7. Mai 1989 - Der Anfang vom Ende
In der DDR werden die Kommunalparlamente neu gewählt - und
das Ergebnis steht schon vorher fest. "Falten gehen" hieß
das im Volksmund. Der Zettel mit der feststehenden Kandidaten-
liste wurde ohne Benutzung der Wahlkabine gefaltet und in die
Wahlurne gesteckt. Nein-Stimmen kennt das DDR-Wahlrecht
nicht.
Doch die DDR-Bürgerrechtler können ihren ersten großen Erfolg für
sich verbuchen. Sie können nachweisen, dass zwischen den von
Ihnen in den Wahllokalen mitgezählten und den später offiziell
veröffentlichten Ergebnissen Differenzen bestehen. Das Ergebnis
war gefälscht!
Der Wahlbetrug spricht sich herum. Am 7. eines jeden Monats wurde
seitdem in Ost-Berlin und anderen Städten der DDR öffentlich
gegen die Wahlfälschung demonstriert.
Juli 1989 - Flucht über Ungarn
Westdeutsche Medien berichten von einer steigenden Fluchtwelle
von DDR-Bürgern über Ungarn in das benachbarte Österreich.
Anfangs nehmen die ungarischen Grenzposten die Flüchtlinge fest,
liefern sie aber immer seltener an die DDR-Staatssicherheit aus.
24. August 1989
Über 100 DDR-Bürger, die Zuflucht in der Budapester
Botschaft gefunden haben, werden über Österreich in die
Bundesrepublik ausgeflogen.
4. September 1989 - Wir sind das Volk
In Leipzig begannen die Montagsdemonstrationen, die sich an
die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche anschlossen, die
seit Mitte der 80er Jahre maßgeblich von den Pfarrern Christian Führer
und Christoph Wonneberger geleitet wurden. Hunderttausende DDR-Bürger
skandierten fortan Woche für Woche im ganzen Land die Worte
"Wir sind das Volk".
10. September 1989 - Ungarn öffnet die Grenze
Die ungarischen Grenzposten erhalten den Befehl, alle DDR-Bürger
an jedem nach eigenem Wunsch ausgewählten Grenzübergang
durchzulassen.
30. September 1989 - Bundesdeutsche Botschaft Prag
"Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute
Ihre Ausreise..." Außenminister Hans-Dietrich Genscher kann
die freudige Nachricht nicht vollenden. Fast 6.000 Flüchtlinge,
die schon seit Tagen das Gelände der bundesdeutschen Botschaft in
Prag bevölkern, brechen in einem unbändigen Jubel aus.
Die Botschaftsflüchtlinge bekommen ihre langersehnte
Ausreiseerlaubnis. Kurze Zeit später werden die DDR-Flüchtlinge
mit Sonderzügen von Prag in das bayerische Hof gebracht.
Unter der Bevölkerung der DDR verbreitet sich die Nachricht wie
ein Lauffeuer. Am 4. Oktober bevölkern schon wieder rund
5.000 Menschen das Prager Botschaftsgelände.
Ab November erlaubt die Tschechoslowakei eine direkte Ausreise der
Flüchtlinge.
7. Oktober 1989 - 40. Staatsjubiläum der DDR
Zehntausende DDR-Bürger demonstrieren am Rande des 40-jährigen
Staatsjubiläums der DDR für eine demokratische Erneuerung des Sozialismus.
Der sowjetische Staatschef Gorbatschow mahnt die DDR zu
grundlegenden Reformen. Gorbatschow wörtlich: "Wer zu spät
kommt, den bestraft das Leben."
18.
Oktober 1989
DDR-Staatschef Erich Honecker verliest im Zentralkomitee der
SED eine förmliche Rücktrittserklärung.
4. November 1989 - Die größte Protestveranstaltung der DDR
Über eine Millionen Menschen demonstrieren in Ost-Berlin bei
der größten Protestveranstaltung in der Geschichte der DDR.
9. November 1989 - Die Mauer ist offen
Am Abend des 9. November verlas SED-Funktionär und Mitglied
des Politbüros des ZK der SED, Günter Schabowski, im Rahmen einer internationalen
Pressekonferenz als Antwort auf die Frage des italienischen
Journalisten Riccardo Ehrmann die Nachricht über eine neue
Reiseregelung - das Ende der DDR.
Schabowski: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das
sofort ... unverzüglich."
Der Grenzübergang an der Bornholmer Straße war nach Günter
Schabowskis Pressekonferenz der erste Grenzübergang in Berlin.
12. November 1989 - Die Mauer wird abgebaut
Am Potsdamer Platz wurde ein Stück der Mauer entfernt und ein
provisorischer Grenzübergang geschaffen.