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| Editorial |
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Thomas Sommer,
Herausgeber und
Chefredakteur |
Es ist schon erstaunlich, wie selbstverständlich Millionen
von Facebook-Nutzern (und Nutzern anderer Dienste aus dem Bereich
"Social Network") persönliche Kontakte, hunderte von Fotos,
Privatadressen, Telefonnummern und selbst ihren aktuellen
Beziehungsstatus freiwillig und völlig unbedacht ins Netz stellen.
Jeder kann es mitlesen - es sei denn, man ändert schnell die
Voreinstellungen der ach so fürsorglichen Betreiber und ist nur
noch für seine 100 besten Freunde (!) sichtbar. Da passt sogar die
offenherzige Bekundung von Stasi-Chef Erich Mielke irgendwie wieder
ins Bild: "Ich liebe doch alle." Und überhaupt, was hätte die
Staatssicherheit der DDR mit einem solch mächtigen Instrument alles
anstellen können? Statt abertausende von inoffiziellen Mitarbeitern
(IMs) hätte schon eine kleine Gruppe von IT-Fachkräften ausgereicht,
die einfach die Facebook-Einträge ihrer Bürger in Echtzeit
mitlesen. Von wegen Duftproben sammeln und Protokolle schreiben,
wenn die Nachbarn Westbesuch von Tante Erna bekommen.
Aber
warum in der Vergangenheit schwelgen? Der größte Daten-Sammler von
staatlicher Seite ist einer unserer engsten Verbündeten, die USA,
expliziet die NSA (National Security Agency). Klar hat Frau Merkel
recht, als sie sagte: "Ausspähen unter Freunden - das geht gar
nicht." Aber warum eigentlich nicht? Unser eigener Staat darf uns
doch auch alle ausspähen. Oder wie anders sollte man die Aussage vom
ehemaligen Innenminister Hans-Peter Friedrich verstehen: "Natürlich
brauchen wir elektronischen Fußfesseln für alle. Wer nichts zu
verbergen hat, kann dem Staat doch ruhig sagen, wo er hingeht,
oder?"
Ach, das ist doch irgendwie alles ganz schön
kompliziert. Selbst der Kanzlerin - einer studierten Physikerin -
ist das Internet und alles, was damit zusammenhängt, scheinbar
nicht geheuer, ja sogar Neuland. Wie soll ich da
als kleiner Staatsbürger und Facebook-WhatsApp-Google-Nutzer
handeln? Und überhaupt, es machen doch alle und zu verbergen habe
ich doch auch nichts, oder?
Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen wie immer
Thomas Sommer
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