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Ausgabe 15, November 2014
Linksruck in Thüringen
Landtagswahl 2014 in Thüringen -
Hintergründe und Zahlen
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Text:
→Thomas Sommer
Die Landtagswahl in Thüringen liegt schon eine
Weile zurück. Nicht jeder kann sich daher noch genau an
alle wichtigen Ereignisse erinnern. polinomics hilft dem
Gedächtnis ein wenig auf die Sprünge und fasst nochmals
alle Fakten zusammen.
Bei der Landtagswahl am 14. September traten mehr als 400
Kandidatinnen und Kandidaten von insgesamt 12 Parteien an, um eines
der begehrten Landtagsmandate für sich zu gewinnen. Als
Spitzenkandidaten der Parteien (vertretende Parteien des
Landtags 2009 bis 2014) traten an: Christine Lieberknecht (CDU),
Bodo Ramelow (Die Linke), Heike Taubert (SPD), Anja Siegesmund
(Bündnis 90/Die Grünen) und Uwe Barth (FDP).

Die Wahlbeteiligung lag bei nur 52,7
Prozent - jeder zweite Wähler blieb demnach zu Hause. Dies ist der
bisher niedrigste Wert in der Geschichte der Landtagswahlen von
Thüringen überhaupt.

Im Gegensatz zu Bodo Ramelow konnte Christine
Lieberknecht ihr Direktmandat ohne Probleme verteidigen. Sie
erlangte in ihrem Wahlkreis Weimar I/Weimarer Land II insgesamt 45,0
Prozent der Erststimmen (Linke und SPD blieben hier unter 20
Prozent). Ramelow verlor hingegen als einziger Linker in Erfurt
(Wahlkreis Erfurt III) sein Direktmandat. Er unterlag mit 31,5
Prozent der früherern Staatskanzleichefin Marion Walsmann (CDU),
die 33,8 Prozent der Stimmen für sich gewinnen konnte. Die übrigen
drei Erfurter-Wahlkreise gingen an die Linken-Politiker Susanne
Hennig-Welsow, an Karola Stange (36,8 Prozent) und an André Blechschmidt
(37,1 Prozent).

Für die FDP, die insgesamt 5,2 Prozentpunkte einbüßen musste,
reichte es nicht für einen erneuten Einzug in das
Landesparlament. Große Verluste (-6,1 Prozent) erlitt ebenfalls
die SPD. Die AfD konnte hingegen aus dem Stehgreif 10,6 Prozent
der Stimmen für sich gewinnen und ist damit im Landtag vertreten.

Wer ist der Sieger?
Als um 18 Uhr die erste Prognose erscheint, sieht sich zunächst
die CDU als klare Siegerin dieser Wahl. Sie konnte sogar einen
Gewinn von 2,2 Prozent für sich verzeichnen. Der Fortsetzung der
Großen Koalition aus CDU und SPD schien nichts im Wege zu
stehen. Scheinbar. Denn das Ergebnis ließ auch noch eine andere
Koalition zu: Rot-Rot-Grün. Ein echter Paukenschlag - wäre es
doch die erste Landesregierung unter der Führung der
Linkspartei. Eines eint jedoch beide Varianten: Sie wären denkbar
knapp. Die Regierung würde jeweils über lediglich einer Stimme
Mehrheit verfügen (46 Stimmen bei 91 Abgeordneten). Alle
Parteien hatten im Vorfeld der Wahlen eine Koalition mit der AfD
ausgeschlossen.
SPD als Zünglein an der Waage - Proteste im Land
Die SPD wird so - trotz erheblicher Stimmenverluste - zum Zünglein an der
Waage. Über mehrere Wochen hinweg wird sondiert und diskutiert.
Die SPD führt daraufhin Anfang November eine Mitgliederbefragung zu einer
möglichen rot-rot-grünen Landesregierung durch. 70 Prozent der
Befragten sprechen sich für die Koalition mit der Linken und den
Grünen aus. Der Weg ist damit frei für Bodo Ramelow als erster Linken-Ministerpräsident
in der Geschichte. Die Ministerpräsidentenwahl findet
am 5. Dezember statt.
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