Winter
im Sommer -
Frühling im Herbst
Rezensiert von Thomas
Sommer
Joachim
Gauck verlebte seine Kindheit in einem Dorf an der Ostseeküste.
Später studierte er Theologie in Rostock und fand seinen Weg in
die Kirche in Mecklenburg.
Distanz zum DDR-System prägte seine Tätigkeit von Anfang an. Wie
selbstverständlich wurde er Teil einer kritischen Bewegung und
schließlich zu einer Symbolfigur im Umbruch von 1989.
Nach dem Mauerfall übernahm Gauck politische Verantwortung, er
wurde Abgeordneter im ersten freien Parlament der DDR und erster
Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Im Kampf gegen das
Vergessen und Verdrängen blieb für den Redner und Kommentator
Gauck das große Thema, auch als er nach zehn Jahren aus dem Amt
ausschied.
Zu seinem 70. Geburtstag hat Joachim Gauck seine Erinnerungen
aufgeschrieben. Ihm ist ein gleichermaßen politisches wie
emotional berührendes Buch gelungen, in dem er in klaren Bildern
dir traumatisierende Erfahrung der Unfreiheit und das beglückende
Erlebnis der Freiheit nachzeichnet und den schwierigen Übergang
von erzwungener Ohnmacht zu einem selbstbestimmten Leben
beschreibt.
Als Akteur von damals ist nicht der Fall der Mauer das zentrale
Ereignis. Vielmehr sei ohne den 7. Oktober in Plauen, die
Montagsdemonstrationen und insbesondere den 9. Oktober in Leipzig
der 9. November nicht möglich gewesen. "Die Mauer fiel erst,
als ihre Bauherren fielen. Vor der Einheit kam die Freiheit."
Der Autor
Joachim
Gauck, geboren am 24. Januar 1940 in Rostock,
war
von 1990 bis 2000 Bundesbeauftragter für die
Unterlagen
der Staatssicherheit. Seit 2003 ist er Vorsitzender
des
Vereins "Gegen
das Vergessen - Für Demokratie".
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