Die Fragen stellte
→Thomas Sommer
Viele Deutsche stehen dem Freihandelsabkommen
TTIP skeptisch gegenüber. Einige haben sogar Angst
davor. Die größte politische Jugendorganisation
Deutschlands, die Junge Union, sieht das anders und sagt
Ja zu TTIP. Im polinomics-Interview erklärt JU-Chef Paul
Ziemiak, warum er das Freihandelsabkommen als
Zukunftschance sieht und gerade die kleinen und
mittleren Betriebe am Ende profitieren werden.
polinomics: „Weniger Bürokratie wagen!": In Anlehnung an
das Willy-Brandt-Zitat „Mehr Demokratie wagen!" mischt
sich die Junge Union derzeit in die aktuelle
TTIP-Debatte ein. Wollen Sie als
CDU/CSU-Jugendorganisation speziell den Genossen im Land
damit etwas sagen?
Paul Ziemiak:
Natürlich sprechen wir mit diesem speziellen Zitat die
SPD an, die es bisher vermieden hat klar Stellung für
TTIP zu beziehen. Aber die Idee für unsere Kampagne geht
weit über die Genossen der SPD hinaus. Die Debatte um
TTIP ist zu einem Sammelbecken für linke
Globalisierungsgegner, Antiamerikanismus und Hysterie
geworden. Wir sehen TTIP vor allem als Zukunftschance.
Daher möchten wir für TTIP werben und den Menschen Mut
machen statt Ängste zu schüren.
polinomics: Seit 2013
verhandelt die EU mit den USA über das
Freihandelsabkommen TTIP. Aber warum braucht es
eigentlich ein solches Abkommen? Reichen die bestehenden
bilateralen Verträge denn nicht aus?
Paul Ziemiak: Grundsätzlich ist
mehr freier Handel immer gut, nicht nur für unsere
Volkswirtschaft. Mit Blick auf die USA ist das Abkommen
aber besonders wichtig, denn sie bleiben auf längere
Zeit der wichtigste Handelspartner für uns, deshalb
sollten gerade über den Atlantik hinweg keine Zölle mehr
erhoben werden und so viele technische Standards wie
möglich vereinheitlicht werden.
polinomics: Würde TTIP - als ein weiteres Abkommen - die
Bürokratie nicht eher aufblähen als abbauen?
Paul Ziemiak: Ich denke nicht. Die
regulatorische Kooperation ist ein entscheidender
Bestandteil von TTIP. Sinn und Zweck des Abkommens ist
es schließlich auch doppelte Vorschriften und unnötige
Bürokratie zu vermeiden. Oft existieren Vorschriften auf
dem gleichen hohen Schutzniveau, etwa bei
Sicherheitstests für Autos. Durch kleine Unterschiede,
etwa die Krümmung der Rückspiegel oder die Farbe der
Rückleuchten, wird der transatlantische Handel jedoch
faktisch unterbunden. Es geht in den Verhandlungen auch
darum diese Vorschriften zu vereinheitlichen, um den
Handel zu vereinfachen. Das würde gleichzeitig helfen
unnötige Bürokratie abzubauen.
polinomics: Deutschland gilt als Land
des Mittelstandes. Nach Zahlen des Statistischen
Bundesamtes zählten 2012 mit bundesweit 2,2 Millionen
Betrieben die überwiegende Mehrheit (99,3 Prozent) zu
den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Lediglich
16.000 wurden als Großunternehmen klassifiziert.
TTIP-Kritiker behaupten, dass nur die global agierenden
Unternehmen von einem Freihandelsabkommen profitieren
würden. Stimmt das? Und welche konkreten Vorteile hat
denn der einfache Mittelständler von einem
Freihandelsabkommen mit den USA?
Paul Ziemiak: Genau das Gegenteil ist
der Fall. Die meisten Großunternehmen treiben längst
schon internationalen Handel. Für Sie wird der
transatlantische Handel mit dem Abkommen sicherlich
erleichtert, den großen Mehrwehrt wird TTIP aber gerade
für die kleinen und mittelständischen Unternehmen
bringen. Während die KMUs aktuell noch durch doppelte
Vorschriften und Zulassungsverfahren mit bürokratischem
Mehraufwand und hohen Zusatzkosten belastet werden, wird
TTIP besonders für sie neue Impulse bringen, von denen
sie sicherlich profitieren werden.
polinomics: TTIP-Gegner führen auch immer eine mögliche
Unterwanderung des Rechtsstaats durch private
Schiedsstellen (ISDS) an. Bei vielen Menschen geht daher
die Angst vor einer möglichen Paralleljustiz um. Wie
sehen Sie das?
Paul Ziemiak:
Diese Angst kann ich nicht teilen. Aus meiner Sicht sind
Schiedsgerichte ein großer rechtspolitischer Fortschritt
und sollten auf keinen Fall aufgegeben werden. Es wäre
gerade für die kleinen und mittleren Unternehmen ein
großer Schaden, wenn sie allein auf die staatliche
Gerichtsbarkeit angewiesen wären.
polinomics:
Ähnlich sieht es mit der Angst vor einer
Abminderung von Standards aus. Zu Beginn der
Verhandlungen wurde dafür das berühmte "Chlorhuhn"
angeführt. Aus europäischer Sicht sehen die vielfach
niedrigeren Standards der USA schon ein wenig bedrohlich
aus. Anführen kann man hier beispielsweise die
kontroversen Ansichten in Sachen Umwelt- und
Verbraucherschutz oder auch unterschiedliche
Auffassungen beim Arbeitsschutz und Arbeitsrecht. Müssen
wir uns als Europäer Sorgen machen?
Paul
Ziemiak: Ein Freihandelsabkommen schafft keinen
Binnenmarkt. Wenn in der EU strengere Regeln für
Produktzulassung gelten als in den USA, wird TTIP daran
nichts ändern. Unterschiedliche Regelungen können
bestehen bleiben. Angleichungen wird es nur bei gleichem
Schutzniveau geben. Hohe Umwelt- und
Verbraucherstandards werden durch TTIP ebenso wenig
berührt wie Buchpreisbindung oder Mindestlohn.
Freihandelsabkommen stellen nur sicher, dass diese
Regelungen ausländische Anbieter nicht diskriminieren.
polinomics: Wie würden Sie den
folgenden Satz beenden? Eine Welt mit TTIP ist für mich
...
Paul Ziemiak: …die Chance
für Europa bei der Gestaltung der Welthandelsordnung
auch zukünftig ein gewichtiges Wort mitzureden.
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