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HANNES KLÖPPER IM INTERVIEW Juni 2014
Die Nachfrage nach Studienangeboten im Netz ist sehr groß
Hannes Klöpper ist Geschäftsführer und Mitgründer von
→iversity.org.
Einer Plattform für universitäre Online-Lehre, die mittels
so genannter
Massive Open Online Courses (→MOOCs)
Wissbegierigen auf der ganzen Welt Zugang zu hochwertigen
Bildungsangeboten bietet. Am Ende des Kurses gibt es eine
Teilnahmebescheinigung - kostenlos! Wer ein benotetes Zertifikat haben
will, muss an einer Abschlussprüfung teilnehmen. Die kostet dann
zwischen 49 und 149 Euro. Vergleichbare Zertifikate sind meistens
bedeutend teurer.
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Screenshot iversity.org
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polinomics:
Nur vier Monate nach der Gründung von iversity im Oktober 2013 konnten Sie im Februar 2014 verkünden, bald die 500.000er Marke bei den Kursanmeldungen zu schneiden. Ist die halbe Million nun voll?
Hannes Klöpper:
Diese Marke haben wir mit derzeit 630.000 Kursanmeldungen schon deutlich überschritten! Einige unserer Nutzer schreiben sich aber in mehreren Kursen ein. In Bezug auf die eingeschriebenen Nutzer (Unique Users) stehen wir daher bei 430.000 – Tendenz weiter steigend.
polinomics:
Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
 | Foto:
Mareike Müller
Hannes Klöpper
"Wir setzen auf bezahlte Zertifikate, die die
Teilnehmer im Anschluss an die kostenlosen
Kurse und nach einer Abschlss-prüfung erwerben
können." |
Hannes
Klöpper:
Die Gunst der Stunde
scheint auf unserer Seite zu sein. Mit unseren MOOCs
rennen wir offene Türen ein, denn die Nachfrage nach
Studien- angeboten im Netz ist offensichtlich
sehr groß – und das weltweit. Den Wert von Bildung
muss man außerdem niemandem erklären. Dass Bildung
relevant ist – und zwar sowohl zur Aneignung
nützlicher Fähigkeiten als auch als Mittel zur
Persönlichkeitsentfaltung –, versteht sich
kulturübergreifend von selbst. Hinzu kommt: Es ist
eine Generation von Studierenden herangewachsen, die
mit Online- Angeboten groß geworden ist. Diese
Generation findet es unverständlich, dass die
Universitäten ihnen bisher kaum Angebote im Netz
machen. Die angesprochene “Gunst der Stunde” betrifft aber auch unser Verhältnis zu den Universitäten. Dort hat ein Umdenken eingesetzt und
digitale Angebote werden dort zunehmend ernst
genommen.
polinomics:
Wer gehört zu Ihrer Zielgruppe? Gibt es die eigentlich bei einem offenen Internet-Bildungsangebot?
Hannes Klöpper:
Wir erreichen ganz unterschiedliche Zielgruppen: Die Fachgemeinde der
Architekten, die in dem Kurs “Designing Resilient Schools”
wirbelsturmsichere Schulgebäude für die vom Taifun betroffenen
Regionen auf den Philippinen entworfen hat. Das ältere Ehepaar
aus den Niederlanden, das seine Passion für zeitgenössisches
Design entdeckt hat. Aber auch Studierende aus dem ländlich
geprägten Hochland Nepals, die ohne Angebote wie das von
iversity überhaupt keinen Zugang zu universitärer Bildung
hätten. Aber natürlich finden Sie bei uns auch die deutsche
Studentin von nebenan. Unsere Nutzerschaft ist also sehr
heterogen – und genau das macht das gemeinsame Lernen in MOOCs
so spannend.
polinomics:
Haben die klassischen Präsenz-Universitäten und Fachhochschulen
damit ausgedient?
