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Ursula
von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend, spricht im polinomics-Interview über
das geschlechterspezifische Lohngefälle und die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf.
polinomics:
Sehr
geehrte Frau von der Leyen, trotz Wirtschafts- und Finanzkrise
nimmt der Fachkräftemangel in Deutschland ein bedrohliches Ausmaß
an. Spätestens beim nächsten Aufschwung wird dieses Problem
wieder akut. Trotzdem gibt es ein Potenzial, das bislang nicht richtig ausgeschöpft
wird: sehr gut ausgebildete Frauen. Doch die Wirtschaft scheint
nicht wirklich interessiert –
beträgt die Lohnschere zwischen Männern
und Frauen in Deutschland immer noch rund 23 Prozent. Was läuft
da falsch?
Ministerin von der Leyen:
Frauen
verdienen im Schnitt noch immer weniger als Männer, weil sie häufiger
und früher aus dem Beruf aussteigen, wenn das erste Kind in die
Familie kommt. Wollen sie dann wieder in den Job zurückkehren,
bleibt diesen Frauen oft nur eine Teilzeitstelle und der
Karrierezug ist abgefahren. Uns hilft es daher nur,
Kindererziehung zum gemeinsamen Anliegen von Frauen und Männern
zu machen. Die Vätermonate beim Elterngeld schaffen Zeit für
Kinder, mehr Kitaplätze ermöglichen eine bessere Vereinbarkeit
von Beruf und Familie, gerade in wirtschaftlich schwierigen
Zeiten. Aus dem Familienmonitor 2009 wissen wir, dass Zweidrittel
der Menschen in Deutschland gerade beim Thema Vereinbarkeit noch
Nachholbedarf sehen. Deswegen möchte ich in der nächsten
Legislatur das Elterngeld in Kombination mit Teilzeit flexibler
gestalten. Das gibt Vätern und Müttern die Chance, Zeit mit
ihren Kindern zu verbringen und gleichzeitig am Arbeitsplatz präsent
zu bleiben.
polinomics:
Trotzdem
gestaltet sich der Wiedereinstieg in den Beruf oftmals schwer. Was raten Sie einer
jungen Frau, die vor der Entscheidung steht: Kind oder Karriere?
Ministerin
von der Leyen:
Ich
rate, sich nicht bange machen zu lassen. Denn Tatsache ist: Die Wirtschaft kann nicht auf die top-ausgebildete Hälfte des Landes verzichten. Die Krise setzt den durch den demografischen Wandel verstärkten Fachkräftemangel ja nicht außer Kraft. Im Gegenteil. Entscheidend dafür, wie wir aus der Krise
herauskommen wird sein, ob wir die Fachkräfte im Land haben werden. Und Fachkräfte sind junge Menschen, die auch Väter und Mütter sind. Die ziehen dort hin, wo das Angebot für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stimmt. Unser Land kann es sich gar nicht leisten, dass junge gut
ausgebildete Frauen keine Chance in ihrem Beruf mehr haben, wenn sie Kinder bekommen. Genauso wenig können wir es uns leisten, dass junge
Frauen auf Kinder verzichten, weil sie ihre Karriere an den Nagel
hängen müssen.
polinomics:
Gestatten Sie mir unter dem Gesichtspunkt "Von
Vorbildern lernen" eine persönliche Frage: Wie schaffen Sie
es, Familie und stressigen Politikeralltag unter einen Hut zu
bringen?
Ministerin
von der Leyen:
Im
Grunde geht es mir nicht viel anders als allen anderen Müttern
und Vätern die versuchen, Familie und Karriere miteinander zu
vereinbaren: An manchen Tagen klappt es besser, an manchen
schlechter. Das Pendeln zwischen dem Ministerium in Berlin und der
Familie in Hannover ist natürlich anstrengend. Ich nutze die
Fahrtzeit jedoch als leisen Zwang mir selbst gegenüber, zu
arbeiten. Was die Art der Termine angeht, sind meine Tage sehr
unterschiedlich. Eigentlich ist nur eines gleich: Ich arbeite viel
mit dem Telefon und dem Laptop – egal wo ich bin. Auf Reisen oder
zuhause – die Technik hilft enorm, weil ich nicht ständig im Büro
oder zuhause sein kann.
polinomics: Frau
Ministerin, herzlichen Dank
für das Interview.
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