Was
war die DDR? Wie funktionierte das Leben in der sozialistischen
Diktatur? Wie sah der Alltag der Menschen aus? Florian Hubers Buch
"Meine DDR. Leben im anderen Deutschland" öffnet
Fenster, Fenster zum DDR-Alltag. Dabei streift er wichtige
Wegmarken von den Anfängen des Arbeiter- und Bauernstaates bis
hin zu ihrem unblutigen Ende.
Der Leser lernt Martin Bauer kennen, der als Kind mit seiner
Familie am 4. Juni 1952 aus dem thüringischen Streufdorf zwangsausgesiedelt wurde.
"Aktion Ungeziefer", so lautete das Codewort dieser
gewaltsamen Räumung des Landes von der 8.331 DDR-Bürger aus Thüringen,
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg betroffen waren. Sie alle
waren der Regierung, die die Zonengrenze zur Sperrzone ausbauen
wollte, schlicht im Weg.
Hagen Koch, Gefreiter im Wachregiment "Feliks Dzierzynski",
wollte seinen dienstfreien Sonntag eigentlich mit seiner Frau
verbringen, als er - wie alle anderen - am 13. August 1961 vom
Bau der Mauer überrascht wurde. Der Mauerbau brachte Dorothea
und Axel Bertram hingegen unverhofftes Glück. In einem Neubau
standen auf einem Schlag die Hälfte der Wohnungen leer. Sie
konnten in die Wohnung eines Republikflüchtlings ziehen.
Die Frauen, die beim VEB Halloren Süßwaren die DDR-Volkspraline
"Original Hallorenkugel" herstellten und einmal im Monat
einen Haushaltstag einlegen konnten, um die liegengebliebenen Wäscheberge
abzuarbeiten oder einen Frühjahrsputz zu machen, konnten mit
ihren Familien seit Mitte der 70er Jahre auf eine eigene Wohnung
hoffen. Viele hausten bis zu Honeckers umfangreichem
Wohnungsbauprogramm aus dem Jahr 1973 in Wohnungen aus der
Vorkriegszeit. Weniger als die Hälfte von ihnen hatte weder eine
eigene Toilette noch ein eigenes Bad. Der Plattenbau wurde zum
wichtigsten Bautyp.
Wer das Leben in der DDR verstehen will, dem sei Florian Hubers
Buch wärmstens empfohlen.
Der Autor
Florian
Huber, geboren 1967 in Nürnberg, ist
promovierter
Historiker und arbeitete von 1998 bis 2006 als
Redakteur und
Regisseur beim NDR-Fernsehen. Er ist Autor
zahlreicher
Dokumentarfilme, unter anderem von "Der
Bombenkrieg"
(ARD, 2004) und "Wenn Tote stören. Vom
Sterben an der
Mauer" (ARD, 2007).
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