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No. 10: Die Zukunft ist weiblich
 

Gesellschaft

 



Kinder, Küche und Karriere

Von Thomas Sommer


Kinder, Küche, Kirche - oder kurz "Die drei K". Diese Alliteration beschrieb jahrzehntelang den Platz der Frau in der deutschen Gesellschaft. Die Frau habe sich in erster Linie um die Erziehung des Nachwuchses zu kümmern - so die gängige Meinung. Berufstätige Mütter bezeichnete man schnell als so genannte Rabenmütter. Langsam wandelt sich jedoch das Bild der Frau in der Gesellschaft. Familie und berufliche Karriere schließen sich nicht mehr zwangsläufig aus. Kinder, Küche und Karriere sind die drei K der Zukunft. 

S
ie haben keine Zeit zu verlieren und trotzdem arbeiten sie oftmals effizienter als manch einer ihrer Kollegen. Ihre Belastung ist groß, wartet doch nach dem Erst-Job noch der nicht minder anstrengende Zweit-Job: die Familie. "Ich führe ein sehr erfolgreiches, kleines Familienunternehmen." Seit 2003 wirbt der Wuppertaler Haushaltsgerätehersteller Vorwerk mit verschiedensten Maßnahmen für das Ziel "Mehr Anerkennung für Familienarbeit". Ein Jahr später startete die Initiative "Familien-Managerin des Jahres". Vorwerk holte damit die Fernsehwerbung ins reale Leben.

Hausarbeit ist ein Karrierekiller

Trotz hoher fachlicher Qualifikationen fällt zahlreichen Müttern der Weg in das Berufsleben nach wie vor schwer. Hausarbeit erweist sich in vielen Fällen sogar als echter Karrierekiller. Zu diesem Ergebnis kommt beispielsweise eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die Autorin der Studie, Silke Aigner, kommt zu dem Schluss, dass Hausarbeit sogar einen nicht unerheblichen Grund für die Lohnungleichheit von Männern und Frauen darstellt. Immer noch arbeiten Männer weniger im Haushalt als ihre Frauen. Folglich können Frauen insgesamt weniger Zeit und Energie für die Erwerbstätigkeit aufbringen. 

Eine hoch qualifizierte Arbeitnehmerin, die einen Kinderwunsch hegt und sich für die dazu notwendige Auszeit zur Erziehung des Kindes entscheidet, wählt, nach Aussage des Kieler Institut für Weltwirtschaft, von vornherein eher keinen Beruf aus einer typischen Männerdomäne. Hier ist die Entwertung der beruflichen Kenntnisse, die bei einer längeren Auszeit zwangsläufig eintritt, besonders hoch. 

Viele moderne Frauen wollen beides: Familie und Karriere. Doch Familienfreundliche Teilzeit-Stellen sind immer noch selten.

Familienfreundlichkeit als Strategie


Viele Eltern sind mit ihren Arbeitszeiten unzufrieden. Während Mütter oftmals länger arbeiten wollen, möchten viele Väter zu Gunsten der Familie beruflich kürzer treten. Moderne Arbeitszeitkonzepte zeigen einen Weg aus diesem Dilemma. Teilzeit ist nur einer von ihnen.

"Es ist ein Irrglaube, dass sich nur große Unternehmen Familienfreundlichkeit leisten können", erklärt Sofie Geisel, Leiterin des Netzwerkbüros Erfolgsfaktor Familie. Gemeinsam mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft (ZDH, DIHK, BDI, BDA) und dem DGB setzt sich mit diesem Unternehmensprogramm das Bundesfamilienministerium dafür ein, Familienfreundlichkeit zu einem Markenzeichen der deutschen Wirtschaft zu machen. 

Holger Schwannecke, Geschäftsführer des Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) weiß: "Motivierte und leistungsbereite Mitarbeiter sind die zentrale Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg von Handwerksbetrieben. Das Handwerk setzt deshalb immer stärker auf familienbewusste Unternehmensführung als Erfolgsfaktor, um qualifiziertes Personal zu binden oder Nachwuchskräfte zu gewinnen." Handwerksunternehmen seien schon immer gut darin gewesen, familienbewusste Lösungen flexibel und mit wenig Aufwand umzusetzen - und das mit großem Nutzen für alle Beteiligten. 

Ein Arbeitskonzept in sechs Eckpunkten

Christina Klenner vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaft- lichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, und Svenja Pfahl vom Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (Sowitra) haben auf der Basis von Datenanalysen und guter betrieblicher Praxis sechs Eckpunkte für ein familien- und gleichstellungsorientiertes Arbeitskonzept entwickelt. 

Sie lauten:

1. Abschied vom "sorglosen Arbeiter"
Betriebe müssen erkennen, dass ihre Beschäftigten grundsätzlich in zwei Sphären eingebunden sein können: in der (bezahlten) betrieblichen und der (unbezahlten) familiären Arbeit.

2. Neuer Arbeitszeitstandard und Recht auf Fürsorge
Die Betreuung und Erziehung von Kindern und die Pflege von Angehörigen kann arbeits- und sozialrechtlich anders behandelt werden als andere Lebensabschnitte.

3. Garantierte Teilzeitarbeit an jedem Arbeitsplatz
Auch wenn es gesetzliche Regelungen gibt ist Teilzeitarbeit keine betriebliche Selbstverständlichkeit. Trotzdem sollten an allen Arbeitsplätzen das individuell gewünschte Arbeitszeitvolumen möglich sein.

4. Überwindung des Dogmas der Vollzeitkultur
In Zukunft müsste es verschiedene Kombinationen von Teilzeit- und Vollzeitarbeit geben.

5. Zurückdrängen der Kultur der überlangen Arbeitszeiten
Führungskräfte sollten auch daran gemessen werden, ob Beschäftigte ihre Leistungen auch ohne überlange Arbeitszeiten erbringen.

6. Anreize für eine stärker egalitäre Arbeitszeitverteilung zwischen den Geschlechtern
Die Abschaffung des Ehegattensplittings würde in Richtung einer stärker egalitären Arbeitszeitverteilung wirken. Heute würde das Ehegattensplitting einen großen Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern belohnen und führe damit zwangsläufig auch zu unterschiedlich langen Arbeitszeiten.