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Ausgabe 15, November 2014
Linksruck in Thüringen
Der Preis der Macht
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Screenshot: Twitter |
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Ein Kommentar von
→Thomas Sommer
Die Linke Thüringen will unbedingt den
Ministerpräsidenten stellen. Auch wenn sie trotz
einer deutlichen Stimmenmehrheit nur drei von acht Ministerien
erhält.
Nach wochenlangen Sondierungsgesprächen geht es am Ende
doch recht zügig. Manch' einer ist sogar ein wenig
überrascht ob der ungewohnten Geschwindigkeit. Gemeint
ist die Einigung auf den rot-rot-grünen
Koalitionsvertrag.
Sichtlich erleichtert treten am 19. November - 67 Tage
nach der Wahl - die drei Spitzen der Koalitionäre
Susanne Hennig-Wellsow (Die Linke), Dieter Lauinger
(Bündnis 90/Die Grünen) und Andreas Bausewein (SPD) vor
die Presse und verkünden: Ja, es ist vollbracht. Der
Koalitionsvertrag für die erste rot-rot-grüne
Landesregierung mit dem ersten linken
Ministerpräsidenten steht.
In Richtung CDU sagt Hennig-Wellsow, dass es nun 3:0 für Rot-Rot-Grün stehe. "Die CDU hat keine
Mehrheit, keinen Kandidaten für das
Ministerpräsidentenamt und keinen Koalitionsvertrag", so
die Vorsitzende der Thüringer Linken triumphierend.
Man habe in den vergangenen Wochen "auf Augenhöhe"
miteinander verhandelt und der Koalitionsvertrag trage
damit die Handschrift aller drei Parteien. Kann das denn
sein? Wenn ja, dann
verwundert es doch ein wenig, dass die Linke, die in dem
Dreierbündnis die deutlich stärkste Partei ist,
lediglich drei der acht Ministerien erhält. Um Bodo Ramelow als
ersten Ministerpräsidenten der Linken durchzusetzen, ist
man wohl zu einigen Zugeständnissen bereit.
Er wolle nicht alles anders, aber vieles besser machen,
hat Bodo Ramelow während des Wahlkampfes immer wieder
gesagt. Kein Wunder also, dass diese Floskel auch an
diesem 19. November wieder auftaucht. Hennig-Wellsow:
"Rot-Rot-Grün wird nicht alles anders machen, aber
vieles besser."
Wer sich einmal die Mühe macht und sich den
106 Seiten starken Koalitionsvertrag näher
anschaut,
erkennt recht schnell: Beide sprechen die Wahrheit.
Wirklich Neues findet man tatsächlich nicht. Na gut, es
sollen mehr Lehrer eingestellt (jedes Jahr 500), mehr
Windräder aufgestellt und mehr Kommunalzuschüsse
gebilligt werden. Gleichzeitig sollen die
Kindergartengebühren sinken (es wird sogar ein
kostenfreies Kita-Jahr geben) und weniger V-Leute
eingesetzt werden. Alles andere bleibt wie immer.
Beruhigend ist allenfalls, dass Die Linke - allen Unkenrufen zum Trotz
- doch nicht den Sozialismus auferstehen lassen will.
Aber was sagt eigentlich die Wirtschaft? Einen Tag nach
der Vorstellung des Koaltionsvertrages hat die IHK
Erfurt gemeinsam mit der IHK Ostthüringen zu Gera und
der IHK Südthüringen zu einem Pressegespräch eingeladen:
Wirtschaftspolitische Positionen der Thüringer IHKs im
Zuge der Regierungsbildung - so der Titel. "Die neuen
Koalitionäre haben viel über Ausgaben gesprochen und
sehr wenig über Wirtschaft - höchstens mal in einem
Nebensatz", beklagt sich Gerald Grusser,
Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt, in der Osttühringer
Zeitung (OTZ). Die Wirtschaft sei skeptisch. Man
finde zu wenig Wirtschaft im Koaltionsvertrag. Die neue
Landesregierung solle es mit den Wohltaten zu Lasten der
Wirtschaft nicht übertreiben.
Mal schauen, ob sich Rot-Rot-Grün diese Mahnung zu eigen
macht.
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