polinomics - No. 11: Wir sind das Volk - 20 Jahre Mauerfall / Lesezeichen
Kopfzeilenfoto  
No. 11: Wir sind das Volk - 20 Jahre Mauerfall  
   
 

 




Editorial
Interview mit Katrin Göring-Eckardt
Die Ereignisse im Zeitraffer
Zahlen, Daten, Fakten
Der israelische Sicherheitszaun
Lesezeichen
----
Zur Druckversion | Versenden | Leserbrief
----

Lesezeichen


Meine DDR 
 



Rezensiert von Thomas Sommer


 

 

 

 

 

 

 

 

Florian Huber

Meine DDR
Leben im anderen Deutschland

288 Seiten · 19,90 €  (D)
ISBN 978-3-87134-615-6

 

Was war die DDR? Wie funktionierte das Leben in der sozialistischen Diktatur? Wie sah der Alltag der Menschen aus? Florian Hubers Buch "Meine DDR. Leben im anderen Deutschland" öffnet Fenster, Fenster zum DDR-Alltag. Dabei streift er wichtige Wegmarken von den Anfängen des Arbeiter- und Bauernstaates bis hin zu ihrem unblutigen Ende.

Der Leser lernt Martin Bauer kennen, der als Kind mit seiner Familie am 4. Juni 1952 aus dem thüringischen Streufdorf zwangsausgesiedelt wurde. "Aktion Ungeziefer", so lautete das Codewort dieser gewaltsamen Räumung des Landes von der 8.331 DDR-Bürger aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg betroffen waren. Sie alle waren der Regierung, die die Zonengrenze zur Sperrzone ausbauen wollte, schlicht im Weg.

Hagen Koch, Gefreiter im Wachregiment "Feliks Dzierzynski", wollte seinen dienstfreien Sonntag eigentlich mit seiner Frau verbringen, als er - wie alle anderen - am 13. August 1961 vom Bau der Mauer überrascht wurde. Der Mauerbau brachte Dorothea und Axel Bertram hingegen unverhofftes Glück. In einem Neubau standen auf einem Schlag die Hälfte der Wohnungen leer. Sie konnten in die Wohnung eines Republikflüchtlings ziehen. 

Die Frauen, die beim VEB Halloren Süßwaren die DDR-Volkspraline "Original Hallorenkugel" herstellten und einmal im Monat einen Haushaltstag einlegen konnten, um die liegengebliebenen Wäscheberge abzuarbeiten oder einen Frühjahrsputz zu machen, konnten mit ihren Familien seit Mitte der 70er Jahre auf eine eigene Wohnung hoffen. Viele hausten bis zu Honeckers umfangreichem Wohnungsbauprogramm aus dem Jahr 1973 in Wohnungen aus der Vorkriegszeit. Weniger als die Hälfte von ihnen hatte weder eine eigene Toilette noch ein eigenes Bad. Der Plattenbau wurde zum wichtigsten Bautyp.

Wer das Leben in der DDR verstehen will, dem sei Florian Hubers Buch wärmstens empfohlen.


  Der Autor

 
Florian Huber, geboren 1967 in Nürnberg, ist promovierter 
 Historiker und arbeitete von 1998 bis 2006 als Redakteur und 
 Regisseur beim NDR-Fernsehen. Er ist Autor zahlreicher 
 Dokumentarfilme, unter anderem von "Der Bombenkrieg" 
 (ARD, 2004) und "Wenn Tote stören. Vom Sterben an der 
 Mauer" (ARD, 2007).
 

 

Diesen Artikel Bookmarken            Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen    Webnews

Bitte vergewissern Sie sich, dass Sie JavaScript aktiviert haben!
 


 

© Thomas Sommer 2006 - 2009