Der
Turm,
so lautet nicht nur der Titel des epochalen Romans von Uwe
Tellkamp. Der Turm ist auch die Bezeichnung für ein
Stadtviertel in Dresden, in dem der Roman spielt. Abgeschieden ist
der Turm schon immer gewesen. Fast wie ein Biotop. Denn am besten
erreicht man den Turm mittels der Standseilbahn.
Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner
Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit
Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber
humorvoll kommentiert man den Niedergang eines
Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht
vorgesehen sind.
Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg,
stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man
den Zumutungen des Systems in der Nische, der "süßen Krankheit
Gestern" der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards
Cousin Niklas Tietze - oder ist der Zeitpunkt gekommen, die
Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin
studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren.
Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu
enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind
der "roten Aristokratie" im Moskauer Exil hat er Zugang zum
seltsamen Bezirk "Ostrom", wo die Nomenklatur residiert, die
Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches
demokratisches Recht gesprochen wird.
Der Autor
Uwe
Tellkamp, geboren 1968 in Dresden, arbeitete nach
dem
Studium in Leipzig, New York und Dresden als
Arzt und lebt
nun als Schriftsteller in Freiburg. 2004 gewann
er den
Ingeborg-Bachmann-Preis, 2005 erschien sein
Roman "Der
Eisvogel".
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