Wir verbinden uns mit unseren Freunden über soziale Netzwerke. Wir kaufen im
Internet ein und bezahlen virtuell - und dank ApplePay und ähnlicher Systeme
selbst in der "realen" Welt bald vielleicht ganz ohne Bargeld. Was wir hier
jeden Tag hinterlassen, nennt die emeritierte Harvard-Professorin Soshana
Zuboff Datenabgase (data exhaust). Und diese Abgase werden
immer mehr. Aber nicht nur die Menschen sind untereinander vernetzt. Durch das
Internet der Dinge sind selbst unsere Wohnungen verbunden, können
Küchenmaschinen auch von außerhalb an- und ausgeschaltet werden.
In
dem Spiel Watch Dogs, das seit diesem Jahr für PC und Spielekonsolen
erhältlich ist, nennt sich das System der totalen Überwachung Central Operating
System (ctOS). Es kontrolliert den größten Teil der Technologie der virtuell
nachgebauten Stadt Chicago und verfügt über zahlreiche Informationen eines
jeden Einwohners. Ich spiele Aden Pearce, einen begnadeten Hacker, dessen
kriminelle Vergangenheit zu einer blutigen Familientragödie führte.
Eigentliches Ziel des neuesten Open-World-Titels der Software-Schmiede UbiSoft ist die Jagd nach den Leuten, die Leid über mein
virtuelles Ich gebracht haben. Ich selbst versuche mich jedoch in der völlig
gewaltfreien Variante und erkunde lieber die Stadt und die Möglichkeiten, die
mir die moderne Technologie bietet.
Ich stehe am Eingang des
Ambrose Theatre, dem im originalgetreuen französischen Barokstil erbauten
Theater der Welt, und beobachte die Menschen, die vorübergehen. Dank
meines modifizierten Smartphones erhalte ich ganz nebenbei so manch'
interessante persönliche Information über die Passanten. Zum Beispiel über den
mit modischer Schirmmütze und blauer Weste gekleideten Damell Richmond:
Verschwörungstheoretiker, 23 Jahre, von Beruf Packer, jährliches Einkommen
20.500 Dollar. Oder über den etwas verwahrlosten Chico Geralis, 58 Jahre alt,
der vor vier Jahren als vermisst gemeldet wurde - vermisst ist er jetzt hiermit nicht
mehr. Interessant ist aber auch, dass Antonio Gomez, 57 Jahre, mehr als 10.000
Dollar Schulden hat und sein Geld als medizinische Testperson verdient. Mit
solchen Informationen könnte man sicherlich so einiges anstellen.
Die Sonne scheint und so entscheide ich mich nach einiger Zeit, runter zum
Fluss zu gehen. Ich schlendere ein wenig an der Uferpromenade entlang,
belausche ein paar Telefongespräche und SMS. Doch das wahllose Abhören
langweilt mich recht schnell - denn so spannend ist das Leben der anderen nun
auch wieder nicht. Ich denke mir noch "arme NSA" und sehe ein Boot, dass am
Kai festgemacht hat. In einer Zeitung - ja, so etwas lese ich noch und das am
liebsten analog - habe ich kürzlich gelesen, das viele Berliner der Meinung
sind, dass man ihre Stadt
am besten vom Wasser aus erkunden kann. Warum soll das nicht auch auf das
Bits-und-Bytes-Chicago der Zukunft zutreffen? Ich gehe also an Bord und starte
den Motor - das Internet der Dinge hilft hier weiter.
Im Internet lese ich, dass der Chicago-River von insgesamt 38 beweglichen
Brücken überspannt wird. Im virtuellen Nachbau scheint dies genau so zu sein.
Ich schippere also zwischen den Häuserschluchten hindurch und hebe und senke
ganz nebenbei - und zur Verwunderung der darauf befindlichen Autofahrer - die
eine oder andere Hebebrücke. Nicht auszudenken, wenn dies auch in der Realität
möglich wäre. Aber sind nicht schon heute viele Funktionen im städtischen
Betrieb automatisiert und werden durch Computer gesteuert? Die Passanten kann
ich von dieser Position nicht erfassen. Sind wahrscheinlich zu weit entfernt -
das kann man bestimmt noch verbessern. Ich verlasse die Stadt und entdecke am
Ufer ein interessantes Gebäude. Das sich schnell als Seaside Restaurant
entpuppt. Also fahre ich zum Strand und schaue mir das Ganze einmal aus der
Nähe an. Geschlossen! Dafür hat weiter hinten ein Schnellboot festgemacht. Das
macht bestimmt mehr Spaß als mein bisheriges Fortbewegungsmittel.
Es wird langsam
dunkel. Trotzdem wage ich eine Spritztour auf eine kleine,
vorgelagerte Insel mit Leuchtturm - dem Harbor Lighthouse. Ein paar
Hacks und ich gelange auch hier auf das gesicherte Gelände. Wie friedlich
doch die
Stadt von hier aus aussieht.
To be continued...
Produktinfos: Open-World-Action-Spiel von UbiSoft, USK 18,
erhältlich für PC, XBOX One, XBOX 360, PS4 und PS3