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No. 10: Die Zukunft ist weiblich
 

Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ursula von der Leyen  im Interview

 

Oft bleibt nur eine Teilzeitstelle und der Karrierezug ist abgefahren

Die Fragen stellte Thomas Sommer


Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht im polinomics-Interview über das geschlechterspezifische Lohngefälle und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

polinomics:
Sehr geehrte Frau von der Leyen, trotz Wirtschafts- und Finanzkrise nimmt der Fachkräftemangel in Deutschland ein bedrohliches Ausmaß an. Spätestens beim nächsten Aufschwung wird dieses Problem wieder akut. Trotzdem gibt es ein Potenzial, das bislang nicht richtig ausgeschöpft wird: sehr gut ausgebildete Frauen. Doch die Wirtschaft scheint nicht wirklich interessiert beträgt die Lohnschere zwischen Männern und Frauen in Deutschland immer noch rund 23 Prozent. Was läuft da falsch?

Ministerin von der Leyen: Frauen verdienen im Schnitt noch immer weniger als Männer, weil sie häufiger und früher aus dem Beruf aussteigen, wenn das erste Kind in die Familie kommt. Wollen sie dann wieder in den Job zurückkehren, bleibt diesen Frauen oft nur eine Teilzeitstelle und der Karrierezug ist abgefahren. Uns hilft es daher nur, Kindererziehung zum gemeinsamen Anliegen von Frauen und Männern zu machen. Die Vätermonate beim Elterngeld schaffen Zeit für Kinder, mehr Kitaplätze ermöglichen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Aus dem Familienmonitor 2009 wissen wir, dass Zweidrittel der Menschen in Deutschland gerade beim Thema Vereinbarkeit noch Nachholbedarf sehen. Deswegen möchte ich in der nächsten Legislatur das Elterngeld in Kombination mit Teilzeit flexibler gestalten. Das gibt Vätern und Müttern die Chance, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und gleichzeitig am Arbeitsplatz präsent zu bleiben.
 
polinomics:
Trotzdem gestaltet sich der Wiedereinstieg in den Beruf oftmals schwer. Was raten Sie einer jungen Frau, die vor der Entscheidung steht: Kind oder Karriere?

Ministerin von der Leyen: Ich rate, sich nicht bange machen zu lassen. Denn Tatsache ist: Die Wirtschaft kann nicht auf die top-ausgebildete Hälfte des Landes verzichten. Die Krise setzt den durch den demografischen Wandel verstärkten Fachkräftemangel ja nicht außer Kraft. Im Gegenteil. Entscheidend dafür, wie wir aus der Krise herauskommen wird sein, ob wir die Fachkräfte im Land haben werden. Und Fachkräfte sind junge Menschen, die auch Väter und Mütter sind. Die ziehen dort hin, wo das Angebot für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stimmt. Unser Land kann es sich gar nicht leisten, dass junge gut   ausgebildete Frauen keine Chance in ihrem Beruf mehr haben, wenn sie Kinder bekommen. Genauso wenig können wir es uns leisten, dass junge Frauen auf Kinder verzichten, weil sie ihre Karriere an den Nagel hängen müssen.

polinomics: Gestatten Sie mir unter dem Gesichtspunkt "Von Vorbildern lernen" eine persönliche Frage: Wie schaffen Sie es, Familie und stressigen Politikeralltag unter einen Hut zu bringen?

Ministerin von der Leyen: Im Grunde geht es mir nicht viel anders als allen anderen Müttern und Vätern die versuchen, Familie und Karriere miteinander zu vereinbaren: An manchen Tagen klappt es besser, an manchen schlechter. Das Pendeln zwischen dem Ministerium in Berlin und der Familie in Hannover ist natürlich anstrengend. Ich nutze die Fahrtzeit jedoch als leisen Zwang mir selbst gegenüber, zu arbeiten. Was die Art der Termine angeht, sind meine Tage sehr unterschiedlich. Eigentlich ist nur eines gleich: Ich arbeite viel mit dem Telefon und dem Laptop – egal wo ich bin. Auf Reisen oder zuhause – die Technik hilft enorm, weil ich nicht ständig im Büro oder zuhause sein kann.
 

polinomics: Frau Ministerin, herzlichen Dank für das Interview.