Hannes Klöpper:
Dies ist ein hartnäckiges Vorurteil, das durch häufige Nennung nicht
wahrer wird. Man sehe sich unser Geschäftsmodell an: Wir
kooperieren mit Universitäten, um deren Hochschulkurse auf
unserer Plattform der ganzen Welt verfügbar zu machen. iversity
hat also das größte Interesse, dass es Universitäten weiterhin
gibt, denn ohne sie müssten wir die Kursinhalte komplett selbst
erstellen. Da ist es doch ratsamer, auf die Expertise der
Hochschulen zurückzugreifen. Im Gegenzug können die
Universitäten über unsere Plattform ganz neue Nutzergruppen
erreichen, so z.B. interessierte Menschen ohne Abitur, solche,
die sich neben dem Beruf weiterbilden wollen, aber auch Senioren
sowie Menschen, die in ländlichen Räumen leben und keinen Zugang
zu einer Hochschule haben. Um die Unis müssen wir uns also keine
Sorgen machen: Sie sind neben der katholischen Kirche diejenigen
Institutionen, die überhaupt am längsten bestehen. Mit MOOCs
können diese ihre Reichweite sogar noch erhöhen.
Ein
weiterer Aspekt ist: Lernen ist grundsätzlich ein interaktiver
Prozess. Wer eine Uni besucht hat, der weiß: Der persönliche,
physische Kontakt mit den Kommilitonen – sei es im Seminarraum
oder in langen Nächten bei Wein und philosophischen
Tischgesprächen – ist nicht zu ersetzen, denn dabei entstehen
über den gedanklichen Austausch unter Gleichen hinaus häufig
Freundschaften fürs Leben. MOOCs können das nicht ersetzen.
Wir experimentieren jedoch mit Möglichkeiten, solche
Interaktionen zwischen Teilnehmern, die über den ganzen Globus
verstreut sind, in unseren Diskussionsforen abzubilden. Überdies
ermutigen wir unsere Studierenden, lokale Lerngruppen zu bilden
und sich dort zu treffen, wo sie leben. In dem bereits genannten
Kurs “Design 101” zum zeitgenössischen Design haben Lehrende und
Studierende gemeinsam eine Ausstellung in Berlin konzipiert, bei
der sie ihre Kunstwerke ausgestellt haben, nachdem sie sich
zuvor online über ihre Werke ausgetauscht und diese immer weiter
verbessert haben.
Kurz gesagt: Nein, die Hochschulen
werden so bald nicht überflüssig werden – zumindest nicht durch
MOOCs.
polinomics:
Mal ehrlich, kann man mit
einem Bildungsangebot wie iversity eigentlich Geld verdienen?
Hannes Klöpper:
Wir verdienen damit ja schon Geld! Bisher eher experimentell in einigen wenigen Kursen, aber unser Geschäftsmodell ist klar: wir setzen auf bezahlte Zertifikate, die die Teilnehmer im Anschluss an die kostenlosen Kurse und nach einer Abschlussprüfung erwerben können. Wir wollen noch keine Zahlen nennen, aber so viel sei gesagt: Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend.
polinomics:
Herr Klöpper, vielen Dank für
das Gespräch.
Die Fragen stellte Thomas Sommer
Zur Person:
Hannes Klöpper
ist Mitgründer und Geschäftsführer von iversity.org.
Er besitzt einen dualen Master in Public Administration
von der Columbia University und der Hertie School
of Governance in Berlin. Zuvor hat Klöpper ein Bacherlorstudium
im Bereich Internationale Beziehungen an der
Technischen Universität Dresden absolviert. Von 2010
bis 2011 arbeitete er als Associate bei der Stiftung Neue
Verantwortung an einem Projekt, das den Einfluss der Digitalisierung
auf die Bildung untersucht hat. 2013 wurde Klöpper
in das Sounding Board "Communication of Open- Science"
der Max-Planck-Gesellschaft und in die Jury der OpenEducation
Challange berufen.
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Bisher sind folgende Interviews bei polinomics
erschienen:
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Hans-Gert Pöttering
"Frieden, Freiheit und Demokratie sind keine
Selbstverständlichkeit"
-
Katrin Göring-Eckardt
"Freiheit war doch mehr als Reisefreiheit"
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abgefahren"
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Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker
"Klimaschutz ist eine Langfristaufgabe"
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VdK-Präsident Walter Hirrlinger
"Der Sozialstaat darf nicht kaputt gespart werden"
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Bundesbildungsministerin Annette Schavan
"Mir ist nicht bange um das Land der Dichter und Denker"
- Prof.
Dr. Tilman Mayer
"Politik muss mit der Zeit gehen"
- Pater
Anselm Grün
Wer andere führt, muss sich selbst gut führen
- Silvana
Koch-Mehrin
Europa möchte endlich Taten sehen
- Christian
Sommer, General Manager German Centre Shanghai
German Centre Shanghai
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