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Was
haben Sandy Van Den Borne aus Belgien, Liliana Martinez aus Mexiko
und Russel Taylor aus dem französischen Mougins gemeinsam? Sie alle
haben sich einen Traum erfüllt und lernen von zu Hause aus an den
Top-Universitäten der Welt – und das meist völlig kostenfrei. Das
Internet macht es möglich.
Sandy Van Den Borne arbeitet in Antwerpen als Informatikerin,
einem Beruf, in dem sich das Wissen fast täglich ändert und die
ständige Weiterbildung einfach zum Berufsbild gehört. „Doch oft
wollen die Unternehmen nicht für die Schulungen bezahlen“, so Van
Den Borne. Mit dem Online-Angebot der Online-Lernplattform →edx.org
habe sie nun selbst die volle Kontrolle über ihr eigenes
Studien-Programm. Bisher hat die zweifache Mutter zwei Zertifikate
der University of California, Berkeley erhalten. Nie habe sie sich
vorstellen können, an dieser Universität studieren zu dürfen. Das
wäre einfach zu teuer gewesen. Van Den Borne: „Ein Traum ist wahr
geworden.“
Gegründet wurde die virtuelle Hochschule edx.org
im Mai 2012 von zwei der wohl renommiertesten Hochschulen der Welt:
Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). Aber
auch die anderen teilnehmenden 31 Universitäten lesen sich wie das
aktuelle „Who is Who“ der Bildungselite. Sie alle wollen dabei sein,
wenn die Art und Weise wie wir in Zukunft lernen, neu geschrieben
wird. Und der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben. Rund 1,8
Millionen Studenten aus der ganzen Welt haben bisher einen oder
gleich mehrere der angebotenen edx-Kurse besucht – und täglich
werden es mehr. Vernetzt sind die Studenten durch spezielle
Online-Foren und Diskussionsrunden und bilden so eine Art weltweites
virtuelles Klassenzimmer.
MOOCs als
bildungspolitischer Idealzustand
Möglich gemacht wird dies durch die so genannten MOOCs (Massive
Open Online Courses). Kurse, die in den meisten Fällen per
Videoübertragung eine erhebliche (massive) Zahl von Teilnehmern
erreichen, deren Teilnahme an keine Voraussetzungen (Vorbildungen)
geknüpft, überwiegend gebührenfrei sind und online angeboten werden.
Ein entscheidender Vorteil der MOOCs ist, das sie beliebig häufig
aufgerufen werden können und an keine vorgegebenen Zeiten geknüpft
sind. Das macht diese Art des Lernens besonders für Berufstätige so
attraktiv. Die Kurseinheiten werden durch Kontrollfragen
unterbrochen, die für eine erfolgreiche Teilnahme beantworten werden
müssen. Abgerundet werden die Kurse schließlich von
Diskussionsforen, die in den meisten Fällen durch Online-Tutoren
betreut werden, und in denen die Studierenden untereinander online
interagieren, aufkommende Fragestellungen diskutieren und sich Tipps
geben. MOOCs stellen damit die Realisierung eines
bildungspolitischen Idealzustands einer chancengerechten Welt dar,
in der übliche Bildungsschranken ganz einfach überwunden werden
können.
Die Euphorie der MOOC-Befürworter ist groß. Es gibt
aber ebenso kritische Stimmen. Einer der wichtigsten Kritikpunkte
ist: Da Studierende für die Kurse kein Geld zahlen, können die
Anbieter folglich auch nichts mit ihnen verdienen. Wie lange lässt
sich also ein qualitativ hochwertiges Programm im Bildungsmarkt
halten?
Die deutsche Antwort: iversity.org
Eine erste Antwort bietet die von den zwei ehemaligen
deutschen Studenten Jonas Liepmann und Hannes Klöpper gegründete
Plattform für universitäre Online-Lehre iversity.org.
Im
polinomics-Interview sagt iversity-Geschäftsführer Klöpper, dessen
Angebot nach eigenen Angaben bereits mehr als 630.000
Kursanmeldungen verzeichnen kann, dass mit iversity.org durchaus
bereits Geld verdient werde. Die Lösung: "Wir setzen auf bezahlte
Zertifikate, die die Teilnehmer im Anschluss an die kostenlosen
Kurse und nach einer Abschlussprüfung erwerben können." Die Gebühren
für ein solches Zertifikat betragen zwischen 49 und 149 Euro. Ein im
(Weiter-)Bildungsbereich nach wie vor sehr gutes Angebot, dass bei
gleichzeitigem Qualitätserhalt der Kurse von den Teilnehmern zu
verkraften sein wird.
Ein weiterer Vorteil, den bisher nur
iversity.org bietet, ist, dass die Teilnehmer bei einigen Kursen
Leistungspunkte nach dem ECTS-System erwerben können. Diese Punkte
können dann für das Studium an einer traditionellen Hochschule
angerechnet werden. Und wer kein Zertifikat und keine
Leistungspunkte für das Studium benötigt, kann auch weiterhin alle
Kurse nach bester MOOC-Manier kostenfrei per Video-Stream verfolgen.
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