Rezension:
→Thomas Sommer
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnte ein
Bauer mit Pflug und Pferd eine Handvoll Menschen
ernähren, heute sind es dank Mechanisierung und immer
intelligenteren Landmaschinen Hunderte. Während vor 150
Jahren über die Hälfte der Menschen in Deutschland in
der Landwirtschaft und deren zugeordneten Betrieben
(Bauernhöfe, Mühlen, Bäckereien) tätig waren, waren sie
Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber den Arbeitenden in
Handwerk und Industrie bereits in der Minderheit.
Wie werden wir morgen unseren Lebensunterhalt verdienen?
Nehmen uns zukünftig Maschinen die Arbeit ab und wir
können uns den süßen Dingen des Lebens widmen? Wenn es
um die Frage der Zukunft der Arbeit durch die
fortschreitende Digitalisierung und Industrie 4.0 geht,
gibt es Menschen, die die Zukunft optimistisch sehen und
welche, deren Erwartungen von negativen Tendenzen
bestimmt werden.
Um die grundlegenden Fragen rund
um Industrie 4.0 und dessen neuen Arbeitsumfeld zu
beantworten, nehmen uns die Autoren Constanze Kurz und
Frank Rieger zunächst mit auf eine Reise in die
Vergangenheit. Denn nur mit dem Blick in die
unmittelbare Vergangenheit könne man künftige
Entwicklungen abschätzen. So nehmen sie uns im ersten
Teil ihres Buches mit in die landwirtschaftliche
Produktion: Auf den Bauernhof, zu den Mähdreschern und
dahin, wo das Brot gebacken wird. In einem Bereich, der
in den letzten Jahrzehnten Rationalisierungs- und
Automatisierungswellen durchlebt hat, die in ihrer
Dimension den kommenden Veränderungen in vielen anderen
Branchen ebenbürtig sind.
Constanze Kurz
Constanze Kurz, geboren 1974 in Berlin, ist promovierte
Informatikerin und arbeitet als wissenschaftliche
Projektleiterin am Forschungszentrum für Kultur und
Informatik an der Hochschule für Technik und
Wissenschaft in Berlin. In der Öffentlichkeit ist sie
als Sprecherin des Chaos Computer Clubs hervorgetreten
sowie als technische Sachverständige in der
Enquête-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft"
des Deutschen Bundestages. In der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung schreibt sie vierzehntäglich die
Kolumne Aus dem Maschinenraum. Sie hat mehrere Bücher
zum Thema Datenschutz veröffentlicht.
Frank Rieger
Frank Rieger, Jahrgang 1971, ist technischer
Geschäftsführer eines Unternehmens für
Kommunikationssicherheit. Er ist einer der Sprecher des
Chaos Computer Clubs und Mitbegründer erfolgreicher
Startup-Unternehmen in den Bereichen Datensicherheit,
Navigationsdienste und E-Reading. Zusammen mit Constanze
Kurz veröffentlichte er 2011 das Buch Die
Datenfresser: Wie Internetfirmen und Staat sich unsere
persönlichen Daten einverleiben und wie wir die
Kontrolle darüber zurückerlangen.
Die Menschen wissen viel zu wenig darüber, wie die
Arbeitswelt heute und in der Zukunft tatsächlich
aussieht - so die Autoren. Das archaische und
ursprünglichste aller Lebensmittel, unser Brot, könne
daher als Paradebeispiel für die Automatisierung
herangezogen werden. Von der industriellen
Landwirtschaft über die Produktion der Landmaschinen,
die Backfabriken bis hin zur durchdigitalisierten
Lieferlogistik - Menschen spielen eine immer
untergeordnetere Rolle. Wenn die Maschinerie läuft und
den Takt vorgibt, sind sie nur noch Handlanger in
Niedriglohnberufen. Im zweiten Teil des Buches geht es
daher auch in die Zukunft. Zu den Industrierobotern, den
automatisch fahrenden Autos, den immer intelligenteren
und flexibleren Robotern und überhaupt zu den Maschinen,
die uns immer mehr Tätigkeiten abnehmen. Alles mündet
schließlich in der Frage: Was macht es aus,
ein Mensch zu sein?
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Constanze Kurz und Frank Rieger Arbeitsfrei.
Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns
ersetzen
Riemann Verlag 288 Seiten 17,99 Euro (D) /
18,50 Euro (A) / 24,50 CHF ISBN
978-3-570-50155-9
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