Seite drucken  

    
No. 11: Wir sind das Volk - 20 Jahre Mauerfall
 

Lesezeichen

 

Günter Schabowski im Gespräch mit Frank Sieren
Wir haben fast alles falsch gemacht

Rezensiert von Thomas Sommer


Mauerfall und Grenzöffnung - der Mann, der in einer folgenreichen Pressekonferenz am 9. November 1989 dieses historische Ereignis mit einer eher beiläufigen Bemerkung auslöste, rollt die Geschehnisse der letzten Tage der DDR noch einmal auf. 

Kein anderer SED-Spitzenfunktionär hat sich in den letzten 20 Jahren so deutlich zu seiner Mitverantwortung und moralischen Schuld bekannt.

Schon kurz nach der Wende lernte Frank Sieren Schabowski persönlich kennen. In seiner Berliner Wohnung schlug er ihm ein "Geschäft" vor: "Ihr erklärt mir, wie man mein neugekauftes Westregal zusammenbaut, und ich erzähle euch, wie die Bonzen in der DDR gelebt haben." Herausgekommen ist im Herbst 1990 das Buch "Eine Befragung". 

20 Jahre später nun ein weiterer Gesprächsband: Wir haben fast alles falsch gemacht. Schabowski ist inzwischen überzeugt, dass der Kommunismus sowjetischer Prägung und damit auch die DDR vom ersten Tag an nicht überlebensfähig war. Er gehört damit zu den wenigen ehemaligen Kadermitgliedern, die sich kritisch mit der eigenen Vergangenheit auseinandergesetzt haben. 

Schonungslos berichtet er im Gespräch mit Frank Sieren, wie engstirnig, bürokratisch und ideologisch verblendet die DDR-Führung dachte und handelte und welch abgrundtiefe Distanz zwischen Regierenden und Bürgern bestand. 

Eine gänzlich unsentimentale Bilanz eines Mannes, der darlegt, warum der Traum vom Sozialismus scheiterte, und gleichzeitig mit scharfem Blick des Außenseiters die Schwächen der westdeutschen Demokratie offengelegt.


Günter Schabowski im Gespräch mit Frank Sieren
Wir haben fast alles falsch gemacht
Die letzten Tage der DDR
288 Seiten - 19,90 EUR (D)
ISBN
978-3-430-30021-6