Constanze Kurz und
Frank Rieger
Arbeitsfrei

Foto: Jayphen Simpson / https://unsplash.com/@jayphen
Rezension
→Thomas Sommer
Ausgabe 17, September 2016:
Industrie 4.0
Zu Beginn des 19.
Jahrhunderts konnte ein Bauer mit Pflug und Pferd eine
Handvoll Menschen ernähren, heute sind es dank
Mechanisierung und immer intelligenteren Landmaschinen
Hunderte. Während vor 150 Jahren über die Hälfte der
Menschen in Deutschland in der Landwirtschaft und deren
zugeordneten Betrieben (Bauernhöfe, Mühlen, Bäckereien)
tätig waren, waren sie Anfang des 20. Jahrhunderts
gegenüber den Arbeitenden in Handwerk und Industrie
bereits in der Minderheit.
Die Menschen wissen viel zu
wenig darüber, wie die Arbeitswelt heute und in der
Zukunft tatsächlich aussieht - so die Autoren. Das
archaische und ursprünglichste aller Lebensmittel, unser
Brot, könne daher als Paradebeispiel für die
Automatisierung herangezogen werden. Von der
industriellen Landwirtschaft über die Produktion der
Landmaschinen, die Backfabriken bis hin zur
durchdigitalisierten Lieferlogistik - Menschen spielen
eine immer untergeordnetere Rolle. Wenn die Maschinerie
läuft und den Takt vorgibt, sind sie nur noch Handlanger
in Niedriglohnberufen. Im zweiten Teil des Buches geht
es daher auch in die Zukunft. Zu den Industrierobotern,
den automatisch fahrenden Autos, den immer
intelligenteren und flexibleren Robotern und überhaupt
zu den Maschinen, die uns immer mehr Tätigkeiten
abnehmen. Alles mündet schließlich in der Frage: Was
macht es aus, ein Mensch zu sein?
Wie werden
wir morgen unseren Lebensunterhalt verdienen? Nehmen uns
zukünftig Maschinen die Arbeit ab und wir können uns den
süßen Dingen des Lebens widmen? Wenn es um die Frage
der Zukunft der Arbeit durch die fortschreitende
Digitalisierung und Industrie 4.0 geht, gibt es
Menschen, die die Zukunft optimistisch sehen und welche,
deren Erwartungen von negativen Tendenzen bestimmt
werden.
Um die grundlegenden Fragen rund um Industrie 4.0
und dessen neuen Arbeitsumfeld zu beantworten, nehmen
uns die Autoren Constanze Kurz und Frank Rieger zunächst
mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Denn nur mit
dem Blick in die unmittelbare Vergangenheit könne man
künftige Entwicklungen abschätzen. So nehmen sie uns im
ersten Teil ihres Buches mit in die landwirtschaftliche
Produktion: Auf den Bauernhof, zu den Mähdreschern und
dahin, wo das Brot gebacken wird. In einem Bereich, der
in den letzten Jahrzehnten Rationalisierungs- und
Automatisierungswellen durchlebt hat, die in ihrer
Dimension den kommenden Veränderungen in vielen anderen
Branchen ebenbürtig sind.
Constanze Kurz
Constanze Kurz, geboren 1974 in Berlin, ist promovierte
Informatikerin und arbeitet als wissenschaftliche
Projektleiterin am Forschungszentrum für Kultur und
Informatik an der Hochschule für Technik und
Wissenschaft in Berlin. In der Öffentlichkeit ist sie
als Sprecherin des Chaos Computer Clubs hervorgetreten
sowie als technische Sachverständige in der
Enquête-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft"
des Deutschen Bundestages. In der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung schreibt sie vierzehntäglich die
Kolumne Aus dem Maschinenraum. Sie hat mehrere Bücher
zum Thema Datenschutz veröffentlicht.
Frank Rieger
Frank Rieger, Jahrgang 1971, ist technischer
Geschäftsführer eines Unternehmens für
Kommunikationssicherheit. Er ist einer der Sprecher des
Chaos Computer Clubs und Mitbegründer erfolgreicher
Startup-Unternehmen in den Bereichen Datensicherheit,
Navigationsdienste und E-Reading. Zusammen mit Constanze
Kurz veröffentlichte er 2011 das Buch Die
Datenfresser: Wie Internetfirmen und Staat sich unsere
persönlichen Daten einverleiben und wie wir die
Kontrolle darüber zurückerlangen.

Constanze Kurz und Frank Rieger
Arbeitsfrei. Eine
Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen
Riemann Verlag
288 Seiten
17,99 Euro (D) /
18,50 Euro (A) / 24,50 CHF
ISBN 978-3-570-50155-9
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