polinomics - No. 13: Das globale Klassenzimmer / Bildung
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No. 13: Das globale Klassenzimmer  
   


 




Editorial
Interview mit Hannes Klöpper
Harvard ist nur ein Klick entfernt
Die wichtigsten Lernplattformen
5 Schritte für ein erfolgreiches E-Learning
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Bildung
Juni 2014


Harvard ist nur ein Klick entfernt

Was haben Sandy Van Den Borne aus Belgien, Liliana Martinez aus Mexiko und Russel Taylor aus dem französischen Mougins gemeinsam? Sie alle haben sich einen Traum erfüllt und lernen von zu Hause aus an den Top-Universitäten der Welt – und das meist völlig kostenfrei. Das Internet macht es möglich.

Von Thomas Sommer


Foto: Thomas Sommer

            

 

Sandy Van Den Borne arbeitet in Antwerpen als Informatikerin, einem Beruf, in dem sich das Wissen fast täglich ändert und die ständige Weiterbildung einfach zum Berufsbild gehört. „Doch oft wollen die Unternehmen nicht für die Schulungen bezahlen“, so Van Den Borne. Mit dem Online-Angebot der Online-Lernplattform →edx.org habe sie nun selbst die volle Kontrolle über ihr eigenes Studien-Programm. Bisher hat die zweifache Mutter zwei Zertifikate der University of California, Berkeley erhalten. Nie habe sie sich vorstellen können, an dieser Universität studieren zu dürfen. Das wäre einfach zu teuer gewesen. Van Den Borne: „Ein Traum ist wahr geworden.“

Gegründet wurde die virtuelle Hochschule edx.org im Mai 2012 von zwei der wohl renommiertesten Hochschulen der Welt: Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). Aber auch die anderen teilnehmenden 31 Universitäten lesen sich wie das aktuelle „Who is Who“ der Bildungselite. Sie alle wollen dabei sein, wenn die Art und Weise wie wir in Zukunft lernen, neu geschrieben wird. Und der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben. Rund 1,8 Millionen Studenten aus der ganzen Welt haben bisher einen oder gleich mehrere der angebotenen edx-Kurse besucht – und täglich werden es mehr. Vernetzt sind die Studenten durch spezielle Online-Foren und Diskussionsrunden und bilden so eine Art weltweites virtuelles Klassenzimmer.

MOOCs als bildungspolitischer Idealzustand

Möglich gemacht wird dies durch die so genannten MOOCs (Massive Open Online Courses). Kurse, die in den meisten Fällen per Videoübertragung eine erhebliche (massive) Zahl von Teilnehmern erreichen, deren Teilnahme an keine Voraussetzungen (Vorbildungen) geknüpft, überwiegend gebührenfrei sind und online angeboten werden. Ein entscheidender Vorteil der MOOCs ist, das sie beliebig häufig aufgerufen werden können und an keine vorgegebenen Zeiten geknüpft sind. Das macht diese Art des Lernens besonders für Berufstätige so attraktiv. Die Kurseinheiten werden durch Kontrollfragen unterbrochen, die für eine erfolgreiche Teilnahme beantworten werden müssen. Abgerundet werden die Kurse schließlich von Diskussionsforen, die in den meisten Fällen durch Online-Tutoren betreut werden, und in denen die Studierenden untereinander online interagieren, aufkommende Fragestellungen diskutieren und sich Tipps geben. MOOCs stellen damit die Realisierung eines bildungspolitischen Idealzustands einer chancengerechten Welt dar, in der übliche Bildungsschranken ganz einfach überwunden werden können.

Die Euphorie der MOOC-Befürworter ist groß. Es gibt aber ebenso kritische Stimmen. Einer der wichtigsten Kritikpunkte ist: Da Studierende für die Kurse kein Geld zahlen, können die Anbieter folglich auch nichts mit ihnen verdienen. Wie lange lässt sich also ein qualitativ hochwertiges Programm im Bildungsmarkt halten?

Die deutsche Antwort: iversity.org

Eine erste Antwort bietet die von den zwei ehemaligen deutschen Studenten Jonas Liepmann und Hannes Klöpper gegründete Plattform für universitäre Online-Lehre →iversity.org.

Im →polinomics-Interview sagt iversity-Geschäftsführer Klöpper, dessen Angebot nach eigenen Angaben bereits mehr als 630.000 Kursanmeldungen verzeichnen kann, dass mit iversity.org durchaus bereits Geld verdient werde. Die Lösung: "Wir setzen auf bezahlte Zertifikate, die die Teilnehmer im Anschluss an die kostenlosen Kurse und nach einer Abschlussprüfung erwerben können." Die Gebühren für ein solches Zertifikat betragen zwischen 49 und 149 Euro. Ein im (Weiter-)Bildungsbereich nach wie vor sehr gutes Angebot, dass bei gleichzeitigem Qualitätserhalt der Kurse von den Teilnehmern zu verkraften sein wird.

Ein weiterer Vorteil, den bisher nur iversity.org bietet, ist, dass die Teilnehmer bei einigen Kursen Leistungspunkte nach dem ECTS-System erwerben können. Diese Punkte können dann für das Studium an einer traditionellen Hochschule angerechnet werden. Und wer kein Zertifikat und keine Leistungspunkte für das Studium benötigt, kann auch weiterhin alle Kurse nach bester MOOC-Manier kostenfrei per Video-Stream verfolgen.

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© Thomas Sommer 2006 - 2014