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No. 11: Wir sind das Volk - 20 Jahre Mauerfall
 

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Uwe Tellkamp
Der Turm

Rezensiert von Thomas Sommer


Der Turm, so lautet nicht nur der Titel des epochalen Romans von Uwe Tellkamp. Der Turm ist auch die Bezeichnung für ein Stadtviertel in Dresden, in dem der Roman spielt. Am besten erreicht man den Turm mittels der Standseilbahn.

Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. 

Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der "süßen Krankheit Gestern" der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze - oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der "roten Aristokratie" im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk "Ostrom", wo die Nomenklatur residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.

Uwe Tellkamp
Der Turm
Geschichte aus einem versunkenen Land
976 Seiten - 24,80 EUR (D)
ISBN
978-3-518-42020-1