Sandy Van Den Borne arbeitet in Antwerpen als Informatikerin,
einem Beruf, in dem sich das Wissen fast täglich ändert und die
ständige Weiterbildung einfach zum Berufsbild gehört. „Doch oft
wollen die Unternehmen nicht für die Schulungen bezahlen“, so
Van Den Borne. Mit dem Online-Angebot der Online-Lernplattform
→edx.org habe sie nun
selbst die volle Kontrolle über ihr eigenes Studien-Programm.
Bisher hat die zweifache Mutter zwei Zertifikate der
University of California, Berkeley erhalten. Nie habe sie sich
vorstellen können, an dieser Universität studieren zu dürfen.
Das wäre einfach zu teuer gewesen. Van Den Borne: „Ein Traum ist
wahr geworden.“
Gegründet wurde die virtuelle Hochschule
edx.org im Mai 2012 von zwei der wohl renommiertesten
Hochschulen der Welt: Harvard und dem Massachusetts Institute of
Technology (MIT). Aber auch die anderen teilnehmenden 31
Universitäten lesen sich wie das aktuelle „Who is Who“ der
Bildungselite. Sie alle wollen dabei sein, wenn die Art und
Weise wie wir in Zukunft lernen, neu geschrieben wird. Und der
Erfolg scheint ihnen Recht zu geben. Rund 1,8 Millionen
Studenten aus der ganzen Welt haben bisher einen oder gleich mehrere
der angebotenen edx-Kurse besucht – und täglich werden es mehr.
Vernetzt sind die Studenten durch spezielle Online-Foren und
Diskussionsrunden und bilden so eine Art weltweites virtuelles
Klassenzimmer.
MOOCs als bildungspolitischer
Idealzustand
Möglich gemacht wird dies durch die so genannten MOOCs
(Massive Open Online Courses). Kurse, die in den meisten Fällen
per Videoübertragung eine erhebliche (massive) Zahl von
Teilnehmern erreichen, deren Teilnahme an keine Voraussetzungen
(Vorbildungen) geknüpft, überwiegend gebührenfrei sind und
online angeboten werden. Ein entscheidender Vorteil der MOOCs
ist, das sie beliebig häufig aufgerufen werden können und an
keine vorgegebenen Zeiten geknüpft sind. Das macht diese Art des
Lernens besonders für Berufstätige so attraktiv. Die
Kurseinheiten werden durch Kontrollfragen unterbrochen, die für
eine erfolgreiche Teilnahme beantworten werden müssen. Abgerundet
werden die Kurse schließlich von Diskussionsforen, die in den
meisten Fällen durch Online-Tutoren betreut werden, und in denen
die Studierenden untereinander online interagieren, aufkommende
Fragestellungen diskutieren und sich Tipps geben. MOOCs stellen
damit die Realisierung eines bildungspolitischen Idealzustands
einer chancengerechten Welt dar, in der übliche Bildungsschranken
ganz einfach überwunden werden können.
Die Euphorie der
MOOC-Befürworter ist groß. Es gibt aber ebenso kritische
Stimmen. Einer der wichtigsten Kritikpunkte ist: Da
Studierende für die Kurse kein Geld zahlen, können die Anbieter folglich auch nichts mit ihnen verdienen. Wie lange lässt sich
also ein qualitativ hochwertiges Programm im Bildungsmarkt
halten?
Die deutsche Antwort: iversity.org
Eine erste Antwort bietet die von den zwei ehemaligen
deutschen Studenten Jonas Liepmann und Hannes Klöpper gegründete
Plattform für universitäre Online-Lehre
→iversity.org.
Im
→polinomics-Interview
sagt iversity-Geschäftsführer Klöpper, dessen Angebot nach
eigenen Angaben bereits mehr als 630.000 Kursanmeldungen
verzeichnen kann, dass mit iversity.org durchaus bereits Geld
verdient werde. Die Lösung: "Wir setzen auf bezahlte
Zertifikate, die die Teilnehmer im Anschluss an die kostenlosen
Kurse und nach einer Abschlussprüfung erwerben können." Die
Gebühren für ein solches Zertifikat betragen zwischen 49 und 149
Euro. Ein im (Weiter-)Bildungsbereich nach wie vor sehr gutes
Angebot, dass bei gleichzeitigem Qualitätserhalt der Kurse von
den Teilnehmern zu verkraften sein wird.
Ein weiterer
Vorteil, den bisher nur iversity.org bietet, ist, dass die
Teilnehmer bei einigen Kursen Leistungspunkte nach dem
ECTS-System erwerben können. Diese Punkte können dann für das
Studium an einer traditionellen Hochschule angerechnet werden.
Und wer kein Zertifikat und keine Leistungspunkte für das
Studium benötigt, kann auch weiterhin alle Kurse nach bester
MOOC-Manier kostenfrei per Video-Stream verfolgen.