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Ausgabe 15: Linksruck in Thüringen

Projekt #rg2 -
Oder: Wie hälst Du es mit der Linken?

Text: Thomas Sommer

Er schickt sich an, der erste Ministerpräsident der Linken zu werden - und das im Jahr 25 nach dem Mauerfall! Doch zunächst sah es nicht nach einem Sieg für Bodo Ramelow aus
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Mitte September 2014 in Thüringen: Landtagswahltag. Alles hätte für Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) so schön sein können. Das Direktmandat in ihrem Heimatwahlkreis Weimar hat sie mit 45 Prozent der Stimmen eindeutig für sich gewinnen können. Und auf Landesebene können die  Christdemokraten ebenfalls punkten. Ein Plus von 2,2 (Landtagswahl 2009) auf nun 33,5 Prozent. Das reicht zum Weiterregieren! Siegessicher tritt Lieberknecht daher kurz nach der ersten 18-Uhr-Prognose vor ihre Anhänger, die sich auf der CDU-Wahlparty in Erfurt versammelt haben.


Screenshot: Twitter

"Ich freue mich riesig", so Lieberknecht. Die CDU habe mit diesem Ergebnis einen klaren Regierungsauftrag erhalten. Sichtlich erleichtert fügt sie noch an: "Rot-Rot ist verhindert worden!" Schnell ist auch die fehlende Koaltionsaussage des bisherigen Regierungspartners SPD vergessen. Schwamm drüber. Die Sozialdemokraten haben angesichts eines Minus von 6,1 Prozent ganz andere Sorgen. CDU-Landtagsfraktionschef Mike Mohring zeigt sich großzügig: "Wir werden beschließen, der SPD umgehend ein Gesprächsangebot zur Fortsetzung der Koaltion zu machen." So sehen Sieger aus. Denkste.


Screenshot: Twitter

"Wir haben die Wahl gewonnen." Auch Bodo Ramelow, Spitzenkandidat der Linken, sieht sich an diesem Abend als Wahlsieger. Angesichts der Sitzverteilung im neuen Thüringer Landtag hat weder Schwarz-Rot noch Rot-Rot-Grün eine eindeutige Mehrheit. Von insgesamt 91 Sitzen erhält die CDU 34, Die Linke 28, die SPD 12, die AfD 11 und die Grünen 6. Die Wahl Ramelows zum ersten linken Ministerpräsidenten scheint genau so möglich, wie die Weiterführung der Großen Koaltion. Eine klassische Patt-Situation.

Und so kommt dem Wahlverlierer SPD doch noch eine tragende Rolle zu: Wieder einmal sind sie die "Königsmacher" von Thüringen. Nur vier Tage nach der Landtagswahl trafen sich Linke, SPD und Grüne zu einem ersten Sondierungsgespräch. Alle schauen gebannt nach Erfurt und warten darauf, ob es sie denn gibt, eine eine gemeinsame Schnittmenge, die groß genug ist, eine Legislaturperiode zu überdauern. Denn leicht wäre eine rot-rot-grüne Koaltion schließlich nicht. Man würde mit nur einer Stimme Mehrheit regieren. Die Verhandlungsführer Susanne Hennig-Wellsow (Vorsitzende der Thüringer Linken), Andreas Bausewein (Vorsitzender der Landes-SPD) und Dieter Lauinger (Landessprecher der Grünen) zeigten sich nach dem Gespräch optimistisch. Die SPD zeigt sich vorsichtig. Sie wollen nach dem Abschluss der Sondierungsgespräche die Thüringer Parteibasis darüber abstimmen lassen, mit wem sie in Koalitionsverhandlungen treten solle. Daher heißt es für die Sozialdemokraten bereits im Vorfeld genügend Eckpunkte für einen möglichen Koalitionsvertrag zusammenzutragen.

Mitte Oktober ist es dann so weit. Die Sondierungsgespräche von Linke, SPD und Grüne sind abgeschlossen und in einem gemeinsamen Papier zusammenfasst (→Zusammenfassung der Ergebnisse, Link öffnet PDF). "Fair und auf Augenhöhe" haben die Sozialdemokraten aber auch mit der CDU gesprochen. Jetzt sind die SPD-Mitglieder gefragt - und die entscheiden Anfang November bei einem Migliedervotum recht eindeutig. Die Thüringer Genossen votierten mit einer Mehrheit von rund 70 Prozent für Rot-Rot-Grün.

Ganz modern teilt die Landes-SPD das Ergebnis per Facebook mit. (Foto: Screenshot →Facebook)


Sieben Wochen nach der Landtagswahl können damit die Koaltionsverhandlungen von Rot-Rot-Grün beginnen. Die Wahl des Ministerpräsidenten im Thüringer Landtag wird am 5. Dezember stattfinden. Ob der nächste Ministerpräsident Bodo Ramelow heißen wird? Wahrscheinlich!

 

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