Die Freihandelslüge: Warum TTIP nur den Konzernen nützt - und uns allen schadet  


Text: →Thomas Sommer
Ausgabe 16, September 2015: TTIP - Eine Chance für Europa!?

Gleich zu Beginn stellt Thilo Bode in „Die Freihandelslüge" eine kühne Behauptung auf: TTIP dient nicht den beteiligten Ländern, deren Bürger und der Mehrheit ihrer Unternehmen. TTIP diene fast ausschließlich den großen, weltweit agierenden Konzernen. Bode stützt seine These auf einen Satz aus dem TTIP-Verhandlungsmandat, das die EU-Mitgliedstaaten der EU-Kommission erteilt haben. Hier heißt es, das Investoren durch TTIP „das höchstmögliche Maß an Rechtschutz und Rechtssicherheit " gewährt werden soll. Investorenschutz stehe demnach über Verbraucherschutz. Sein Fazit: TTIP muss gestoppt werden!

Thilo Bode stellt die Pro-TTIP-Argumente von Regierung und Interessenverbände auf den Prüfstand und legt anschaulich dar, warum TTIP aus seiner Sicht Verbraucherrechte sowie Sozial- und Umweltstandards gleichermaßen gefährde. In einem ersten Teil erklärt er zunächst allgemeinverständlich die TTIP-Grundlagen. In einem zweiten Teil geht er dann auf die Auswirkungen für die von TTIP betroffenen Menschen ein. Bei TTIP gehe es nicht, so Bode, um das berühmte Chlorhühnchen, sondern um nicht weniger als das Ende unserer Demokratie. Denn das höchste Gut von Regierungen, autonom Gesetze beschließen zu können, werde mit TTIP der Verhangenheit angehören. Die Heilsversprechungen wie die Schaffung von Millionen neuer Arbeitsplätze oder eines deutlichen Wachstums der Wirtschaftskraft seien nicht nur schlicht falsch, sondern ohne jede wissenschaftliche Grundlage. Tatsächlich mussten der Verband der Automobilhersteller (VDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sowie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Anfang 2015 diesbezügliche Veröffentlichungen zurückziehen (Link zum spiegel-online Artikel vom 11. März 2015: → Freihandelsabkommen: Industrieverband räumt falsche Angaben über TTIP ein).

Thilo Bode beschreibt die Auswirkungen, die TTIP auf das Leben der Menschen haben wird. Standards im Umweltschutz, bei gefährlichen Chemikalien, in der Lebensmittelindustrie, in der Landwirtschaft und in der Tierhaltung sowie bei den Arbeitnehmerrechten. Unter TTIP, so ist der Autor überzeugt, würden Verbesserungen unhaltbarer Zustände allein von der Gnade der Konzerne abhängen.

Auch wenn sich bereits einige Befürchtungen, die Bode in seinem Buch beschreibt, erledigt zu haben scheinen (Schiedsgerichte, Verminderung von Standards), so bleibt es doch nach wie vor eine wichtige Zusammenfassung aller Punkte, die ein Freihandelsabkommen mit den USA nach sich ziehen könnten. Und wenn die von ihm aufgstellte Negativliste die Verhandlungen in eine bessere Richtung führen, dann ist schon viel getan.

Thilo Bode
Die Freihandelslüge.
Warum TTIP nur den Konzernen nützt - und uns allen schadet
DVA 2015
272 Seiten
14,99 Euro


 


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