Text:
→Thomas Sommer
Transatlantische Handels- und
Investitionspartnerschaft (TTIP): Abgesehen von der
Finanzkrise treibt kaum ein Wirtschaftsthema die
Europäer in letzter Zeit mehr um, als die Verhandlungen
über eine Freihandelszone zwischen der EU und den USA.
Besonders in Deutschland gibt es eine lebhafte Debatte
und - wie es scheint - noch sehr viel
Informationsbedarf. Denn Ängste und Sorgen der Menschen
übertreffen die von Wirtschaftsverbänden und Politikern
proklamierten Chancen. Das Bundesministerium für
Wirtschaft und Energie (BMWi) hat das erkannt und möchte
den Dialog mit der Öffentlichkeit führen. Ganz bewusst
hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel daher Anfang Juni
junge Menschen unter 35 Jahren eingeladen, mit ihm und
mit EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström, dem
US-Handelsbeauftragten Michael Froman und dem
Vorsitzenden des Handelsausschusses im Europäischen
Parlament, Bernd Lange, zu diskutieren. Den kompletten Stream der
Veranstaltung finden Sie
→hier.
„Können wir durch ein internationales Abkommen
in Zukunft zusammen besser leben, als wir es vorher
alleine getan haben?" Bundeswirtschaftsminister Gabriel
bringt es gleich zu Beginn der Veranstaltung auf den
Punkt. In Europa sinkt die Bevölkerungszahl stetig.
Andere Teile der Welt, wie beispielsweise Asien, wachsen
hingegen enorm. Die Frage einer Partnerschaft sei daher
gerade für Europa existenziell. Und diesen Partner, den
gebe es bereits: die Vereinigten Staaten. Über
die Sorgen, die es von Seiten der Bevölkerung gebe,
wolle Gabriel an dieser Stelle offen reden. Dass das
auch nötig ist, zeigt nicht zuletzt eine Umfrage, die im
Vorfeld der Diskussionsrunde in Auftrag gegeben wurde.
Demnach fühlen sich knapp 43 Prozent der Befragten nicht
gut über TTIP informiert. Ein Umstand, der
genau entgegen der von EU-Handelskommissarin Malmström
angestoßenen „Online-Transparenzoffensive" (hier
der
→ Link) der EU
steht. Eine Hürde gebe es jedoch. Zunächst müsse man die Webseite der
EU-Kommission aufsuchen, so Malmström. Und genau hier besteht
jedoch das Problem: Nur
sehr wenige tun dies bisher.
US-Handelsbeauftragter Michael
Froman betont die
einzigartige Chance, die TTIP biete: „Wir sind
Hochlohnländer. Wir können die Standards setzen und
diese dann in der Welt verbreiten anstatt die, von
anderen gesetzten Standards zu übernehmen." Bernd Lange, Vorsitzender des
Handelsausschusses des Europäischen Parlaments, möchte
mit den Mißverständnissen, die es rund um TTIP gibt,
aufräumen. Im Gegensatz zu zahlreichen Behauptungen
seien die Verhandlungen nicht geheim. Überdies nutze man
in allen Punkten das demokratische Gewissen und sage zu
einzelnen Punkten, die nicht im Interesse der Bevölkerung
stünden,
auch einmal Nein. Und überhaupt: „Private Schiedsstellen sind
nicht mehr in der Resolution enthalten. Die gehören auch
nicht in moderne Handelsverträge", so Lange. Entscheiden
würde am Ende vielmehr ein unabhängiger, öffentlicher
Gerichtshof. Dieser solle nicht mit privaten
Schiedsleuten, sondern mit ordentlichen Richtern besetzt werden. Die
ganzen Problemstellungen rund um die privaten
Schiedsstellen habe man ausgeschlossen.
„Das Freihandelsgesetz ändert kein bestehendes
Gesetz - weder in den Vereinigten Staaten noch in der
Europäischen Union", erklärt Bundeswirtschaftsmister Gabriel. Man überprüfe
lediglich, ob die Standards, wie sie in den USA und in
der EU angewendet werden, miteinander vergleichbar sind.
Falls dies so sei, müssten von den Unternehmern nicht
mehr zwei Zulassungen (eine für die USA und eine für die
EU) beantragt werden. Gerade für Kleine und mittlere
Unternehmen (KMU) würde dies eine enorme
Arbeitserleichterung bedeuten. So würden gerade die KMUs
und weniger die Großunternehmen von einem
Freihandelsabkommen mit den USA profitieren. Gabriel
vergisst aber nicht zu erwähnen, dass es im Gegenzug
auch Bereiche geben würde, in denen eben keine
Vergleichbarkeit der Standards festgestellt werden
könne. Er führt hier das Beispiel der gentechnisch
veränderten Produkte an. Der Bundeswirtschaftsminister
betont: „Das Freihandelsabkommen
wird hier keine Vergleichbarkeit herstellen. Dann wird
es bei unterschiedlichen Regeln und einer doppelten
Beantragung bleiben."
Eines hat die
Informationsveranstaltung im BMWi wieder einmal gezeigt. Bei TTIP geht es um weit mehr als
um einfache Vereinbarungen zwischen der EU und den USA. Bei
TTIP geht es um Vertrauen. Das letzte Wort in TTIP, so
EU-Handelskommissarin Malmström, sei eben
„Partnerschaft" und dabei gehe es immer um Vertrauen.
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