schleswig-Holstein) und 21 Prozent (Saarland).
Freiwilliges Engagement von Kindheit an ist entscheidend für den
Einstieg in die Kommunalpolitik. 86 Prozent der Befragten waren
vor Übernahme des kommunalpolitischen Amtes ehrenamtlich
engagiert, 60 Prozent davon in Vereinen oder Elternvertretungen.
Der von 81 Prozent genannte und somit häufigster Beweggrund für
den kommunalpolitischen Einstieg ist die Motivation, sich "über
den eigenen Tellerrand hinaus" für etwas engagieren zu
wollen. 41 Prozent wollen ein konkretes Thema in ihrer Gemeinde
oder Kommune voranbringen.
Partnerschaft zwischen Männern und Frauen
Immer noch bestehe die Gefahr, dass Frauen zu
"Supermenschen" werden müssen, um alle
Herausforderungen in Familie und Beruf meistern zu können, warnt
Bundeskanzlerin Merkel. Frauen müssten perfekt sein - und das
"von der Intellektualität bis zum Aussehen". Dagegen
werde zu wenig darüber gesprochen, ob und wie sich das Verhalten
und gesellschaftliche Akzeptanz von Männern ändern müssten.
Die Kanzlerin wünscht sich, dass die Idee einer echten
Partnerschaft von Mann und Frau stärker betont wird. Frauen dürften
nicht dauerhaft überfordert werden.
Das 2008 eingeführte Elterngeld biete beispielsweise den Männern
gute Chancen, sich mehr um ihre Kinder zu kümmern. Erfahrungen
zeigten, dass Väter diese auch immer mehr nutzen.
|