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Editorial
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Watch Dogs: Ein Blick in die Zukunft
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Big Data
September 2014


Watch Dogs: Ein Blick in die Zukunft

Fakt ist: Jeder hinterlässt einen digitalen Schatten. Bereits 2009 hat Eric Schmidt, ehemaliger CEO von Google und heutiger Google-Verwaltungsratschef, in einem bahnbrechenden Interview mit dem US-Fernsehsender NBC gesagt: "Wenn Sie etwas tun, was niemand wissen sollte, sollten Sie es lieber gleich bleiben lassen." Und zu dieser Zeit hat noch niemand an eine flächendeckende Überwachung durch die Geheimdienste gedacht. Wohin das führen kann, zeigt das Spiel Watch Dogs auf eindrucksvolle Weise. 

Von Thomas Sommer


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 Foto: Koelnmesse (gamescom)

Wir verbinden uns mit unseren Freunden über soziale Netzwerke. Wir kaufen im Internet ein und bezahlen virtuell - und dank ApplePay und ähnlicher Systeme selbst in der "realen" Welt bald vielleicht ganz ohne Bargeld. Was wir hier jeden Tag hinterlassen, nennt die emeritierte Harvard-Professorin Soshana Zuboff Datenabgase (data exhaust). Und diese Abgase werden immer mehr. Aber nicht nur die Menschen sind untereinander vernetzt. Durch das Internet der Dinge sind selbst unsere Wohnungen verbunden, können Küchenmaschinen auch von außerhalb an- und ausgeschaltet werden.

In dem Spiel Watch Dogs, das seit diesem Jahr für PC und Spielekonsolen erhältlich ist, nennt sich das System der totalen Überwachung Central Operating System (ctOS). Es kontrolliert den größten Teil der Technologie der virtuell nachgebauten Stadt Chicago und verfügt über zahlreiche Informationen eines jeden Einwohners. Ich spiele Aden Pearce, einen begnadeten Hacker, dessen kriminelle Vergangenheit zu einer blutigen Familientragödie führte. Eigentliches Ziel des neuesten Open-World-Titels der Software-Schmiede UbiSoft ist die Jagd nach den Leuten, die Leid über mein virtuelles Ich gebracht haben. Ich selbst versuche mich jedoch in der völlig gewaltfreien Variante und erkunde lieber die Stadt und die Möglichkeiten, die mir die moderne Technologie bietet.

Ich stehe am Eingang des Ambrose Theatre, dem im originalgetreuen französischen Barokstil erbauten Theater der Welt, und beobachte die Menschen, die vorübergehen. Dank meines modifizierten Smartphones erhalte ich ganz nebenbei so manch' interessante persönliche Information über die Passanten. Zum Beispiel über den mit modischer Schirmmütze und blauer Weste gekleideten Damell Richmond: Verschwörungstheoretiker, 23 Jahre, von Beruf Packer, jährliches Einkommen 20.500 Dollar. Oder über den etwas verwahrlosten Chico Geralis, 58 Jahre alt, der vor vier Jahren als vermisst gemeldet wurde - vermisst ist er jetzt hiermit nicht mehr. Interessant ist aber auch, dass Antonio Gomez, 57 Jahre, mehr als 10.000 Dollar Schulden hat und sein Geld als medizinische Testperson verdient. Mit solchen Informationen könnte man sicherlich so einiges anstellen.

Die Sonne scheint und so entscheide ich mich nach einiger Zeit, runter zum Fluss zu gehen. Ich schlendere ein wenig an der Uferpromenade entlang, belausche ein paar Telefongespräche und SMS. Doch das wahllose Abhören langweilt mich recht schnell - denn so spannend ist das Leben der anderen nun auch wieder nicht. Ich denke mir noch "arme NSA" und sehe ein Boot, dass am Kai festgemacht hat. In einer Zeitung - ja, so etwas lese ich noch und das am liebsten analog - habe ich kürzlich gelesen, das viele Berliner der Meinung sind, dass man ihre Stadt am besten vom Wasser aus erkunden kann. Warum soll das nicht auch auf das Bits-und-Bytes-Chicago der Zukunft zutreffen? Ich gehe also an Bord und starte den Motor - das Internet der Dinge hilft hier weiter.

Im Internet lese ich, dass der Chicago-River von insgesamt 38 beweglichen Brücken überspannt wird. Im virtuellen Nachbau scheint dies genau so zu sein. Ich schippere also zwischen den Häuserschluchten hindurch und hebe und senke ganz nebenbei - und zur Verwunderung der darauf befindlichen Autofahrer - die eine oder andere Hebebrücke. Nicht auszudenken, wenn dies auch in der Realität möglich wäre. Aber sind nicht schon heute viele Funktionen im städtischen Betrieb automatisiert und werden durch Computer gesteuert? Die Passanten kann ich von dieser Position nicht erfassen. Sind wahrscheinlich zu weit entfernt - das kann man bestimmt noch verbessern. Ich verlasse die Stadt und entdecke am Ufer ein interessantes Gebäude. Das sich schnell als Seaside Restaurant entpuppt. Also fahre ich zum Strand und schaue mir das Ganze einmal aus der Nähe an. Geschlossen! Dafür hat weiter hinten ein Schnellboot festgemacht. Das macht bestimmt mehr Spaß als mein bisheriges Fortbewegungsmittel.

Es wird langsam dunkel. Trotzdem wage ich eine Spritztour auf eine kleine, vorgelagerte Insel mit Leuchtturm - dem Harbor Lighthouse. Ein paar Hacks und ich gelange auch hier auf das gesicherte Gelände. Wie friedlich doch die Stadt von hier aus aussieht.

To be continued...


Produktinfos: Open-World-Action-Spiel von UbiSoft, USK 18, erhältlich für PC, XBOX One, XBOX 360, PS4 und PS3
 

 

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© Thomas Sommer 2006 - 2014